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Claudia Pechstein wegen Blutdopings gesperrt

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Doping - Eisschnelllauf  

Claudia Pechstein wegen Blutdopings gesperrt

12.02.2010, 22:53 Uhr | t-online.de, dpa, sid

Auffällige Werte bei Claudia Pechstein. (Foto: dpa)Auffällige Werte bei Claudia Pechstein. (Foto: dpa) Schock für den deutschen Eisschnelllauf: Die fünfmalige Olympiasiegerin Claudia Pechstein ist wegen Blutdopings für zwei Jahre gesperrt worden. Wie die Internationale Eislauf-Union (ISU) mitteilte, wurden bei der 37-Jährigen "auffällige Werte und auffällige Veränderungen der Werte in einer Serie von Tests, vor allem in den Tests, die während der Mehrkampf-Weltmeisterschaften am 7. und 8. Februar 2009 in Hamar durchgeführt wurden", festgestellt.

Pechsteins Rechtsanwalt Simon Bergmann hat bereits gemeinsam mit der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne Berufung gegen die Sperre eingelegt. Sollte dieser die Sperre nicht aufheben, ist für Pechstein der Traum von ihren sechsten Olympischen Spielen 2010 in Vancouver vorbei.

Dopingfall Pechstein Erklärung der Anwälte
Aktuell

WADA: Aus dem Blutprofil dürfen Schlussfolgerungen gezogen werden

Erst Anfang des Jahres waren die Dopingregeln geändert worden. "Laut dem Kommentar der Weltantidopingagentur zu Regel 3.2 des WADA-Kodexes dürfen Schlussfolgerungen, die aus dem Blutprofil eines Eisschnellläufers gezogen werden, das in einer Reihe von Tests erstellt worden ist, zum Beweis eines Verstoßes gegen die ISU-Antidoping-Regeln herangezogen werden", heißt es in der ISU-Entscheidung. Das wurde anscheinend nun Pechstein zum Verhängnis.

Pechsteins Anwalt: Es gab nie eine positive Doping-Probe

Die Athletin wies die Anschuldigungen über ihren Anwalt zurück. "Es gibt keinen einzigen positiven Befund, sie ist ohne positive Doping-Probe verurteilt worden", erklärte Bergmann. Claudia Pechstein sei allein aufgrund von Indizien bestraft worden. "Insofern unterscheidet sich dieser Fall maßgeblich von allen aktuellen Dopingfällen, insbesondere im Radsport", erklärte Bergemann. "Alle Proben von Claudia Pechstein waren negativ", unterstrich der Anwalt in einer Presseerklärung.

Genetische Blutkrankheit soll Schuld sein

Bergmann erklärte, dass die Veränderungen im Blutprofil möglicherweise mit einer nicht näher benannten genetischen Blutkrankheit zu erklären seien, unter der Pechstein möglicherweise leide. Ein Test auf diese Krankheit dauere bis zu einem Dreivierteljahr.

Dopingexperte: "Blutprofile werden immer aussagekräftiger"

Dopingexperten zweifeln indes an Pechsteins Sicht der Dinge. "Natürlich liegt ein positiver Befund vor, wenn fünf Gutachten darauf hinauslaufen: Blutprofile werden immer aussagekräftiger“, sagt Klaus Müller der "Welt". Der frühere Leiter des Instituts für Dopinganalytik in Kreischa und heutiges Mitglied der Nationalen Antidopingagentur kritisierte „die stereotype Gewohnheit von Anwälten, alles erst einmal anzufechten".

"Eine große Tragik"

Nach Angaben der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) handelt es sich um eine erhöhte Anzahl von Retikulozyten, einer Vorstufe der roten Blutkörperchen. "Wenn die ISU es mitteilt, kann es ja stimmen", sagte DESG-Präsident Gerd Heinze. "Es ist eine große Tragik, aber das ist noch nicht das Ende. Deshalb will ich im Moment nicht mehr sagen."

Für den DOSB gilt die Unschuldsvermutung

Für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) gilt im Fall Pechstein die Unschuldsvermutung. "Das Präsidium des DOSB ist bestürzt über die Dopingsperre gegen Claudia Pechstein, die der Internationale Eislauf-Verband ausgesprochen hat. Es stellt jedoch fest, dass ein positiver Dopingtest nicht vorliegt und die Sanktion allein auf Indizien beruht. Die Beweiskraft dieser Indizien wird von namhaften Sachverständigen bezweifelt. Es wird von dem vor dem CAS laufenden Verfahren abhängen, ob dem Internationalen Verband der Beweis eines Verstoßes gegen die Anti-Doping-Regeln gelingt", heißt es in einer Pressemitteilung. "Während bei einem positiven Test die Unschuldsvermutung aufgehoben wäre, gilt sie im vorliegenden Fall aufgrund der völlig unterschiedlichen Sachlage weiter."

Verdächtiger Leistungssprung

Erste Doping-Verdächtigungen gegen die deutsche Läuferin waren im vergangenen Winter aufgetaucht, als sie einen im Vergleich zu den Vorjahren großen Leistungssprung machte. Bei den Mehrkampf-Europameisterschaften im Januar in Heerenveen/Niederlande gewann sie nach 1998 und 2006 zum dritten Mal den Titel.

Doping-Gerüchte im niederländischen Fernsehen

Nach der WM im Februar war Pechstein von der Bildfläche verschwunden mit dem Hinweis, dass sie nach Hamar nicht wieder zu alter Form gefunden hätte. Vor den Einzelstrecken-Weltmeisterschaften Anfang März auf der Olympia-Bahn in Richmond hatte schließlich die niederländische Moderatorin Ria Visser im NOS-Fernsehen darauf hingewiesen, dass es Doping-Gerüchte rund um das deutsche Team gebe. Empört hatten sich alle Verantwortlichen dagegen verwahrt und der Journalistin sogar mit rechtlichen Schritten gedroht.

Kaum bekannte Dopingfälle im Eisschnelllauf

Der Eisschnelllauf ist in den vergangenen Jahren von spektakulären Dopingfällen verschont geblieben. Die einzigen größeren Fälle waren die der weißrussischen Sprinterin Angelika Kotjuga im Jahr 2005 und der Russin Sevtlana Fedotkina im Jahr 1996. Vor kurzem sorgte in den Niederlanden ein 15-Jähriger Nachwuchsläufer für Schlagzeilen, in dessen Körper ein um das 35fache erhöhter Nandrolon-Wert festgestellt wurde.

Erfolgreichste Winterolympionikin

Pechstein ist mit fünf Gold-, zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen erfolgreichste deutsche Olympionikin bei Winterspielen. Insgesamt holte sie sechs WM-Titel und 26 Weltcupsiege. Vor allem auf den beiden Langstrecken gehört Pechstein seit über zehn Jahren zur absoluten Weltspitze. Ihren letzten Olympiasieg holte sie 2006 mit dem Team in Turin.

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