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Schwimm-WM: Van Almsick erwartet keine deutschen Top-Leistungen

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Schwimmen - WM 2009  

Van Almsick erwartet keine deutschen Top-Leistungen

14.07.2009, 16:07 Uhr | t-online.de

Das Interview führte Jörg Runde

Franziska van Almsick freut sich auf die Schwimm-WM. (Foto: imago)Franziska van Almsick freut sich auf die Schwimm-WM. (Foto: imago) Ex-Schwimmstar Franziska van Almsick ist vor der Schwimm-WM eine viel gefragte Gesprächspartnerin. Die 31-Jährige wird in Rom für die ARD die Wettkämpfe analysieren. Im Interview mit t-online.de spricht van Almsick über die Chancen des deutschen Teams, schnelle High-Tech-Anzüge und die Arbeit von Bundestrainer Lange.

Welche Erkenntnisse haben Sie von der Schwimm-DM in Berlin mitgebracht?
Ich glaube, dass eine neue Zeitrechnung begonnen hat. Alle, die mit dem Schwimmsport zu tun haben, müssen umdenken. Man kann Zeiten nicht mehr vergleichen, man kann Schwimmstile nicht mehr vergleichen. Mir ist aufgefallen, die Techniker, bei denen es richtig gut aussieht, gibt es eigentlich gar nicht mehr. Der Schwimmstil hat sich allgemein angepasst, sicherlich auch wegen der Anzüge. Alle liegen jetzt oben auf dem Wasser, ein Unterschied ist kaum noch zu erkennen.


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Sie haben die Anzüge ja angesprochen. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?
Ich denke, das ist der Lauf der Dinge. Gott sei Dank tritt der Schwimmsport nicht auf der Stelle. In allen Sportarten, in der Medizin, ja im ganzen Leben gibt es Fortschritte. Alles verändert sich. In den 60er-Jahren sind die Frauen noch mit Röckchen geschwommen. Da hätte ich mich bedankt und wäre gegangen. Warum sollten wir im Schwimmen stehen bleiben, eine Entwicklung aufhalten und wieder in Badehose und Badeanzug an den Start gehen?

Weil nur die Badehose und der Badeanzug garantieren absolute Chancengleichheit.
Wichtig ist, dass die Verhältnisse fair bleiben. Wenn es neue Anzüge gibt, müssen alle die Chance haben, sie zu bekommen. Da muss es klare Richtlinien geben. Die Regeln muss man jetzt bestimmen. Man muss rechtzeitig darüber reden und nicht erst, wenn wieder neue Topmodelle kommen. Das Ganzkörperkondom, bei dem man nur noch das Gesicht sieht, darf es nie geben. Jeder muss in der Lage sein, den Anzug seiner Wahl zu haben. Der darf also nicht 1500 Dollar kosten.

Können Sie verstehen, dass einige Schwimmer am liebsten wieder in der Badehose ins Wasser springen würden?
Es ist für die Schwimmer alles neu und manche sind noch ein wenig erschrocken über das, was da gerade passiert. 90 Prozent der Sportler finden es riesig, weil sie sensationelle Zeiten schwimmen und sie sich wohlfühlen. Es ist ja nicht nur der Auftrieb durch das Material, der gut tut. Auch die Muskulatur wird besser durchblutet und somit mit mehr Sauerstoff versorgt. Ich bin mir sicher, dass auch die Skeptiker bald umdenken.

Alle neuen Rekorde werden nun den Anzügen zugeschoben. Das Thema Doping ist durch die Anzüge in den Hintergrund gedrängt worden. Besorgt sie diese Entwicklung?
Für die Schwimmer ist das Thema Doping so präsent wie immer. Die NADA und die WADA machen immer noch die gleiche Arbeit und kontrollieren mehr denn je. Ich würde nicht sagen, dass der Schwimmsport dopingfrei ist. Aber im Moment ist nichts aufgedeckt, deshalb muss man auch nicht drüber diskutieren. Wichtig ist es bei diesem Thema dranzubleiben.

Sind Paul Biedermann und Britta Steffen die Führungspersonen, die dem deutschen Schwimmsport lange Zeit gefehlt haben?
Sie sind beide sehr unterschiedlich und eigentlich keine Alphatiere, die vorneweg gehen. Britta Steffen ist ja eher etwas ruhiger, introvertierter. Biedermann ist ein sehr offener, selbstkritischer Typ. Sie sind auf jeden Fall die Frontfiguren, die mit Leistung überzeugen. Eine Zeit lang gab es keine Vorbilder, an denen sich junge Sportler orientieren konnten. Das ist jetzt wieder der Fall. Dank der beiden wird in Deutschland auch wieder über Schwimmen gesprochen, das ist wichtig.

Trauen Sie der deutschen Mannschaft bei der WM einige Medaillen oder sogar Titel zu?
Ich will nicht zu pessimistisch sein. Wir haben ja dieses Jahr erstmals diese kurze Ausscheidung gewählt. Sonst lag zwischen der Qualifikation und den Titelkämpfen immer noch eine längere Trainingsphase mit neuem Formaufbau. Ich bin meistens sogar noch ins Höhentrainingslager. Dieses Mal müssen die Sportler vier Wochen die Leistung konservieren. Andere Nationen machen das seit Jahren sehr erfolgreich. Für uns wird es dennoch ein Lernprozess sein. Ich erwarte keine Spitzenleistungen bei der WM. Wenn die Zeiten der DM wiederholt würden, wäre ich schon sehr zufrieden.

Spielt der größere Erwartungsdruck bei einer WM eine hemmende Rolle?
Bei der deutschen Meisterschaft steht man mit acht bekannten Kollegen, es ist familiär. Bei einer WM steht man dann halt neben einem Michael Phelps. Das ist etwas ganz Besonderes und vom Kopf her etwas Anderes. Auch für einen abgebrühten Paul Biedermann, der ja gerne mal einen Spruch macht und sagt, ‚das interessiert mich nicht’.

Mit Dirk Lange hat der DSV einen neuen Cheftrainer. Was zeichnet seine Arbeit aus?
Dirk Lange war ja nicht mein Favorit auf den Job. Das lag einfach daran, dass wir in der Vergangenheit nicht immer einer Meinung waren. Er hat sich mir gegenüber menschlich früher nicht immer von seiner besten Seite präsentiert. Er ist älter geworden und er hat in Südafrika als Headcoach sicherlich viel bewegt. Er weiß immer genau, was er tut. Er ist ein guter Trainer und ich bin gespannt, wie das weiter geht. Ich habe ein gutes Gefühl, dass er sich durchsetzen kann und die Mannschaft weiterbringen kann, auch trainingsmethodisch.

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