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Vancouver: Doppelt so viele Dopingkontrollen wie 2006

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Vancouver: Doppelt so viele Dopingkontrollen wie 2006

12.02.2010, 21:53 Uhr | sid

2500 Dopingkontrollen sollen bei den Olympischen Winterspielen 2010 und den anschließenden Winter-Paralympics in Vancouver durchgeführt werden. Die Anzahl bedeutet nahezu eine Verdopplung der Kontrollen gegenüber den Spielen 2006 in Turin.

Den Umfang der Kontrollen teilte Christiane Ayotte vom Nationalen Institut für wissenschftliche Forschungen aus Quebec bei der Eröffnung des 15,8 Millionen Dollar teuren Kontrolllabors am Rande der olympischen Eisschnelllauf-Bahn in Richmond mit. Ayotte kündigte an, dass die Ergebnisse der bei den Spielen genommenen Blut- und Urinproben auch in schwierigen Fällen spätestens nach 72 Stunden vorliegen sollen.

Von diesem Donnerstag an schaut die gesamte Sportwelt nach Lausanne. Dort steht dem Internationalen Sportgerichtshof CAS wohl eine der schwersten Entscheidungen seines 25-jährigen Bestehens bevor. Im Fall der fünfmaligen Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein geht es um die Glaubwürdigkeit des Sports, um die Chancen des Anti-Doping-Kampfes, um das künftige Leben einer Top-Athletin und nicht zuletzt um viele Millionen Euro.

Fast vier Monate nach dem Urteilsspruch des Eislauf-Weltverbandes ISU zur zweijährigen Sperre der Berlinerin wegen auffälliger Blutwerte fällen die drei Richter ein richtungweisendes Urteil. Die Entscheidung im Präzedenzfall Pechstein wird aber erst kommende Woche erwartet.

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Liegt eine Blutabnormalität vor?

Kurz vor dem Auftakt präsentierte Pechstein-Anwalt Simon Bergmann noch ein Hauptargument seiner Strategie. "Nach umfangreichen Untersuchungen des Blutbilds gehen wir davon aus, dass Claudia Pechstein wahrscheinlich eine angeborene leicht kompensierte Hämolyse aufweist", sagte er dem "Tagesspiegel". Bei dieser Blutabnormalität handelt es sich um eine körpereigene Zerstörung der roten Blutkörperchen, die gleichzeitig die Produktion von Retikulozyten erhöht.

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Es geht um mehr als nur den Ruf

Die Pechstein-Seite hat sechs Gutachten vorgelegt, um die Schwankungen der Retikulozyten zu erklären. Die Anstrengungen verwundern nicht. Für die höchstdekorierte Wintersportlerin Deutschlands steht im Chateau de Bethusy nicht nur der Ruf auf dem Spiel, sie stünde bei einer Bestätigung ihrer Sperre vor einem tiefen schwarzen Loch: Die Karriere wäre mit Schimpf und Schande zu Ende, den Beamten-Job bei der Bundespolizei würde sie verlieren, rund 250.000 Euro hätte sie zum Nachweis ihrer Unschuld in den Sand gesetzt.

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Daher lässt Pechstein nichts unversucht, dem Sportgericht nachzuweisen, wie schlampig die ISU angeblich handelte, in dem sie gemäß dem ab 1. Januar gültigen WADA-Code als erster Verband eine Athletin nicht aufgrund eines Doping-Nachweises, sondern allein aufgrund von Indizien sperrte. Eine von ihr selbst initiierte und finanzierte Studie bestätigte gravierende Schwankungen bei ihren Retikulozyten-Werten, den Vorläufern roter Blutkörperchen.

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Gutachten sollen "Fahrlässigkeit" darlegen

Mit Gutachten anerkannter Experten, darunter der Däne Rasmus Damsgaard und der Australier Robin Parisotto, soll der Nachweis erbracht werden, dass die ISU nicht hinreichend beweisen kann, dass die abnormen Werte auf Blut-Doping zurückzuführen sind. "Mir ist völlig unklar, wie der Verband Anklage gegen mich erheben konnte, ohne im Vorfeld anhand weitreichender Untersuchungen eine Blut-Abnormität auszuschließen. Hier wurde grob fahrlässig gehandelt", sagte Pechstein.

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Es geht um alles

Zudem setzt ihre Verteidigung auf den Nachweis umfangreicher Verfahrensfehler, die der Weltverband beging, als er die erhöhten Werte bei vier Rennen zwischen 2007 und 2009 feststellte. Auf diesen Zeitraum - ursprünglich war von erhöhten Werten seit 2000 die Rede - hatte die ISU ihre Anklage beschränkt, nachdem Pechstein auf einer Pressekonferenz vertauschte Barcodes und weitere Patzer der ISU reklamiert hatte. "Die ISU hat meinen Ruf zerstört. Da ist es doch mein gutes Recht, dass alle Proben mit größter Sorgfalt behandelt werden", erklärte Pechstein vor der wichtigsten Woche ihres Sportler-Lebens.

Weltverband nicht ganz siegessicher

ISU-Präsident Ottavio Cinquanta lässt sich von den Dauer-Attacken der Berlinerin zwar nicht nervös machen, hat aber nicht den unbedingten Glauben an den Erfolg. "Ich bin nicht überzeugt, dass wir gewinnen. Ich bin aber überzeugt, dass wir fair gearbeitet haben", sagte er und fügte hinzu: "Aber egal wie das Urteil ausfällt, ich werde nicht glücklich sein. Entweder verliert unser Verband oder wir verlieren unsere fünfmalige Olympiasiegerin." Bei einem Pechstein-Triumph kämen Millionenklagen auf die ISU zu. "Wer den Wein bestellt, muss ihn auch bezahlen können", hatte Cinquanta bereits vor Wochen auf diese Drohungen reagiert.

Nerven sind gespannt

Zuvor schon hatte ein Dopingtest für Unruhe gesorgt. Harm Kuipers, im Fall Pechstein zuständiger Mediziner des Weltverbandes, griff das Lager der Eisschnellläuferin an und kritisierte die Interpretation von Pechsteins Manager Grengel aufs Schärfste. Grengel hatte mit Blick auf den Test gesagt: "Scheinbar hält es die ISU selbst für möglich, dass Claudia schon bald wieder starten darf. Warum sollte der Verband sonst einen Test veranlassen?" Kuipers bezeichnete diese Aussage als "unglaubliche, lächerliche Argumentation". Die ISU habe die Dopingkontrollen vor einiger Zeit der schwedischen Agentur IDMT übertragen. "Diese arbeitet vollkommen selbstständig. Sie kontrolliert weltweit alle Sportler, die im Testpool der ISU stehen, und zwar unabhängig", sagte Kuipers.

ISU-Niederlage wäre großer Rückschlag

Dem Welt-Sport hätte die ISU im Falle einer Niederlage vor dem CAS einen Bärendienst erwiesen. Es wäre ein Rückschlag für die indirekte Beweisführung, einer effektiven Doping-Bekämpfung würden mit einem solchen Präzedenz-Urteil Riegel vorgeschoben. Daher hatte IOC-Präsident Jacques Rogge von einem "Lackmustest" gesprochen. In Sportarten wie im Rad- und im Skisport stehen ähnliche Fälle in der Warteschleife. Die Verbände wollen Klarheit. "Davon träumen alle, die Täter bestrafen wollen. Bestätigt das Gericht die Sperre, werden viele Verbände mit einer langen Liste kommen", hatte Gian Franco Kasper, Präsident des Internationalen Skiverbands (FIS) unlängst geäußert.

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