Startseite
Sie sind hier: Home > Sport >

Robert Enkes Witwe Teresa spricht über die "Angst im Nacken"

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Zum Tod von Robert Enke  

Teresa Enke: Angst saß im Nacken

11.11.2009, 15:12 Uhr | dpa

Ein mutiger und bewegender Auftritt von Teresa Enke. (Foto: dpa)Ein mutiger und bewegender Auftritt von Teresa Enke. (Foto: dpa) Ganz allein stand Teresa Enke für einen kurzen Moment im Blitzlichtgewitter. Niemand stand der Witwe in diesen Anfangssekunden bei. Rund 20 Kameras und die Blicke von mehr als 150 Journalisten waren auf die mutige Frau von Robert Enke gerichtet, die dann versuchte, das Unfassbare in Worte zu fassen, das scheinbar Unerklärbare zu erläutern. Mit unglaublicher Tapferkeit berichtete Teresa Enke vom Geheimnis ihres Mannes, von seinem stillen Leiden, von seiner Depression, von der die Öffentlichkeit nichts wissen sollte. Aus Angst um seine Karriere, aber auch aus Angst um das Sorgerecht für die Adoptivtochter.

"Ich wollte ihm einfach helfen"

Die Tränen standen Teresa Enke in den Augen, als sie erzählte, wie sie ihrem Mann zu helfen versucht hatte. Und dabei scheiterte. Neben ihr saßen Hannover-96-Sprecher Andreas Kuhnt und der Psychiater Valentin Markser, bei dem der Torhüter seit 2003 in Behandlung war. Sie habe Robert gesagt, "dass es für alles eine Lösung gibt, wenn man zusammenhält", berichtete Teresa Enke: "Ich wollte ihm einfach helfen." Aber der Fußballprofi wollte oder konnte das nicht annehmen. Am Dienstagabend wählte der achtmalige Nationalspieler den Weg in den Tod, stürzte sich in Eilvese bei Hannover vor eine Bahn.

Bittere Erkentniss

"Er hat Angst, dass das rauskommt", erklärte Teresa Enke mit einem kleinen Taschentuch in der Hand und gab sehr persönliche Einblicke in das Leben der vergangenen Jahre. "Wir dachten, wir schaffen alles." Und dann musste sie feststellen: "Man schafft es aber doch nicht." 2006 war die herzkranke Tochter Lara im Alter von zwei Jahren gestorben. "Nach Laras Tod waren wir so zusammengeschweißt, dass wir gedacht haben, mit Liebe geht das", erklärte die mutige Frau mit feuchten Augen. Später habe ihr Mann aber große Sorge gehabt, aufgrund seiner Erkrankung das Sorgerecht für die im Mai adoptierte Leila zu verlieren. "Die Angst auch, dass man Leila verliert, wenn man einen depressiven Vater hat", sagte Teresa Enke mit stockender Stimme. Sie habe versucht, ihm diese Angst nach Gesprächen mit dem Jugendamt zu nehmen. Vergeblich.

Angst vor der Öffentlichkeit

Mit erschütternder Offenheit berichtete die 33-Jährige vom langen Leiden. "Wenn er akut depressiv war, dann war das eine schwere Zeit." Ihrem Mann habe der "Antrieb gefehlt und die Hoffnung auf baldige Besserung." Und immer saß die Angst vor dem Bekanntwerden im Nacken.

Video: Teresa Enke spricht über den Freitod ihres Mannes

Entschuldigung im Abschiedsbrief

Eine stationäre Behandlung hatte Robert Enke noch am Tag seines Selbstmordes abgelehnt, berichtete Markser. Der Kölner Psychiater hatte ihn über mehrere Jahre behandelt. In seinem Abschiedsbrief habe sich Enke bei seiner Familie und seinem Arzt entschuldigt, "für die bewusste Täuschung über seinen seelischen Zustand der letzten Tage, der notwenig war, um seinen Selbstmordplan verwirklichen zu können" entschuldigt, erklärte Markser.

Mediziner spricht von Antriebsstörungen

Der Psychotherapeut erzählte von Enkes "Versagensangst". Während seiner Zeit beim FC Barcelona, wo der Keeper nach einem schwachen Einstand nur Ersatz war, ließ er sich bei Markser "mehrere Monate täglich behandeln". Der Mediziner berichtete von "Antriebstörungen - was auch zur Länderspielpause führte".

Kontakt am Tag des Selbstmordes

Anfang Oktober habe Enke ihn angerufen. Aber "eine stationäre Behandlung lehnte er ab, ebenso wie ambulante Hilfe" in Hannover. Noch am Tag des Selbstmordes seien sie in Kontakt gewesen, sagte der Psychotherapeut. Eine "Indikation zur Zwangseinweisung bestand nicht". Denn selbst der Fachmann ahnte nichts von den Selbstmord- Gedanken: "Er konnte es gut verbergen."

Umfeld ahnte nichts

So wie Robert Enke die ganze Krankheit verborgen hielt. Selbst sein unmittelbares Umfeld ahnte nichts. "Wir haben bis zum Schluss nichts gemerkt", versicherte Martin Kind, der Chef des Bundesligisten. Und 96-Sprecher Kuhnt sagte: "Er hat versucht, das vor uns zu verbergen. Wir haben einen Menschen verloren, der uns vertraut war, nahe war - oder auch nur so schien."

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Shopping
Shopping
Jetzt EntertainTV Plus bestellen und 1 Jahr sparen!

EntertainTV Plus 1 Jahr statt 14,95 € für 4,95 €* mtl. sichern. www.telekom.de Shopping

Shopping
Macht den Kaffeemoment zur besten Zeit des Tages

Siemens Kaffeevollautomat der EQ Serie: Erfahren Sie vollendeten Kaffeegenuss. von OTTO

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de
Sport von A bis Z

Anzeige
shopping-portal