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Depressionen: Herausforderung kann zu Überforderung führen

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Zum Tod von Robert Enke  

Druck und Erwartungen belasten Körper und Psyche

11.11.2009, 18:11 Uhr | dpa, sid

Wenn Menschen nicht mehr weiter können, führt das häufig zu Depressionen. (Foto: imago)Wenn Menschen nicht mehr weiter können, führt das häufig zu Depressionen. (Foto: imago) Der Freitod von Nationaltorhüter Robert Enke wirft viele Fragen auf. Der 32-Jährige litt offenbar seit Jahren unter Depressionen. Professor Götz Mundle, ärztlicher Geschäftsführer der Oberbergkliniken und Fachmann für Depressionen, sowie der Hamburger Psychiatrie-Experte Dieter Naber sprechen über die psychische Erkrankung. In erster Linie sind Leistungssportler, Manager und Ärzte betroffen.

Gerade bei Leistungsportlern "spielen Druck und Stress eine große Rolle. Da ist zum einen Druck von außen, aber auch die hohe innere Erwartungshaltung. All das führt zu einer hohen Belastung für den Körper wie für die Psyche. Und irgendwann ist der Punkt erreicht, in dem die Menschen nicht mehr weiter können und krank werden", sagte Mundle. Im Sport gebe es eine Ambivalenz zwischen Herausforderung und Überforderung. "Grundsätzlich ist es ja auch etwas Positives, sich Herausforderungen zu stellen. Aber das darf eben nicht zu Überforderungen führen."

Schweigen, um keine Schwäche zu zeigen

Enke hatte sich dazu entschlossen, seine Krankheit aus der Öffentlichkeit rauszuhalten. Mundle hat dafür Verständnis: "Obwohl ich Herrn Enke nicht persönlich gekannt habe, kann ich sein Verhalten gut nachvollziehen. Das ist ein Problem der Akzeptanz in der Gesellschaft. Man muss sich die Frage stellen, wie denn die Reaktion ausgefallen wäre. Es geht um folgende Fragen: Muss ein Mensch in einer Situation wie Robert Enke nach außen hin Stärke zeigen und demonstrieren? Muss ein Sportler alles können und alles verkraften können? Manche Menschen halten dann eben ihr Bild trotz aller Probleme mit viel Kraft aufrecht."

Patienten geben sich zu wenig Zeit

Ob es gut sei, die Öffentlichkeit bei Depressionen zu informieren, kann Professor Mundle nicht pauschal beantworten. Der Druck sei auf jeden Fall vorhanden, aber es sei richtig, "dass die Situation bei Spitzensportlern eine besondere ist. Sie haben oder geben sich häufig nicht genügend Zeit und wollen möglichst schnell wieder gesund werden."

Hohe Erfolgsquote bei der Behandlung

Die Behandlung von Depressionen sei aber im Allgemeinen äußerst erfolgreich, sagte Mundle. "Die Erfolgsquote liegt bei 70 bis 80 Prozent. Aber das heißt auch, dass die Behandlungen nicht bei allen Menschen erfolgreich sind." Zunächst komme es auf "eine gesunde Mischung aus Anspannung und Entspannung an. Wichtig ist, dass jeder Einzelne sich Raum und Zeit gönnt, um einer Erschöpfung entgegenzuarbeiten, um Kraft zu tanken. In unserer schnelllebigen Zeit braucht man auch Phasen der Entschleunigung. Die Menschen haben häufig den Bezug zu sich selbst verloren. Wichtig für die Zukunft ist es, eine innere Verankerung aufzubauen. Gesundheit bedeutet auch, die äußeren Ansprüche mit den eigenen inneren Potenzialen in Einklang zu bringen."

Deisler ist ein positives Beispiel

Der Psychiatrie-Experte Dieter Naber sagte, dass Suizidgedanken bei fast allen depressiven Erkrankungen aufträten. Als positives Beispiel nannte Naber den Ex-Profi Sebastian Deisler, der sich in der Saison 2003/2004 offen zu einer Depression bekannte. "Das hat sehr viel an Öffentlichkeitsarbeit gebracht."

Suizidgedanken werden oft verschwiegen

Oft träten Selbstmordgedanken bei einer Depression kurzzeitig auf, berichtete Naber. "Viele Patienten können das dann selbst kontrollieren." Es gebe aber auch Menschen, die bei einer depressiven Erkrankung immer häufiger und intensiver über Suizid nachdächten. "Sie sprechen dann nicht mehr spontan darüber, da muss ein Arzt nachfragen." Es hänge sehr viel von der Beziehung zwischen Arzt und Patient ab, ob Selbstmordgedanken dann noch ehrlich geäußert würden.

Freitod-Entschluss führt zu scheinbarer Entspannung

Manchmal können Patienten Ärzte mit ihrem Verhalten aber auch in die Irre führen. "Hat sich ein Mensch fest zum Selbstmord entschlossen, wirkt er nach außen hin entspannt", berichtete Naber. "Das sieht dann so aus, als habe sich die Situation gebessert." In Wirklichkeit habe ein Betroffener Ort und Zeit für den Selbstmord schon fest im Kopf.

Männer wählen oft einen harten Weg

Harte Methoden beim Suizid seien ganz typisch für Männer, sagte der Experte. Ob sich ein Mensch dabei vor den Zug werfe oder vom Dach springe, habe nichts mit der Persönlichkeit zu tun. Oft werde die nächstliegende Möglichkeit gewählt.

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