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Robert Enke plante Selbstmord wohl lange vorher

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Zum Tod von Robert Enke  

Experte: Enke plante Selbstmord lange vorher

13.11.2009, 15:37 Uhr | t-online.de

Von Thomas Tamberg


Wann traf Enke die Entscheidung für einen Freitod? (Foto: dpa)Wann traf Enke die Entscheidung für einen Freitod? (Foto: dpa) Die Vorstellung lässt einen erschaudern. Hatte der an Depressionen erkrankte Robert Enke bei seinem letzten Bundesliga-Spiel gegen den Hamburger SV bereits den festen Entschluss gefasst, sich zwei Tage später das Leben zu nehmen?

Wusste er, dass es sein letztes Spiel sein wird, seine letzten Paraden, das letzte Mal mit den Jungs in der Kabine, ein letztes Mal Abklatschen mit den Fans nach dem Spiel? Die Vermutung liegt zumindest sehr nahe. Was ist das bloß für eine heimtückische Krankheit, an der rund vier Millionen Deutsche akut leiden, von der weitere vier Millionen gefährdet sind und die doch so wenig wahrgenommen wird?

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Psychologe: "Ziemlich genau geplant"

Auf der Pressekonferenz in Hannover gab der Kölner Mediziner Valentin Markser, der Enke seit 2003 behandelte, den Hinweis darauf, dass der Publikumsliebling des niedersächsischen Klubs tatsächlich bereits wusste, dass sein 196. Bundesliga-Spiel auch sein letztes sein würde. In seinem Abschiedsbrief habe sich Enke entschuldigt, „für die bewusste Täuschung über seinen seelischen Zustand der letzten Tage, der notwendig war, um seinen Selbstmordplan verwirklichen zu können.“ Auch der Dipl. Psychologe und Psychotherapeut Patrick Mayer aus Berlin stützt diese Vermutung. "Das war wohl bereits länger geplant. Erwin Ringel beschreibt das präsuizidale Syndrom, die Einengung der Welt, die Einschränkung sozialer Kontakte: "Man muss sich das vorstellen wie einen Trichter, der nach unten zuläuft. Und ganz unten am Trichter steht der Suizid. Das ist ein Prozess, der kann über Jahre gehen, der kann aber auch nur Wochen dauern. Aber er dauert länger als ein paar Tage", sagte Mayer im Interview mit t-online.de.

Trost im Partner nicht selbstverständlich

„Wir dachten, wir schaffen alles. Wir dachten halt auch, mit Liebe geht das. Aber man schafft es doch nicht immer“, sagte Enkes Ehefrau Teresa auf der bewegenden Pressekonferenz am Tag nach Enkes Tod. 13 Jahre waren die beiden zusammen. 13 Jahre große Liebe. Schicksalsschläge wie der frühe Tod der zweijährigen Tochter Lara schweißten sie noch mehr zusammen, was keinesfalls selbstverständlich ist. Udo Lattek, der seinen 1981 an Krebs erkrankten 15-jährigen Sohn verloren hat, sagte einmal, dass ein Ehepartner in solchen Situationen dringend auf Trost des anderen wartet, aber jeder so sehr mit dem eigenen Leid beschäftigt ist, dass er seinem Partner gar nicht helfen kann. Die Enkes sind nach Laras Tod noch enger zusammengerückt.

Schmadtke: „Robert hat eine perfekte Rolle gespielt"

Wie muss es in einem Menschen aussehen, welche Kräfte müssen in ihm wirken, dass er seinen liebsten und nächsten Menschen ein so perfektes Schauspiel abliefert, um seinen Selbstmord nicht zu gefährden? Wie viel Kraft muss es ihn all die Jahre zuvor gekostet haben, seinem beruflichen Umfeld ständig etwas vorspielen zu müssen? „Robert hat eine perfekte Rolle gespielt, er hat die Öffentlichkeit perfekt getäuscht.(...) Dadurch hat er uns die Möglichkeit genommen, ihm zu helfen“, sagte 96-Manager Jörg Schmadtke.

Lokführer in Mitleidenschaft gezogen

Mit seinem Tod auf den Bahnschienen hat Enke zusätzlich auch in Kauf genommen, dass das Leben des Lokführers niemals wieder so sein wird, wie zuvor. Wer den führsorglichen, stets respektvollen, freundlichen und hilfsbereiten Enke kennt, weiß, dass es nicht er selbst gewesen sein kann, als er sich zwei Kilometer entfernt von seinem Wohnhaus das Leben nahm. Und doch war er es.

Vorgegeben, zum Training zu gehen

Laut „Bild“-Informationen teilte er seiner Frau sowie seinem Freund und Berater Jörg Neblung mit, dass er am Dienstagmittag zum Training muss. Doch als Neblung um 15.30 Uhr bei Hannover 96 anrief, erfuhr er, dass Enke gar keinen Termin hatte. Neblung alarmierte daraufhin sofort Enkes Frau und die Polizei. Keiner wusste, wo der Torhüter steckte. Nachmittags tankte er noch in Neustadt-Hagen seinen Wagen. Wann er mit seinem Mercedes genau nach Eilvese fuhr, ist unbekannt. Das Dorf liegt nur etwa eine Autominute vom Heimatort der Enkes entfernt. Durch Eilvese verläuft die Zugstrecke Bremen-Hannover. In dem Ortsteil halten nur S-Bahnen, andere Züge rauschen mit hohem Tempo durch. Um 18.25 Uhr warf sich Enke vor einen Regionalexpress.

Depressionen als Schwäche

Auch Tage nach Enkes Tod steht Deutschland unter Schock, stellen sich die Menschen immer wieder nur ein und dieselbe Frage: Warum? Die Antwort lieferte die junge Enke Witwe Teresa. Keine 24 Stunden nach dem Tod ihres Mannes sprach sie auf der Pressekonferenz darüber, dass Robert Enke sich nicht stationär behandeln lassen wollte, weil er fürchtete, dass seine Krankheit öffentlich wird. Eine psychische Erkrankung zuzugeben gilt in der leistungsorientierten Gesellschaft nach wie vor als Tabu. In der Macho-Welt des Profifußballs und im Fokus der Öffentlichkeit erst recht. „Depression wird sicher irgendwo als Schwäche ausgelegt“, sagte Enkes langjähriger Torwarttrainer Jörg Sievers. 

Gesamtgesellschaftliches Problem

Es bleibt die leise Hoffnung, dass der Wille etwas daran zu ändern erhalten bleibt. „Ich denke, sie wollte eine Botschaft übermitteln“, hat DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger das Signal, dass Teresa Enke mit ihrem öffentlichen Auftritt aussenden wollte, erkannt. „Die Tragödie Robert Enke gibt Anlass, über bestimmte Dinge nachzudenken, die in dem Geschäft üblich sind und hingenommen werden“, sagte Schmadtke. „Wir haben eine Aufgabe gestellt bekommen von Robert, über die sollten wir nachdenken. Wir müssen uns mit der Thematik befassen, was die Betreuung junger Menschen angeht.“

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