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Robert Enke: Vater Dirk spricht über die Ängste seines Sohnes

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Robert Enke und das Schuldgefühl wegen Laras Tod

14.11.2009, 10:26 Uhr | dapd

Enkes noch im gleichen Jahr verstorbene Tochter Lara am 18. März 2006 nach dem 1:0-Sieg über den 1. FC Köln auf dem Arm ihres Vaters Robert. (Foto: imago)Enkes noch im gleichen Jahr verstorbene Tochter Lara am 18. März 2006 nach dem 1:0-Sieg über den 1. FC Köln auf dem Arm ihres Vaters Robert. (Foto: imago) Robert Enkes nur 32-jähriges Leben fügte dem früheren Nationaltorwart allerlei Nackenschläge zu: sportlich wie privat. Keiner aber grub sich so tief in Herz und Seele des Thüringers ein wie der frühe Tod seiner Tochter Lara. 2006 erlag die damals 2-Jährige ihrem angeborenen Herzfehler. Auch mehrere Eingriffe hatten letzten Endes nicht geholfen. Dass Enke neben seiner Tochter eingeschlafen war, als diese in der Klinik verstarb, verzieh er sich nie: "Ich bin daran schuld!"

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Der belastende Tod der Tochter

Im sehr offenen Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" verriet Enkes Vater Dirk, selbst Psychotherapeut in Jena, wie stark der Tod Laras seinen Sohn bis zu dessen selbstgewählten Ende am 10. November 2009 belastete: "Nach der Gehöroperation kam Robert vom Spiel, fuhr in die Klinik, schläft abends neben der Kleinen alleine ein", berichtete der Vater. Am nächsten Morgen sei er von den Krankenschwestern wachgeworden, die das Kleinkind hätten wiederbeleben wollen. "Was ihm zuerst durch den Kopf ging, war: Ich hab' das nicht mitgekriegt, ich bin daran schuld." Doch das Krankenhauspersonal habe Enke versichert, er habe den Tod nicht verhindern können. "Aber da kam noch mal ein Versagenserlebnis dazu. Er hat ganz lange gebraucht, davon loszukommen", sagte Dirk Enke.

Zeitlebens Angst

Ängste haben seiner Ansicht nach die Depression seines Sohnes ausgelöst. "Ich bin der Meinung, dass das keine von innen entstandene, angelegte Krankheit gewesen sein kann, sondern eine, die aus den Lebensumständen heraus entstanden ist", sagte Dirk Enke dem "Spiegel" laut einer Vorabmeldung. "Eine ganz große Rolle hat die Angst gespielt."

"In den eigenen Ansprüchen gefangen"

Dirk Enke geht davon aus, dass sich die Angst bereits im Jugendalter entwickelt habe und nicht erst 2003, als Enke zuerst den FC Barcelona, danach Fenerbahce Istanbul verließ und den Tiefpunkt seiner Karriere erlebte. Wie der "Spiegel" weiter schreibt, war der Torhüter als großes Fußballtalent oft in höhere Altersklassen eingestuft worden. "Schon dabei kam es immer wieder zu Krisen. Weil er Angst hatte, nicht mit den Älteren mithalten zu können. Er hat es sich nicht zugetraut. Er war in den eigenen Ansprüchen gefangen", wurde Dirk Enke weiter zitiert.

Gedanken, aufzuhören

Nach den Worten des Vaters hat die Depression die Arbeit des Sohnes als Profi-Fußballer stark beeinträchtigt: "In kritischen Phasen hatte Robert Angst, dass ein Ball auf sein Tor geschossen würde. Er hatte Anfälle, wollte nicht zum Training, konnte sich nicht vorstellen, im Tor zu stehen." Der Sohn sei so verzweifelt gewesen, einmal habe er gefragt: "'Sag mal, Papa, nimmst du mir das übel, wenn ich mit dem Fußball aufhöre?' Ich sagte: 'Robert, das ist doch nicht das Wichtigste, um Gottes willen'."

Ein Vater versucht, zu verstehen

Mehrfach habe Dirk Enke das Gespräch mit seinem Sohn gesucht, doch der habe abgeblockt. "Es geht mir darum zu verstehen, warum es zu so einer Mauer kam. Zu so einer Verschlossenheit. Robert hat die anderen ganz intensiv im Glauben gehalten, dass alles gut ist." Er habe ihm sehr oft Gespräche angeboten: "Vielleicht dachte er: Der Alte kennt sich aus und steigt vielleicht dahinter, wovor ich Angst habe. Robert hatte ja eine Ahnung: Da stimmt etwas nicht in meinem Leben", sagte der Vater dem Magazin zufolge.

Robert Enke blockte Gespräche ab

Noch eineinhalb Wochen vor dem Selbstmord sei Dirk Enke in Hannover vorbeigekommen, um über den Zustand seines Sohnes zu reden, doch wieder habe dieser das Gespräch verweigert. Auch der Vater habe sich für eine stationäre Behandlung seines Sohnes ausgesprochen. "Er war immer mal wieder kurz vor diesem Schritt, sich einweisen zu lassen, dann sagte er wieder: 'Wenn ich in der psychiatrischen Klinik behandelt werde, dann ist es aus mit meinem Fußball. Das ist das Einzige, was ich kann und will und gerne mache'."

Der DFB und Löw spielten für den Selbstmord keinerlei Rolle

Keine Rolle jedoch habe es bei Robert Enkes Selbstmord gespielt, dass ihn Bundestrainer Joachim Löw nicht für die geplanten Länderspiele gegen Chile und die Elfenbeinküste berufen habe. "Ein wichtiges Anliegen ist mir, Herrn Löw von der Frage zu entlasten: Was wäre, wenn ich ihn nominiert hätte? Ich glaube, dass Robert das in Ordnung fand, weil er neun Wochen raus war."

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