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Bundesliga-Kommentar: Wie viel Mensch verträgt der Fußball?

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Kommentar  

Wie viel Mensch verträgt der Fußball?

18.11.2009, 11:56 Uhr | Julian Moering, t-online.de

Ein Kommentar von Julian Moering

U19-Spieler Cenk Tosun (li.) umarmt Teamkamerad Marco Terrazzino. (Foto: imago)U19-Spieler Cenk Tosun (li.) umarmt Teamkamerad Marco Terrazzino. (Foto: imago) "Die Tragödie Robert Enke gibt Anlass, über bestimmte Dinge nachzudenken, die in dem Geschäft üblich sind und hingenommen werden“, sagte Hannovers Manager Jörg Schmadtke. DFB-Boss Theo Zwanziger kündigte an, Konsequenzen aus der Tragödie zu ziehen und forderte "mehr Bekenntnis zum Menschen". Vielerorts wird in der Fußballwelt über die möglichen Auswirkungen des Selbstmords von Nationaltorwart Robert Enke diskutiert.

Der Tenor ist stets der gleiche: Der Fußballprofi soll als ganzheitliches Wesen mit all seinen Schwächen und Ängsten wahrgenommen und akzeptiert werden – nicht bloß als millionenschwere Leistungsmaschine. Die Ernsthaftigkeit ihrer Gedanken möchte niemand Schmadtke, Zwanziger und Co. absprechen, ob es tatsächlich zu einem Umdenken im Profi-Fußball kommt, mag jedoch stark bezweifelt werden.

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Jungen Spielern zur Seite stehen

Inwiefern der Fußball Auslöser oder Verstärker für Enkes Depressionen war, lässt sich nur vermuten. Dass nun darüber diskutiert wird, ob denn neben Kraft, Technik und Torschuss auch die Stärkung der Psyche zur Ausbildung eines Fußballprofis gehören sollte, kann nicht schaden. Niemand kann von jungen Spielern am Anfang ihrer Karriere erwarten, dass sie mental gefestigt genug sind, um den enormen Leistungsdruck und Konkurrenzkampf einfach so zu meistern.


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Die Psyche begleiten

Wenn es gut läuft, ist das kein Problem. Doch was, wenn das erste Tief kommt? Auf solche Momente sollten die Spieler im Übergang vom Jugend- zum Profifußball vorbereitet werden. Und auch während der Profi-Karriere ist eine kontinuierliche, aber auch situative Begleitung der Psyche fast unabdingbar, um den alltäglichen Anforderungen gerecht zu werden. Bislang beschäftigen nur vier Bundesligisten einen festangestellten Psychologen (Bremen, Bayern, Freiburg, Bochum). Noch zu wenig, doch durchaus denkbar, dass die derzeitige Diskussion den Rest zum Handeln bringt. Das wäre ein Schritt in die richtige Richtung.

"Eine Welt der Stärke"

Die geforderte Toleranz gegenüber denjenigen, die Schwäche zeigen, wird in der Realität dennoch schnell verschwinden. "Wir bewegen uns in einer Welt der Stärke, Tatkraft und Energie, für Schwäche ist da nicht unbedingt Platz“, stellte schon Werder Bremens Trainer Thomas Schaaf fest. Wie soll es auch anders sein in einem Spiel, dass nur ein Ziel hat: den Gegner zu schlagen. Nur die Leistung zählt, der Stärkere gewinnt. Das liegt in der Natur des Spiels. "Wir müssen darüber reden“, fordert Schaaf zwar. Doch auch er steht Woche für Woche vor der Aufgabe, die besten Elf für den Sieg aufzustellen. Diese sind sicher nicht frei von Schwäche, doch weniger schwach als die, die draußen sitzen.

Mehr als die Summe der Leistungen

Michael Sternkopf, der während seiner Zeit bei Bayern München (1991-1995) unter Depressionen litt und Psychopharmaka schluckte, bringt es in etwas vereinfachter Form auf den Punkt: "Wenn ich heute einem Trainer sage: Trainer, ich hab' momentan eine Phase, ich habe Angst - der stellt einen nicht mehr auf, da ist man durch." Da hat er wohl recht, daran wird auch der Tod von Robert Enke nichts ändern, zumindest was den Fußball betrifft. Der Fall Enke hat jedoch eindrücklich vor Augen geführt, dass auch ein Fußball-Profi mehr ist, als die Summe seiner Leistungen. Er ist vor allem auch Mensch.

Wird sich nach dem Tod von Robert Enke grundlegend etwas ändern im Fußball? Nutzen Sie die Kommentarfunktion am Ende des Artikels und teilen Sie uns Ihre Meinung mit.

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