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Bundesliga: Van Gaal steht sich selbst im Weg

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Bundesliga  

"Van Gaal steht sich selbst im Weg"

22.11.2009, 16:36 Uhr | t-online.de

Das Interview führte Johann Schicklinski

Der Fußball-Kommentator Wolff Christoph Fuss (Foto: ddp) Reporter Wolff Christoph Fuss hat für LIGA total! das Top-Spiel Bayern München gegen Bayer Leverkusen kommentiert. Im Interview mit t-online.de äußerte sich der 33-Jährige zu den Problemen beim Rekordmeister, zu den Titelchancen von Werder Bremen und zur Stürmerfrage in der Nationalelf.

Lesen Sie das komplette Interview mit Wolff-Christoph Fuss.

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Der FC Bayern hat sich eindrucksvoll im Rennen um die deutsche Meisterschaft zurück gemeldet. Allerdings nur in den ersten zehn Minuten des Spitzenspiels gegen Bayer Leverkusen. Wie haben Sie das Match erlebt?

Bayer hat sich überraschend teuer verkauft in München. Die Bayern haben gut begonnen, doch zwischen der 15. und 35 Minute hatte Leverkusen eine unglaublich starke Phase, in der sie eigentlich hätten in Führung gehen müssen. Man muss sich das mal vorstellen: Die haben hier seit 20 Jahren nicht gewonnen, kriegen so einen frühen Gegentreffer und zeigen dann so eine Reaktion. Die haben sich nach dem Gegentor kurz geschüttelt und dann munter nach vorne gespielt. Die 2. Halbzeit war dann typisch für den FC Bayern unter Trainer Louis van Gaal. Dominanz, mehr Ballbesitz, das ewige hin und her spielen von einer Seite zur anderen, doch wirkliche Torgefahr ging von ihnen nicht aus. Einzig die Chance für Mario Gomez hätte den Sieg bedeuten können, doch Bayer-Torwart Rene Adler hat den Ball in Weltklasse-Manier pariert.

Sie haben es angedeutet: Bayern war heute auch nur zeitweilig gut. Warum schafft die Mannschaft es nicht, ihr Leistungsvermögen dauerhaft abzurufen?

Das ist die entscheidende Frage, die sich im und um den Klub wohl alle stellen. Wenn einer eine Antwort hätte, würden sie es abstellen. Meiner Meinung nach ist das Fehlen von Franck Ribéry und Arjen Robben das Hauptproblem. Das Team ist mit den beiden einfach ein komplett anderes als ohne. Nicht nur in der Spielweise, sondern auch was das Selbstvertrauen und die Ausstrahlung auf dem Platz angeht. Ohne die beiden fehlt der Mannschaft jedes kreative Moment im Offensivspiel. Heute war nach der Einwechslung von Alexander Baumjohann zu sehen, dass den Bayern ein Spielmacher fehlt. Baumjohann selbst war ja auch nur knapp 15 Minuten auf dem Platz, vielleicht sollte der Trainer ihm einmal eine längere Chance geben.

Damit sind wir bei der Einkaufspolitik des Klubs. An einem Spielmacher wie dem Ex-Bremer Diego waren die Bayern dran, doch der hat sich für Juventus Turin entschieden. Stattdessen hat das Bayern-Management Gomez, Tymoschtschuk, Olic, Baumjohann, Braafheid und Pranjic verpflichtet. Lag der Rekordmeister bei seinen Transfers daneben?

Ich glaube, dass es ein Abstimmungsproblem gab. Man hat van Gaal als neuen Coach verpflichtet, aber nicht alle Transfers mit ihm abgestimmt. In einem seiner ersten Interviews hat van Gaal ja gesagt, dass Gomez und Tymoschtschuk nicht seine Transfers waren und somit direkt ein Politikum geschaffen. Darüber hinaus dürfte klar sein, dass das die Spieler auch nicht erfreut hat. Dann hat man mit Braafheid und Pranjic zwei Wunschspieler van Gaals als Linksverteidiger verpflichtet, damit Philipp Lahm auf rechts spielen kann. Prinzipiell auch eine gute Idee, doch hier hat man zwei Spieler geholt, die keine Bundesliga-Erfahrung aufweisen und sich auch erstmal akklimatisieren müssen. Von der Champions League müssen wir hier gar nicht reden. Der Hauptfehler liegt aber meiner Meinung nach darin, dass keine stringente Einkaufspolitik zu erkennen ist. Im Prinzip hat man im Sommer beispielsweise mit Gomez und Tymoschtschuk Spieler für ein 4-4-2-System geholt und wollte Ribéry auf die "10“ stellen, was der aber nicht wollte. Hier gab es dann ja schon mal Ärger. Nach der Verpflichtung von Robben wollte man auf einmal ein 4-3-3 spielen, mit Robben und Ribéry auf den Außen. Dann müssen von den drei Mittelstürmern Gomez, Toni und Klose aber immer zwei zuschauen, auch hier ist dann Ärger vorprogrammiert. Das ganze wirkt nach außen hin nicht ausgewogen und durchdacht.


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Die Diskussionen um Trainer van Gaal werden weitergehen. Ist der Niederländer Ihrer Meinung nach der richtige Mann für den Rekordmeister?

Ich kann mich noch nicht zu einer endgültigen Meinung durchringen. In der Bundesliga warten jetzt Gladbach und Hannover, in der Champions League geht es gegen Maccabi Haifa. Wenn im Parallelspiel Juve in Bordeaux gewinnt, was ich mir sehr gut vorstellen kann, wird es im Klub immer unruhiger werden. Ich denke aber, dass die Verantwortlichen van Gaal bis Weihnachten Zeit geben sollten, um dann in Klausur zu gehen und zu schauen: Können wir unsere sportlichen Ziele noch erreichen? Ist van Gaal noch der Richtige?

Dem Coach wird ein gespanntes Verhältnis insbesondere zu seinen Starspielern nachgesagt. Passt van Gaal besser zu Klubs, die nicht so im Fokus der Öffentlichkeit stehen wie die Münchner?

Ich glaube, van Gaal steht sich manchmal selbst im Weg. Fachlich ist das für mich ein Riesentrainer, er kann es in der Öffentlichkeit nur nicht so rüberbringen. Er wirkt nach außen als Disziplinfanatiker rüber, fast schon militärisch. Vielleicht sollte er sich etwas lockerer geben, um Vorverurteilungen in der Öffentlichkeit, sei es bei den Fans oder den Medien, entgegenzuwirken.

Leverkusen behauptet mit dem Punkt bei den Bayern die Tabellenführung. In der Vergangenheit versagten der Werkself in wichtigen Spielen oft die Nerven. Ist die Elf von Jupp Heynckes so weit gereift, in dieser Saison um die Meisterschaft mitzuspielen?

Das ist für mich ein ganz entscheidender Punkt. Jupp Heynckes ist genau der richtige Mann für diese junge Truppe. Der hat seiner Mannschaft heute gesagt: "Ruhig bleiben, wir nehmen hier einen Punkt mit. Das reicht uns, um Tabellenführer zu bleiben und die Bayern auf Distanz zu halten.“ Leverkusen befindet sich für mich in einem Reifeprozess. In der vergangenen Hinrunde hätte Leverkusen bis zum Schluss auf Sieg gespielt und sich vielleicht noch ein Gegentor eingefangen. Jetzt nehmen sie hier einen Punkt mit und sagen sich "Mund abwischen, fertig“. Bayer hat für mich das Potenzial, bis zum Schluss oben dabei zu bleiben. Wobei sie in der letzten Hinrunde ja auch lange oben waren, um dann in der Rückrunde brutal abzustürzen.

Stefan Kießling hat ein starkes Spiel gemacht und den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielt. Auf Seiten der Bayern hat Mario Gomez seine Torflaute beendet. Wer hat denn das direkte Duell der Torjäger gewonnen?

Ganz klar Stefan Kießling. Was der im Moment spielt, ist unglaublich. Der ist schnell, beweglich, überall auf dem Platz zu finden, mannschaftsdienlich und dazu noch stark im Abschluss. Gomez war auch nicht schlecht, aber Kießling war heute bärenstark.

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Bundestrainer Joachim Löw wird es freuen. Wen würden Sie denn im Sturm der DFB-Elf aufstellen?

Meine ganz persönliche Einschätzung: Mann muss abwarten, wann und wie Patrick Helmes zurückkommt. Das ist für mich von den Anlagen her der beste deutsche Stürmer und wäre somit bei mir gesetzt. Hält Kießling seine Form, wäre er ebenfalls ein heißer Kandidat.

Ein kurzer Blick auf die Samstagsspiele: Die Mannschaft der Stunde ist Werder Bremen, das seit dem ersten Spieltag ohne Niederlage ist. Hätten Sie damit gerechnet, dass die Elf von Trainer Thomas Schaaf den Abgang von Spielmacher Diego so gut verkraftet?

Ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell geht. Bremen ist eine der Mannschaften, die immer in der Lage ist, Spieler zu entwickeln. Siehe Mesut Özil, siehe Aaron Hunt oder auch bei Philipp Bargfrede. Die Bremer haben dafür ein Talent entwickelt wie nur wenige andere deutsche Klubs. Ich habe ihnen schon zugetraut, auch ohne Diego oben mitzuspielen, die Rasanz der Entwicklung überrascht mich allerdings.

Im Tabellen-Keller tritt der VfB Stuttgart nach dem 1:1 im Krisengipfel gegen Hertha BSC auf der Stelle. Wie lange kann es sich der Klub noch leisten, an Trainer Markus Babbel festzuhalten?

Das ist für mich die richtige Politik. Es fehlen ja auch die Alternativen auf dem Trainermarkt. Vor knapp einem Jahr, nach der Entlassung von Armin Veh, stand der Klub ja vor der gleichen Situation und hat sich in Ermangelung geeigneter Kandidaten für eine interne Lösung entschieden. Aktuell ist der Trainermarkt ja auch leergefegt, also sollte man Babbel machen lassen und sich Weihnachten zusammensetzen und dann in Ruhe entscheiden, wie es weitergeht.

Woran liegt die Talfahrt der Schwaben Ihrer Meinung nach?

Ich glaube, die haben sich von den rosaroten Wolken nach Erreichen der Champions-League-Qualifikation blenden lassen. Mit Mario Gomez ist nur ein Stammspieler weggebrochen, aber auf den war in den letzten Jahren das ganze Spiel zugeschnitten. Ich denke, beim VfB hat man den Abgang unterschätzt. Deshalb muss im Winter nachgelegt werden und ein torgefährlicher Stürmer sowie ein Mittelfeldspieler verpflichtet werden.

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