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Olympia 2010: Georgischer Rodler stirbt nach Trainingsunfall

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Olympia 2010 - Rodeln  

Rodler stirbt nach schwerem Trainingsunfall

12.02.2010, 20:19 Uhr | sid, dpa

Tragischer Moment: Nodar Kumaritaschwili fliegt von der Bahn. (Foto: ddp) Kurz vor der Eröffnungsfeier sind die Olympischen Winterspiele in Vancouver von einem tödlichen Unfall überschattet worden. Der georgische Rodler Nodar Kumaritaschwili flog beim Abschlusstraining im Zielbereich von der Bahn und krachte mit Tempo 144 km/h in einen Stahlträger der Dachkonstruktion. Der 21-Jährige wurde reanimiert, erlag im Krankenhaus aber nach Angaben des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) seinen schweren Verletzungen. Es ist der erste Todesfall bei Winterspielen.

Das Abschlusstraining wurde nach dem schrecklichen Unfall abgebrochen.

Im Zeichen der Trauer Eröffnungsfeier trifft den Ton

Georgier treten trotzdem an

Die georgische Olympiamannschaft wird trotz des tödlichen Unfalls ihres Rodlers an den 21. Winterspielen teilnehmen. "Sie haben entschieden, loyal zum Geist der Olympische Spiele zu sein, und werden ihre Leistungen ihrem toten Kollegen widmen", erklärte Nikolos Rurua, Georgiens Minister für Sport und Kultur kurz vor der Eröffnungsfeier. "Die Athleten werden bei der Feier mit Trauerflor einmarschieren", ergänzte Rurua. Ob Georgiens Staatsoberhaupt Micheil Saakaschwili dort anwesend sein wird, ist noch unklar. "Er ist am Boden zerstört", erklärte Rurua.

Kurzporträt Nodar Kumaritaschwili

Georg Hackl ist geschockt

"Das ist ein Schock und sicherlich nur schwer zu verarbeiten", sagte Deutschlands Rodel-Legende Georg Hackl sichtlich bewegt. Der Physiotherapeut der deutschen Rodler Klaus Alt war ebenfalls fassungslos: "Durch einen Fahrfehler ist er kurz vor dem Ziel aus der Bahn katapultiert worden." IOC-Vizepräsident Thomas Bach meinte: "Das ist furchtbar. Unsere Gedanken gelten seiner Familie und seinen Teamkollegen."

Rogge: "Es ist Zeit zu trauern"

Mit tränenerstickter Stimme reagierte auch IOC-Präsident Jacques Rogge auf den Tod des Georgiers. "Jetzt ist es Zeit zu trauern. Ich bin sprachlos. Ein junger Athlet hat sein Leben verloren, weil er seiner Leidenschaft nachging", erklärte der Belgier.

Verband führt Untersuchung durch

Der Rodel-Weltverband führe gegenwärtig eine Untersuchung des Unfalls durch. Entscheidungen über Verzögerungen im Zeitplan der Wettbewerbe können erst "zu gegebener Zeit" getroffen werden, so Rogge, der auch mit Georgiens Präsident telefoniert hat. Das IOC habe zudem sofort Kontakt mit Kumaritaschwilis Familie aufgenommen.

Mit dem Hinterkopf gegen Stahlträger

Kumaritaschwili war in der "Thunderbird"-Kurve, der letzten der 16 Kurven des 1374 Meter langen Hochgeschwindigkeitskurses, in große Schwierigkeiten geraten. Nach der Ziellinie flog der 21-Jährige dann aus der Eisrinne und mit dem Hinterkopf gegen einen ungeschützten Stahlträger. Sofort wurde an der Bahn die Musik abgeschaltet, es herrschte gespenstische Stille.

Bethge kritisiert Beschaffenheit der Bahn

Raimund Bethge kritiserte unmittelbar nach dem Sturz die Beschaffenheit der Bahn: "Alle Fachleute, die von Anfang an mit der Bahn zu tun hatten, haben vor der hohen Geschwindigkeit gewarnt", sagte der Cheftrainer Bob und Skeleton. Ähnliche Kritik hatte zuvor schon Weltverbands-Präsident Joseph Fendt geübt: "Die Bahn ist zu schnell. Wir hatten sie für maximal 137 Stundenkilometer geplant. Aber sie ist fast 20 Stundenkilometer schneller. Wir sehen das als Planungsfehler."

Besondere Herausforderung

Die Rinne für die Bob-, Rodel- und Skeleton-Wettbewerbe stellt für die Athleten eine besondere Herausforderung dar. Schon am Donnerstag war Andi Langenhan im Training gestürzt. "Das war heftig. Und es tat extrem weh", sagte der 25-Jährige. Schon beim Weltcup-Finale 2009 und bei der internationalen Trainingswoche zu Beginn des Olympiawinters war es immer wieder zu Stürzen gekommen, die Athleten hatten teils große Probleme.

Loch 153,98 km/h schnell

Der Hochgeschwindigkeitskurs ruft selbst bei den Besten der Zunft großen Respekt hervor, die Angst vor schweren Stürzen fährt bei der Medaillenjagd immer mit. "Es hängt natürlich immer von den Witterungsbedingungen ab, aber über 155 Stundenkilometer werden wir schon erreichen", sagt der italienische Rodel-Olympiasieger Armin Zöggeler. Den bisherigen Weltrekord hält Rodel-Weltmeister Felix Loch. Der 20-Jährige aus Berchtesgaden stürzte sich im vergangenen Jahr beim Weltcup-Finale mit 153,98 Stundenkilometer die Strecke in Whistler hinunter.

Deutscher Bahnentwickler entsetzt

Mit Bestürzung und Entsetzen hat auch der deutsche Designer der Olympiabahn von Whistler reagiert. "Es tut mir unendlich leid für den Jungen. Wir haben schon sechs Olympiabahnen entwickelt. Da ist noch nie einer rausgeflogen", sagte Udo Gurgel "Sport Bild online". Die Bahn sei schnell, aber die 16 sei eine sehr, sehr lange Kurve, in der normalerweise nicht viel passieren könne, weil die Geschwindigkeit bis zum Ausgang wieder stark abnehme. "Die Zielgeschwindigkeit liegt unter 120 km/h. Da müsste eigentlich jedes Gerät zu beherrschen sein. Er muss in der Kurve umhergeschossen sein wie eine Kugel." Der Designer aus Leipzig forderte, die Olympiabahn zu modifizieren: "Nun muss man überlegen, wie man die Bahn umbauen kann. Am Ausgang könnte man die Bande um 40 bis 50 Zentimeter erhöhen."

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