Startseite
Sie sind hier: Home > Sport >

Bernd Schuster: Die Bayern stehen noch in der zweiten Reihe

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Schuster: Darum kann Schalke Meister werden

13.03.2010, 20:34 Uhr | t-online, t-online.de

Bernd Schuster: Die Bayern stehen noch in der zweiten Reihe. LIGA total! Experte Bernd Schuster (Foto: dpa)

LIGA total! Experte Bernd Schuster (Foto: dpa)

Das Interview führte Thomas Tamberg

Bernd Schuster hat eine klare Meinung. Der Europameister von 1980 und ehemalige Spieler sowie Trainer von Real Madrid nimmt im Interview mit t-online.de kein Blatt vor den Mund. Der 50-Jährige traut dem FC Schalke 04 die Meisterschaft zu, glaubt nicht, dass der FC Bayern in der Champions League etwas reißen kann und fürchtet auch, dass die deutsche Nationalmannschaft bei der WM 2010 in Südafrika nicht um den Titel mitspielen wird. Der LIGA total!-Experte hofft indes, irgendwann einmal in der Bundesliga auf der Trainerbank zu sitzen. "Das wäre eine schöne Sache und ich hoffe, dass es in Zukunft irgendwann einmal klappt." Auch über das Serien-Scheitern von Real Madrid in der Champions League hat der Intimkenner der Königlichen eine Erklärung: "Der Druck ist manchmal so groß, dass man schon durchatmen muss und sich fragt: Ist das alles so richtig?"

Herr Schuster, wie hart hat es Real Madrid getroffen, dass sie wieder einmal im Achtelfinale der Königsklasse gescheitert sind?
Sehr hart natürlich. Damit hat Real nicht gerechnet. Jeder hat davon geträumt, dass Real mindestens ins Endspiel kommt. Das war das große Ziel. Die Verantwortlichen haben sich vorher weit aus dem Fenster gelehnt und jetzt ist man schon draußen. Die Enttäuschung in Madrid ist riesengroß.

Wahrscheinlich muss jetzt der Trainer wieder dran glauben, oder?
Bevor man irgendetwas macht, muss man erst einmal schauen, wie die Saison zu Ende geht. Die Meisterschaft ist sehr wichtig, die muss Real jetzt gewinnen. Davon hängt alles ab. Nicht nur der Trainer hat Fehler gemacht, sondern auch die Leute drumherum, auch die von oben. Aus meiner Sicht wäre es ein Fehler, den Coach zu feuern. Wenn man ein Projekt vorbereitet, kann man das nicht in einem Jahr vollenden. So etwas dauert mindestens drei Jahre. Da kann man nicht nach einem dreiviertel Jahr sagen, der Trainer muss weg, wir holen wieder einen neuen und fangen wieder von vorne an.

Real Madrid ist seit sechs Jahren in der Champions League nicht mehr über das Achtelfinale herausgekommen. Das kann nicht mehr nur Zufall sein. Was läuft da alles schief bei den Königlichen?
Das Problem ist, dass der Klub unglaublich unter Druck steht. Deswegen ist es immer schwer von einem Konzept zu sprechen, weil einfach keine Zeit da ist. Es werden Wahnsinnsspieler verpflichtet und man muss gleich das erste Spiel gewinnen. Selbst wenn es ein Freundschaftsspiel ist. Von der Champions League ganz zu schweigen. Dieser Druck hindert einen daran, Zeit zu haben, etwas zu entwickeln. Man muss sagen, irgendetwas stimmt da nicht.

Ist es nur der Druck oder noch etwas anders?
Dieser Druck ist schwer zu beschreiben. Man kann das nur nachvollziehen, wenn man es selbst erlebt hat. In Madrid wird Tag und Nacht nur über Real diskutiert. Der Druck ist manchmal so groß, dass man hin und wieder durchatmet und sich fragt: Ist das alles so richtig? Es gibt ganz wenige Vereine, die so extrem sind wie Real Madrid.

Der FC Bayern ist in der Champions League eine Runde weiter. Was trauen Sie dem deutschen Rekordmeister noch zu?
Der FC Bayern ist im Moment noch nicht so weit, um mit Chelsea, Manchester United oder Barcelona mitzuhalten. Da gibt es immer noch einen kleinen Unterschied. Die Bayern sind immer noch in der zweiten Reihe. Für den ganz großen Wurf wird es noch nicht reichen. Gegen Florenz hatten sie etwas Glück gehabt. Wenn sie ins Halbfinale kommen würden, wäre das mit dieser Mannschaft schon eine Überraschung.

In der Bundesliga muss sich der FC Bayern wieder mit Felix Magath rumärgern. Letztes Jahr holte er mit Wolfsburg den Titel, jetzt ist er mit Schalke 04 schon wieder Tabellenzweiter. Was ist sein Geheimnis?
Das ist natürlich kein Zufall. Magath ist ein Visionär, der klare Ideen hat. Ich kenne Felix sehr gut, wir haben ja auch noch zusammengespielt. Er hat die Coolness, macht keine großen Sprüche und kann seine Mannschaft sehr gut einschätzen. Insbesondere wie die Spieler mit dem Druck umgehen können, wenn sie an der Spitze stehen. Das kann der Felix sehr gut analysieren. Seine Mannschaften werden nicht überheblich und spielen konstant. Schalke hat immer knappe Resultate erzielt und gewinnt die Spiele mit einfachen Mitteln, was mit viel Arbeit verbunden ist. Das sieht er natürlich und stapelt daher immer auch ein bisschen tiefer. Das ist sein Erfolgsrezept.

Trauen sie Schalke 04 den Titelgewinn zu oder macht es am Ende dann doch wieder der FC Bayern?
Wir hatten die gleiche Situation im letzten Jahr mit Wolfsburg. Da haben wir auch gedacht, dass die Wölfe es nicht bis zum Schluss packen würden. Weil wir es gewöhnt sind, dass die Bayern immer oben rumschwirren. Wenn Felix Magath es schafft, in der Endphase mit seinen Jungs oben mit dabei zu sein, dann muss man sehr aufpassen. Dann traue ich es ihm zu. Er hat die Erfahrung, wie sich die Mannschaft in diesen Momenten präsentieren muss. Im Moment sieht es sehr gut aus für Schalke. Je nachdem wie weit die Bayern in der Champions League kommen, wird das zusätzlich das Bundesliga-Wochenende beeinflussen.

Thema Nationalmannschaft: Aktuell herrscht große Unruhe beim DFB. Geht das alles spurlos an der Nationalmannschaft vorüber? Oder erhält sie einen Knacks so kurz vor der WM 2010 in Südafrika?
Das sollte nicht sein. Im Gegensatz zu einer Vereinsmannschaft gehen die Spieler bei der Nationalmannschaft immer wieder auseinander. Das dauert jetzt erneut eine Zeit bis man sich wieder trifft. Je näher die Weltmeisterschaft rückt, umso mehr freut man sich darauf. Dann legt sich ein Schatten über die aktuellen Probleme und sie sind nicht so sehr im Focus. Wichtig wird jedoch sein, wie die WM verläuft. Wenn es nicht so laufen sollte, dann tauchen die Probleme des DFB sofort wieder auf. In der Vorbereitung werden Spieler, Trainer und Vorstand aber die Probleme verdrängen können und man freut sich einfach darauf, dass das Turnier endlich losgeht.   

Haben Sie das Länderspiel der DFB-Elf gegen Argentinien verfolgt?
Ich habe das Länderspiel gegen Argentinien gesehen, weil ich gedacht habe, dass es das attraktivste in der Woche ist. Das war dann eine leichte Enttäuschung.

Die beiden Youngster Toni Kross und Thomas Müller haben dabei ihr Debüt gefeiert. Meinen Sie, die beiden sind schon bereit für eine WM?
Diese Unbekümmertheit, die die beiden mitbringen, muss man bei solchen Turnieren ausnutzen. Sie tut einer Mannschaft immer gut. Die WM ist ein spezielles Turnier und die beiden können da über sich hinauswachsen und etwas Besonderes leisten. Weil junge Spieler nicht so berechnend sind und nicht daran denken, was alles passieren könnte. Das macht man dann eher als älterer Spieler. Daher finde ich, dass so junge Spieler gut reinpassen.

Wer wird Weltmeister und wo landet das Löw-Team?
Mein persönliches Traumfinale wäre Brasilien gegen Spanien. Das sind für mich die beiden komplettesten und stärksten Nationalmannschaften. Bei Deutschland bin ich mir dieses Mal nicht so ganz sicher. Man weiß, dass sich die deutsche Mannschaft im Turnier immer steigert. Aber zum Titel wird es dieses Mal nicht reichen. Ich habe das Gefühl, dass die Mannschaft nicht so stark und komplett ist wie eben Spanien, Brasilien oder auch England, die für mich ein Geheimfavorit sind.

Seit 2008 haben sie nicht mehr als Trainer gearbeitet. Wann sieht man Sie wieder auf der Bank?
Ich denke, dass es ab diesem Sommer wieder losgeht. Die Pause hat sehr gut getan und ich habe gewartet, bis es wieder juckt. Jetzt ist es soweit. Es sieht gut aus. Es gibt genug Anfragen und ich denke schon, dass ich mich für irgendetwas entscheiden werde. Ab Sommer bin ich wieder dabei.

Können Sie sich auch eine Rückkehr in die Bundesliga vorstellen?
Deutschland ist sehr interessant. Leider habe ich in der Bundesliga noch gar nicht trainiert. Ich habe ja damals bei Fortuna Köln in der 2. Liga angefangen. Aber ich würde mich darüber sehr freuen. Leider sind bei den Anfragen aber keine aus Deutschland dabei. Ich habe in Spanien als Spieler und Trainer viel Zeit verbracht. Daher bin ich auch froh, wenn ich mal wieder rauskomme und etwas anderes kennenlerne. Ich hoffe daher, dass es irgendwann mal klappt, dass ich auch in der Bundesliga als Trainer auftauche.

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Amateur am Werk 
Ungeschickter Bauarbeiter löst Kettenreaktion aus

Es kommt wie es kommen muss. Zum Glück kam der Mann noch einmal glimpflich davon. Video

Anzeige

Shopping
tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de
Sport von A bis Z

Anzeige
shopping-portal