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"Deutschland hat immer das Zeug, die WM zu gewinnen"

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"Deutschland hat immer das Zeug, die WM zu gewinnen"

07.06.2010, 15:26 Uhr | Das Interview führte Johann Schicklinski, t-online.de

. Sean Dundee freut sich auf die WM in Südafrika und traut dem deutschen Team eine Menge zu. (Foto: imago)

Sean Dundee freut sich auf die WM in Südafrika und traut dem deutschen Team eine Menge zu. (Foto: imago)

Sean Dundee verließ mit 19 Jahren Südafrika, um sich in der weiten Fußballwelt durchzusetzen. Nach Stationen bei den Stuttgarter Kickers und dem TSF Ditzingen heuerte er beim Karlsruher SC an, wo er rasch zum Shooting-Star avancierte und in seinen ersten beiden Spielzeiten 33 Treffer erzielen konnte. Auf seinen weiteren Stationen in Liverpool und beim VfB Stuttgart blieb ihm der große Durchbruch versagt, danach ließ der Stürmer seine Karriere in Wien, erneut Karlsruhe und Offenbach ausklingen.

Heute lebt Dundee in Durban/Südafrika, wo auch die deutsche Mannschaft ihr erstes Spiel bestreitet. Der ehemalige Angreifer kann die Lage im Land des WM-Gastgebers knapp einen Monat vor Beginn der Weltmeisterschaft gut beurteilen. Die hohe Kriminalität, der schleppende Kartenverkauf sowie logistische und organisatorische Probleme dämpfen in Europa etwas die Vorfreude auf das Event am Kap, doch Dundee ist zuversichtlich, dass das Turnier im südlichsten Land Afrikas ein voller Erfolg wird.

t-online.de: Herr Dundee, die WM steht bevor, doch ein Zuschauerboom hat sich noch nicht eingestellt. Muss man sich Sorgen machen, dass Länder wie Brasilien, Argentinien, Deutschland oder Spanien bei der WM vor halbleeren Rängen spielen?

Sean Dundee: Nein, das wird nicht passieren. Die Stadien werden voll sein.

Ist das Fußballfieber denn schon ausgebrochen in Südafrika? Spürt man im täglichen Leben, das die WM bald los geht?

Es ist jetzt nicht wie vor vier Jahren in Deutschland, dass zum Beispiel alle Autos mit kleinen Fahnen herumfahren. Dafür laufen Tausende mit einem Trikot der Bafana herum, man sieht sie überall, vor allem in Einkaufszentren oder am Strand. Es gibt eigentlich nur noch ein Thema. Die Vorfreude auf die WM ist in den letzten Monaten echt viel mehr geworden. Die Leute sind richtig aufgeregt und können kaum erwarten, dass die WM anfängt.

Wie groß ist eigentlich die Fußballbegeisterung in Ihrem Heimatland? Ist es die Sportart Nummer eins oder haben andere Sportarten, z.B. Rugby, ein größeres Publikumsinteresse?

Eigentlich Rugby. Aber im Moment kriege ich das Gefühl, dass der Fußball sich vorbeischiebt, auch am hier sehr populären Cricket, und zur Nummer eins in Südafrika wird. Momentan wird nur über Fußball geredet, alle wollen wissen, was in den europäischen Ligen und Nationalmannschaften abgeht. Das ist das erste Mal, das ich hier so was erlebe.

Meinen Sie, dass die Fußball-Begeisterung länger als einen Sommer wirkt?

Ob der Boom auch nach der WM anhält, muss man sehen. Viel wird auch davon abhängen, wie sich das südafrikanische Team bei der WM schlagen wird.

Zuletzt gab es Meldungen, dass Tickets in Supermärkten verkauft werden, um die Stadien zu füllen. Kann sich der südafrikanische "Normalbürger“ überhaupt einen Besuch der WM-Spiele leisten?

Das ist ein Problem, die Karten sind unglaublich teuer. Es wird sehr, sehr schwer für viele Leute in Südafrika. Trotzdem gibt es Schlangen, die Leute bemühen sich um Karten, auch wenn es am Monatsende knapp werden sollte. Selbst wenn sie nur eine Karte kaufen, alle wollen bei der WM dabei sein. Und diejenigen, die das Geld haben, holen sich natürlich auch Karten.

Für Bayern-Präsident Uli Hoeneß war es ein großer Fehler, das Turnier nach Südafrika zu vergeben? Was entgegnen Sie ihm und anderen Skeptikern?

Es gibt zwei Seiten. Zum einen die öffentliche Meinung, die auch etwas über die Medien gesteuert ist. Demnach muss man als Tourist in Südafrika Angst haben aufgrund der hohen Kriminalität oder die Infrastruktur sei schlecht. Zum anderen ist Südafrika natürlich ein sehr schönes Land, auch unabhängig vom Fußball, das es einfach verdient hat, dieses Event ausrichten zu dürfen. Auch die Leute, die darum gekämpft haben, dass hier überhaupt eine WM stattfinden kann, wie zum Beispiel Nelson Mandela, haben es verdient, dass das Turnier zum Erfolg wird. Die Fans sollten deshalb keine falsche Scheu zeigen und Südafrika aufgeschlossen gegenüberstehen. Südafrika ist meiner Meinung nach von allen afrikanischen Ländern am weitesten, ich glaube, dass die WM sicher sein wird.

Sie haben es angesprochen: Viele Fans schrecken, wohl auch aus Sicherheitsbedenken, vor einem Besuch von WM-Spielen zurück? Muss man sich als Tourist denn wirklich Sorgen machen?

Nein. 100 Prozent Sicherheit gibt es nirgendwo auf der Welt, auch in Deutschland oder Mitteleuropa nicht. Im letzten Jahr wurde hier richtig viel Arbeit investiert, um das Turnier sicher zu machen, deshalb müssen sich die Fans keine Sorgen machen.

Haben Sie denn Tipps, wie sich die WM-Touristen möglichst verhalten sollten?

Klar gibt es Verhaltensregeln. Diese sind aber die gleichen, wie überall auf der Welt. Man soll nicht alleine durch irgendwelche dunklen Ecken in den Großstädten wandern, insbesondere abends. Wenn man sich in größeren Gruppen aufhält, kann eigentlich nichts passieren.

In der Gruppenphase warten Frankreich, Mexiko und Uruguay als Gegner des WM-Gastgebers. Wie weit kann die Bafana beim Turnier kommen?

Im letzten Jahr hätte ich noch ein Vorrunden-Aus prognostiziert. Jetzt hat Südafrika aber mit Carlos Alberto Parreira einen sehr renommierten Trainer, der richtig Gas gibt und versucht, eine starke Mannschaft zusammen zu stellen. Starke Fußballer gibt es hier viele, doch früher wollte jeder für sich glänzen. Jetzt hat Parreira aus den Einzelspielern ein Team geformt, das füreinander kämpft, rennt und arbeitet. Fast alles hängt für mich vom WM-Eröffnungsspiel gegen Mexiko ab. Spielt Südafrika hier stark und gewinnt, ist mit den Zuschauern und der Euphorie im Rücken viel möglich. Auch andere Länder haben mit den Fans als 12. Mann im Rücken schon überrascht. Aber klar ist auch: Auf dem Papier sind die anderen die Favoriten.

Wer könnte der Topstar im Team Südafrikas werden? Prädestiniert wären hierfür ja die England-Legionäre Benny McCarthy oder Steven Pienaar.

Steven Pienaar ist aktuell der beste Spieler der Bafana. Auf Benny Mc Carthy war Parreira zuletzt ziemlich sauer, weil er einfach nicht fit ist. Deshalb muss er um sein WM-Ticket auch noch bangen. Er hat nicht alles dafür getan, um für das Turnier in Topform zu sein. Daran ist er aber selbst schuld, er ist lange genug Profi, um zu wissen, was er zu tun hat. Benny hatte lange die Einstellung, dass er eh’ Stürmer Nummer eins ist. Doch mit dieser Mentalität kommt man bei Parreira nicht weit.

In Ihrer aktiven Karriere trugen Sie nie das Trikot Südafrikas. Warum entschieden Sie sich, lieber die Chance in der deutschen Nationalelf zu suchen?

Diese Frage habe ich wohl schon tausend Mal beantwortet. Ich bin froh, damals so entschieden zu haben. Ich stehe dazu und würde wieder so entscheiden. Ich bereue nur, dass es nicht mit dem Einsatz für Deutschland geklappt hat. Das war ein großer Traum während meiner aktiven Karriere und wäre eine absolute Ehre gewesen.

Für wenn wären Sie denn, wenn Südafrika bei der WM auf Deutschland träfe?

Klare Sache: In diesem Fall würde ich Deutschland die Daumen drücken.

Was trauen Sie dem deutschen Team in Südafrika zu?

Klar wird es durch den Ausfall von Michael Ballack schwieriger. Aber es gibt in der deutschen Nationalelf genügend Spieler, die in seine Rolle schlüpfen können. Schweinsteiger, der eine grandiose Saison bei den Bayern spielt, traue ich zu, in die Chef-Rolle zu schlüpfen. Er könnte zum Leader des deutschen Teams werden. Ich habe generell ein gutes Gefühl für die deutsche Elf, sie kann im Turnier weit kommen. Deutschland hat immer das Zeug, die WM zu gewinnen.

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