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Ohren zu und durch!

15.06.2010, 10:48 Uhr | t-online.de, sid, sid, t-online.de

. Die Diskussionen um das südafrikanische "Volksinstrument" werden immer hitziger. (Foto: dpa)

Die Diskussionen um das südafrikanische "Volksinstrument" werden immer hitziger. (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Die Fußball-WM in Südafrika ist kaum einen Tag alt, schon sind die Fans in Deutschland genervt vom Dauergetröte der Vuvuzelas in den Stadien. 90 Minuten lang beschallen die Anhänger vor Ort mit ihren ohrenbetäubenden "Instrumenten" ohne Pause die Arenen und bringen damit die TV-Zuschauer zum Kochen.

"Die emotionsloseste WM aller Zeiten"

An den TV-Bildschirmen verzweifelten die meisten Fußball-Fans. Vielen waren die Plastik-Trompeten schlicht zu laut, andere vermissten die sonst üblichen Fan-Gesänge im Stadion: "Das wird am Fernseher die emotionsloseste WM aller Zeiten. Das ist ein zweistündige Live-Übertragung aus einem Bienenstock, aber bestimmt nicht die Emotion, wegen der ich Fußball liebe", " Ich habe nach zehn Minuten den Fernseher ausgeschaltet, nicht auszuhalten dieses Geräusch. Sollte es bei den restlichen Spielen wieder so sein, ist für mich die WM gelaufen", so die Meinungen vieler t-online.de User. Ob die übertragenden Sender nicht die Nebengeräusche aus dem Stadion runterpegeln könnten, fragen zahlreiche Fußball-Fans. "Bitte macht was!", fleht ein Fan die übertragenden Sender an. "Das grenzt sonst an Folter und ist für mich ein Grund zum abschalten."

"Man gewöhnt sich mit der Zeit dran"

Schlachtrufe gibt es praktisch keine, Jubel geht in dem Getöse unter und ein Raunen wie es sonst immer bei vergebenen Torchancen durch das Publikum geht, ist nicht wahrnehmbar. Klar, dass sich viele europäische Zuschauer beschweren. Fakt ist aber auch, dass die WM eben nun mal nicht in Europa, sondern eben in Südafrika stattfindet. "Andere Länder, andere Sitten", meint ein User. Und er ist damit nicht allein: "Klar ist es laut, aber mit der Zeit gewöhnt man sich dran." Diejenigen, die sich über die Tröten beschweren seien "Weicheier", so ein Vuvuzela-Fan, der von einem Gleichgesinnten Beistand erhält: "Was seid ihr für empfindliche Seelchen, dass ihr das bisschen Lärm nicht aushaltet. Geht doch zum Damenfußball."

Kritik auch aus den eigenen Reihen

Südafrikas Nationaltrainer Carlos Parreira will aus dem Dröhnen einen Vorteil ziehen: "Wir brauchen die Vuvuzelas und ihren enormen Lärm. Blast sie so laut es geht! Denn sie sind unser 12. Mann", fordert er die Fans der Bafana Bafana auf. Beschwerden kamen in der Regel aus dem Ausland. Doch jetzt übt erstmals ein Einheimischer Kritik am trompetenden Volk. Wie das "Handelsblatt" berichtet, bedauert Mondi Makhanya, Chefredakteur der "Sunday Times" und leidenschaftlicher Fußball-Fan, dass die Krachmacher für das Aussterben der traditionellen Fangesänge verantwortlich sind. "Unsere Fußballanhänger komponieren keine Songs mehr. Die Schlachtgesänge, die man in den Fußballkathedralen der Welt hört, sind auf unseren Plätzen längst verstummt."

Laut wie ein Düsenjet

Zum Fanartikel-Renner haben es in Südafrika Ohrstöpsel in den Landesfarben gebracht, die sind auch nötig bei dem ohrenbetäubenden Lärm in der Arena. Wie eine Studie belegt, kann der Lärm der Tröten zu dauerhaften Schäden im menschlichen Gehör führen. Demnach erreicht das Fan-Untensil vom Kap der guten Hoffnung mit einem Schallpegel von 123,9 Dezibel die Lautstärke eines Düsenflugzeugs. Dänemarks Nationaltrainer Morten Olsen, der ein Hörgerät trägt, verriet sein Rezept: "Ich stelle es einfach ab, dann merke ich nichts davon." Nicht von ungefähr wies ein Hörgerätehersteller darauf hin, dass bei einem von Vuvuzelas verursachten Hörschaden die private Unfallversicherung zahlt. "Der Schaden durch Schallwellen fällt in vollem Umfang unter den Unfallbegriff. Einen Ausschluss sehen die Bedingungen nicht vor", sagt auch Rüdiger Falken, Versicherungsberater aus Hamburg.

"Verbot wäre Diskriminierung"

Schon im letzten Jahr beim Confederations Cup entflammte die Diskussion über die Vuvuzelas. Und auch im Vorfeld der WM wurden die Tröten wieder zum Thema, gibt es sie doch mittlerweile überall in den entsprechenden Landesfarben zu kaufen. Auf den Fanmeilen in vielen deutschen Städten wie etwa in Köln und Berlin wurde die Benutzung der Fan-Trompete untersagt. Andernfalls drohen saftige Geldstrafen. Die Südafrikaner werden jedenfalls weiter tröten was das Zeug hält. Egal ob nervig oder nicht: ein Verbot der Vuvuzelas wird es definitiv nicht geben. "Das käme einer Diskriminierung gleich. Wir haben die WM an Afrika vergeben, einen Kontinent mit einer anderen Kultur", stellte FIFA-Präsident Joseph S. Blatter klar. Es heißt also: Ohren zu und durch!

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