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Formel-1-Technikchef will Zapfenstreich einführen

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Rund um den Rennzirkus  

Formel-1-Technikchef will Zapfenstreich einführen

15.06.2010, 11:01 Uhr | motorsport-total.com / t-online.de, Motorsport-Total.com, t-online.de

Formel-1-Technikchef will Zapfenstreich einführen. Kaum Zeit zum Durchatmen: Mechaniker in der Formel 1 (Foto: imago)

Kaum Zeit zum Durchatmen: Mechaniker in der Formel 1 (Foto: imago) (Quelle: imago)

Weniger Personal bei gleichbleibender oder gar mehr Arbeit: Was in der freien Marktwirtschaft schon seit Jahren praktiziert wird, ist auch in der Formel 1 längst gang und gäbe. Durch die Begrenzung der Vor-Ort-Crews auf maximal 45 Mann pro Team ist die Belastung für die Mechaniker deutlich größer geworden. Deshalb will Virgin-Technikchef Nick Wirth einen Zapfenstreich einführen.

"Ich halte das für eine großartige Idee", schwärmt Wirth. "Ich kenne das aus eigener Erfahrung aus der IndyCar-Serie" Es sei schwierig umzusetzen, schließlich würden die Betroffenen immer eine Möglichkeit finden, solche Regeln zu umgehen. "Aber als ich 2004 bei den IndyCars war, kamen pünktlich um 17:30 Uhr ein paar bewaffnete Männer mit einem Vorhängeschloss. Da war Ruhe in der Kiste! Es geht also, wenn man nur will."

Keine Zeit für die Familie

Die Einsparung des Personals führte dazu, dass die Nachtschichten an den Rennwochenenden immer häufiger und länger werden. Zwar werden die Mechaniker in der Regel nicht schlecht bezahlt, doch von den astronomischen Gehältern manch anderer Berufe in der Formel 1 sind sie weit entfernt. Insofern empfinden es viele als unzumutbar, mit dem Team um die Welt zu reisen, nahezu rund um die Uhr zu arbeiten, keine Zeit für die Familie zu haben und dann auch noch verhältnismäßig durchschnittlich zu verdienen.

An die Grenze der Belastbarkeit gehen

Die immensen Belastungen sind im Motorsport die Kehrseite der Medaille. Colin Kolles kam in der schwierigsten Phase der Campos-Rettung wochenlang kaum zum Schlafen - und der gelernte Zahnarzt ist beileibe kein Einzelschicksal. Ingenieure und Mechaniker sind daran gewöhnt, ganze Nächte durchzuarbeiten. Wenn dann aber auch noch die Freitagnacht flach fällt, müssen viele an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gehen.

Keine sechs Stunden Schlaf pro Nacht

"Alle freuen sich auf Samstagnacht", so Wirth, "nicht weil sie ausgehen und Spaß haben wollen, sondern weil das die einzige Gelegenheit ist, einmal durchzuatmen. Es wäre ganz leicht, in der Formel 1 eine Sperrstunde ab Mitternacht einzuführen, denn so würde jeder zumindest sechs Stunden Schlaf bekommen - und ich kenne einige Menschen, die mit sechs Stunden Schlaf nicht richtig funktionieren. Einige von uns haben in keiner Nacht sechs Stunden Schlaf."

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