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Medien: Rehhagel vor dem Aus

24.06.2010, 01:17 Uhr | dpa, dpa

. Otto Rehhagel führt 2004 die Griechen zur Europameisterschaft. (Foto: dpa)

Otto Rehhagel führt 2004 die Griechen zur Europameisterschaft. (Foto: dpa)

Otto Rehhagel steht vor dem Ende seiner Tätigkeit als griechischer Nationaltrainer. Der deutsche Erfolgscoach soll sich nach dem WM-Vorrunden-Aus in Südafrika bereits von seinen Spielern verabschiedet haben, berichtete die griechische Sport-Internetseite "Sport.gr". Zudem soll sich Kapitän Georgios Karagounis seitens der Spieler für die neunjährige Zusammenarbeit mit dem 71 Jahre alten Fußball-Lehrer bedankt haben. Die Stimmung in der Mannschaft sei sehr bedrückt gewesen. Der griechische Verband wolle sich bald dazu äußern.

"Alles meine Privatsache. Diese Frage beantworte ich nicht", fauchte Rehhagel nach dem 0:2 der Griechen gegen Argentinien einen Reporter an. Das Ende der Ära "Rehhakles" scheint endgültig gekommen. "Das war das 106. und letzte Spiel Rehhagels. Davon hat er 53 gewonnen in einer Glanzkarriere, die ihn bis zum Olymp von 2004 brachte", resümierte die Zeitung "Eleftherotypia", und "To Vima" dichtete: "Der Aufwiedersehen-Tango."

Der 71-Jährige gefiel sich aber auch nach dem WM-Vorrunden-Aus in Südafrika in der Rolle von "König" Otto, der über den Dingen steht - die eine Hand auf einer Wasserflasche ruhend, die andere leicht erhoben, als solle allein diese herrische Geste die neugierigen Medienvertreter zum Schweigen bringen. "Ich spreche heute hier nur über das Spiel. Ich spreche mit meiner Mannschaft. Fragen Sie mich etwas über das Spiel", forderte Rehhagel nach dem Beton-Auftritt seiner Griechen gegen die filigranen Argentinier.

Assistent geht auf jeden Fall

Vor neun Jahren hatte der ehemalige Bundesliga-Trainer die Griechen übernommen. Damals rangierte das Team auf Platz 66 der Weltrangliste. "Jetzt sind wir 13. Das war schon ein Haufen Arbeit", bilanzierte er. Nun werde er sich mit dem Präsidenten des griechischen Fußballverbandes treffen. "Und dann werden wir sehen." Sein Vertrag läuft nach der WM aus. "Auch wenn er bleibt, gehe ich", verkündete dagegen sein langjähriger Wegbegleiter, Assistent und Dolmetscher Ioannis Topalidis. "Für mich ist nach diesem Spiel Ende. Ich bedanke mich bei allen die Fans das Team und den Verband", sagte er.

Taktik zunächst aufgegangen

2004 hatte Rehhagel die Griechen mit taktischer Finesse und deutscher Disziplin sensationell zum EM-Titel geführt. 2006 verpasste er die Teilnahme an seiner "Heim-WM" in Deutschland, zwei Jahre später ereilte die Griechen das EM-Aus in der Vorrunde. Bei der WM 2010 scheiterte der gebürtige Essener mit seinem Gefolge erneut in der Gruppenphase. Gegen Argentinien nutzte Rehhagels massiv kontrollierte Defensive auch nichts. "Wir sind mit folgender Marschroute ins Spiel gegangen: Wir wollten nicht wie in den letzten Spielen ein frühes Gegentor kassieren, das ist uns gelungen", bilanzierte Rehhagel.

Alle Positionen außer die Abwehr abgeschafft

"Wenn dies sein letztes Spiel war, wird er in der Geschichte als der Trainer bleiben, der alle Positionen, außer denen in der Abwehr, abgeschafft hat. Den Sturm hatten wir im Hotel zurückgelassen", spottete das Blatt "To Fos". Nach Spielende verharrte Rehhagel noch einige Momente mit den Händen in den Taschen an der Seitenlinie, während sein argentinischer Kollege Diego Maradona schon längst wieder auf "Knutschtour" auf dem Platz umhersprang. "In einer Liga kann man manches gut machen. Hier geht das nicht, jeder Fehler wird schwer bestraft", sagte Rehhagel in der Pressekonferenz.

Fernando Santos als Nachfolger im Gespräch

Werder Bremen hatte Rehhagel in der Bundesliga zu zwei deutschen Meisterschaften, zwei Pokalsiegen und 1992 zum Gewinn des Europapokals der Pokalsieger geführt. Mit dem 1. FC Kaiserslautern stieg der Trainerfuchs auf und holte 1998 direkt den Meistertitel - ein Novum. Nur beim deutschen Rekordmeister Bayern München konnte Rehhagel nicht richtig Fuß fassen. Kurz vor dem UEFA-Cup-Finale 1996 wurde er entlassen und durch Franz Beckenbauer ersetzt. Als Kandidat auf seine Nachfolge in Griechenland handeln die heimischen Blätter bereits den Portugiesen Fernando Santos.

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