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Lahm will Kapitän bleiben - was wird aus Ballack?

05.07.2010, 23:58 Uhr | t-online.de, t-online.de

. Philipp Lahm hat Freude an der Spielführerbinde und will sie nicht wieder abgeben. (Foto: imago)

Philipp Lahm hat Freude an der Spielführerbinde und will sie nicht wieder abgeben. (Foto: imago)

Es bahnt sich ein Machtkampf innerhalb der Nationalmannschaft an: Philipp Lahm hat angekündigt, seine Rolle als deutscher Kapitän auch über die WM in Südafrika hinaus ausüben zu wollen. Das verdeutlichte der 26-Jährige in einem Interview mit der "tz". "Es ist doch klar, dass ich die Kapitänsbinde gerne behalten möchte", sagte Lahm und bestätigte so, was einige Experten bereits gefordert hatten. Damit gerät der verletzte Michael Ballack immer mehr ins Abseits. Seine Zukunft im DFB-Trikot erscheint offener denn je.

Bundestrainer Joachim Löw hatte Lahm nach Ballacks Verletzung zunächst nur für das WM-Turnier zum Kapitän gemacht. Inzwischen hat der Bayern-Profi die Rolle in dem jungen DFB-Team mit großem Engagement angenommen und dafür viel Lob erhalten. "Meine Rolle auf dem Platz erfülle ich seit mehreren Jahren, die habe ich im Griff. Dann will man sich auch um mehr kümmern, mehr Verantwortung übernehmen", erklärte Lahm. "Das habe ich jetzt hier gemacht. Warum soll ich dann das Kapitänsamt wieder freiwillig zur Verfügung stellen?" Und auf die Frage, ob er die Kapitänsbinde nach der WM wieder feierlich an Ballack übergeben werde, antwortete er: "Freiwillig werde ich sie ganz sicher nicht abgeben. Aber das wird die Entscheidung des Bundestrainers sein."

Schweinsteiger unantastbar, Khedira überzeugt

Durch den Vorstoß Lahms wird die zukünftige Rolle Ballacks in der Nationalmannschaft immer unklarer. Nicht nur, weil Lahm selbst die Führungsrolle angenommen hat und im Team als Persönlichkeit anerkannt und geschätzt wird. Mit Bastian Schweinsteiger weiß er zudem einen "emotionalen Leader" (Löw) an seiner Seite, der ihn perfekt ergänzt. Zudem stehen beide außerhalb jeder sportlichen Diskussion - ganz im Gegensatz zum 33-jährigen Ballack. Dieser musste gegen Argentinien von der Tribüne aus zusehen, wie Deutschland ohne ihn die beste Teamleistung seit Jahren zeigte und dabei offensiv wie defensiv brillierte. So verwundert es nicht, dass Ex-Nationalspieler Bernd Schuster anschließend sagte, Ballacks Ausfall sei ein Glück für die Löw-Truppe.

Besonders auffällig ist die neue spielerische Qualität des Teams. Schweinsteiger ist zu dem Dreh- und Angelpunkt der Mannschaft geworden, der er neben Ballack wohl nicht geworden wäre. Mit Ballack in der Startelf hätte sich das Spiel zunächst einmal auf ihn fokussiert, Schweinsteiger wäre wohl ins zweite Glied gerückt. So aber ist Schweinsteiger die Nummer eins im Mittelfeld, seine Leistungsexplosion spricht für sich. Unterstützt wird er auf der Doppel-Sechs von einem unermüdlich arbeitenden Sami Khedira, der immer wieder vorne in die Spitze stößt und so zu einer weiteren offensiven Anspielstation für Schweinsteiger wird. Der Stuttgarter hat sich im neuen Löw-System nicht nur etabliert, sondern ist schon jetzt nicht mehr daraus wegzudenken. Der 23-Jährige deckt dadurch aber auch schonungslos auf, woran es mit Ballack mangelte: Das schnelle und explosive Spiel nach vorne ist zum Markenzeichen der DFB-Elf geworden.

Lahm hält sich bedeckt

Ballack, der noch immer durch seine Ruhe am Ball besticht, steht nicht für überfallartiges Offensivspiel, sondern für Ballkontrolle - eine Spielweise, mit der er beim FC Chelsea in der vergangenen Meistersaison hervorragende Leistungen gezeigt hat. Doch weil der Bundestrainer und sein Team eine andere Philosophie verfolgen und damit nicht nur Erfolg haben, sondern Begeisterung auslösen, stellt sich die Frage, ob Ballack überhaupt noch eine Zukunft im DFB-Team hat. Kapitän Lahm beantwortet diese Frage überaus zurückhaltend: "Platz ist immer da. Michael ist ein guter Spieler. Alles andere wird man nach der WM sehen." Ein Plädoyer für die Rückkehr Ballacks als Stammspieler klingt anders. Und gegenüber der "Bild" antwortet er auf die Frage, ob das Nationalteam Ballack noch brauche: "Es steht mir nicht zu, dass ich bei dieser Frage Ja oder Nein sage."

Ballack will zur EM 2012

Doch Ballack hatte sich schon im Vorfeld der WM klar geäußert, dass er noch zwei Jahre auf internationalem Top-Niveau spielen wolle. Sein Ziel sei die Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine. Dafür habe er auch in Leverkusen unterschrieben, wo er nun in der kommenden Saison in der Europa League spielen wird. Er gehe zudem davon aus, auch zukünftig Kapitän der Nationalmannschaft zu sein. "Ich bin der Kapitän und habe großen Einfluss", hatte er in seiner Kolumne für die englische "Times" geschrieben.

Gründe für Abreise aus Südafrika unklar

Dass dieser Einfluss wirklich noch groß ist, wird jedoch immer mehr bezweifelt. Auch die Abreise Ballacks aus Südafrika soll nicht nur aus medizinischen Gründen angeraten worden sein. Im Team gilt Ballack längst nicht mehr als unumstritten, durch seine Abreise aus dem WM-Quartier der Deutschen wurde ein möglicher Brandherd vor dem Halbfinale gegen Spanien noch rechtzeitig gelöscht. Bundestrainer Joachim Löw, dessen eigene Zukunft ebenfalls noch offen ist, hat sich zum Thema Ballack bisher noch nicht eindeutig geäußert. Doch spätestens, wenn Deutschland tatsächlich den WM-Titel holen sollte, würde sich das Thema Ballack in der Nationalmannschaft wohl von selbst erledigt haben.

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