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Carles Puyol beendet alle deutschen Träume

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Carles Puyol beendet alle deutschen Träume

08.07.2010, 00:43 Uhr | t-online.de, t-online.de

. Puyol feiert den Siegtreffer. (Foto: Reuters)

Puyol feiert den Siegtreffer. (Foto: Reuters)

Aus Durban berichtet Patrick Brandenburg

Der deutsche WM-Wahnsinn ist zu Ende, der vierte Titel bleibt Illusion. Die Nationalmannschaft hat ihr Halbfinale in Durban gegen Spanien mit 0:1 (0:0) verloren und muss wie bereits 2006 mit dem undankbaren Spiel um Platz drei vorlieb nehmen. Das Tor für den Europameister, der am Sonntag gegen Holland erstmals im WM-Finale steht, erzielte Carles Puyol (73.). Für das Team von Bundestrainer Joachim Löw wurde die Partie zu einer fürchterlichen Kopie des verlorenen EM-Finals vor zwei Jahren, das mit dem selben Ergebnis verloren ging. "Wir hatten uns viel vorgenommen. Aber es ist uns nicht gelungen, das umzusetzen", bilanzierte Kapitän Philipp Lahm.

Bundestrainer Löw sprach danach von einem "vollkommen verdienten Sieg" der Spanier. "Sie haben uns heute an unsere Grenzen gebracht. Wir hatten einfach zu viele Ballverluste und haben unsere Aktionen nicht konsequent zu Ende gespielt." Löws Favorit auf den Titel steht jedenfalls fest: "Ich glaube, die Spanier werden es machen."

Vor 60.960 Fans im Moses-Mabhida-Stadion, in dem vor gut drei Wochen die große WM-Show der Deutschen mit einer 4:0-Gala gegen Australien begonnen hatte, startete die DFB-Elf mit sehr viel Respekt. Der Schwung der letzten beiden Partien war verflogen. Das lag auch daran, dass der Bundestrainer auf der rechten Mittelfeldseite den Gelb-gesperrten Thomas Müller ersetzen musste. Für ihn durfte der Hamburger Piotr Trochowski ran. Spaniens Coach Vicente del Bosque ließ den zuletzt enttäuschenden Fernando Torres auf der Bank und brachte Youngster Pedro.

Dieser Schachzug des Trainer-Routiniers hätte sich nach nur sechs Minuten fast ausgezahlt: Pedro bediente David Villa mit einem Traumpass, doch Spaniens Turnier-Versicherung scheiterte im Eins-gegen-Eins-Duell mit Torwart Manuel Neuer und verpasste so seinen sechsten Turniertreffer. Nur sieben Minuten später scheiterte Puyol mit einem etwas zu hoch angesetzten Flugkopfball.

Podolski hinten gebunden

Wie schon beim EM-Finale 2008 dominierten Xavi, Iniesta und Co. das Mittelfeld und zogen ihren berühmt-berüchtigten Kombinationsfußball auf. Die zuletzt so dynamische deutsche Offensive dagegen kam gar nicht erst zur Entfaltung. Abspielfehler, technische Ungenauigkeiten und zu wenig Geschwindigkeit machten die wenigen Ideen von Bastian Schweinsteiger und Mesut Özil zunichte. Es fehlte der Zug zum Tor. So war Lukas Podolski auf der linken Seite damit beschäftigt, seinem Hintermann Jerome Boateng gegen den ständig mit nach vorne stoßenden Außenverteidiger Sergio Ramos auszuhelfen.

Von Trochowski auf der anderen Seite war nicht viel zu sehen, trotzdem hatte der Mittelfeldspieler die einzig nennenswerte Chance für das DFB-Team im ersten Durchgang. Der 26-Jährige zwang Spaniens Keeper Iker Casillas mit einem Distanzschuss zu einer Glanzparade (31.). Nach dem Wechsel das gleiche Bild: Deutschland bemühte sich, ins Spiel zu finden, doch der Gegner blieb am Drücker. So scheiterten Xabi Alonso und auch Villa mit gleich drei sehenswerten Weitschüssen (48., 50., 54.). Spätestens in der 58. hätte das Tor dann fallen müssen, doch erst rettete Neuer stark gegen Pedro, dann rutschte Villa Millimeter an einer Flanke von Iniesta vorbei.

Kroos mit der besten Chance

Höchstens drei Ballkontakte gönnten die Spanier den Deutschen, dann war die Kugel meist schon wieder weg. Es war einzig eine Frage der Zeit, wann den Spaniern die Führung gelingen würde. In der 73. Minute war es dann soweit: Nach einer Ecke von Iniesta schraubte sich Puyol höher als Sami Khedira und wuchtete den Ball per Kopf zum 1:0 in die Maschen. Dabei hatte kurz zuvor der eingewechselte Toni Kroos die große Chance für Deutschland auf dem Fuß gehabt. Doch der beste Angriff der DFB-Elf im zweiten Durchgang landete in den Armen von Keeper Casillas (69.). Neun Minuten vor Schluss hätte Pedro alles klar machen können, doch der Stürmer verstolperte gegen Arne Friedrich einen traumhaft vorgetragenen Konter der Spanier.

Zwei Tage hat die deutsche Mannschaft nun Zeit, die Tränen zu trocknen. Am Samstag bietet sich der DFB-Elf in Port Elizabeth die Gelegenheit, ihr tolles Turnier im Spiel um Platz drei gegen die Überraschungsmannschaft aus Uruguay versöhnlich abzuschließen. Erst einmal dominiert jedoch die Enttäuschung: "Vielleicht hat uns der Mut gefehlt", sagte Torwart Neuer.

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