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Britta Heidemann im Interview: Ich will den EM-Titel

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Viva Colonia auf Chinesisch

22.03.2013, 10:21 Uhr | Das Interview führte Marc L. Merten, t-online.de

Das hübscheste Gesicht des deutschen Fechtsports: Britta Heidemann. (Foto: Ulrich Hartmann)Das hübscheste Gesicht des deutschen Fechtsports: Britta Heidemann. (Foto: Ulrich Hartmann)Sie hat das einzigartige Kunststück geschafft, in drei aufeinanderfolgenden Jahren Olympiasiegerin, Weltmeisterin und Europameisterin im Degenfechten zu werden. Sie ist die erfolgreichste Fechterin aller Zeiten, führt die Weltrangliste souverän an und will nun in Leipzig ihren EM-Titel verteidigen. Im Interview mit t-online.de erzählt die Kölnerin Britta Heidemann von ihrem Olympiasieg, ihrem Kampf gegen Vorurteile und von Piraten-Spielen.

Eine noch unfertige Drei-Zimmer-Wohnung im Kölner Westen, die Küche fehlt, das wichtigste Utensil, die Kaffeemaschine, steht in der Diele. Die 27-Jährige ist gerade erst eingezogen. Wir sitzen auf dem Balkon, eine Deutschland-Flagge hängt an der Brüstung, auch Britta Heidemann ist noch immer im "Schland"-Fieber.

Foto-Show: So schön ist unsere Fecht-Königin

Frau Heidemann, Sie waren bei der DFB-Elf in Südafrika. Wie war es?
Großartig. Ich habe vor Ort für die Bundesliga-Stiftung das Projekt "Kick it – Chose life" in einem Township betreut, in dem es um Gewaltprävention und HIV-Aufklärung geht. Und anschließend habe ich noch das 4:0 gegen Australien gesehen.

Spielen Sie selbst auch Fußball?
Ich habe es tatsächlich geschafft, 25 Jahre lang kein Fußball zu spielen. Doch dann war ich 2009 mit der Nationalmannschaft in Asien. Und da hat mich Hansi Flick aufs Feld geholt, um zusammen mit Poldi, Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Mario Gomez gegen eine chinesische Kindermannschaft zu spielen. Ich befürchte, ich war die beste Mitspielerin der Kindermannschaft.

Jetzt unterstützen Sie die Frauen-WM 2011 in Deutschland.
Ja, ich bin zusammen mit Angela Merkel WM-Botschafterin. Mit der Sozialkampagne "Kinderträume 2011" helfen wir Kindern und Jugendlichen in schwierigen Lebensumständen, um sie für neue Lebensziele zu motivieren. Und gerade Sport kann dafür ein erfolgreiches Mittel sein.

Sie selbst haben Ihre Motivation im Fechten gefunden. Was begeistert Sie so an diesem Sport?
Sicherlich die mentale Stärke, die man im Fechten braucht, weil wir eine extrem schnelle Sportart sind. Gerade das Degenfechten, bei dem jeder Treffer zählt – wer trifft, der trifft. Wenn ich eine Hundertstelsekunde nicht aufpasse, wenn ich nicht voll konzentriert bin, dann könnten sogar Sie mich einmal treffen.

Und ich würde dennoch verlieren.
Naja, um 15 Treffer zu kassieren, müsste ich schon sehr unkonzentriert sein. Aber Spaß beiseite, gerade in der Schlussphase eines Kampfes kann das schnell passieren. Man führt 14:11, braucht nur noch einen Punkt. Dann landet der Gegner plötzlich doch noch zwei Treffer und ist wieder dran. Ein psychologischer Vorteil kann sich in Sekunden wenden.

Gibt es Tricks, um den Gegner zu beeinflussen?
Die Körpersprache ist ganz wichtig, gerade vor dem Gefecht. Wie man die Bahn betritt, wie man sich anschnallt, wie man in Position geht. So kann im Fechten eben auch David gegen Goliath gewinnen. So wie ich früher als Favoritenschreck galt.

Und jetzt gehen Sie als Favoritin zur EM, und die Anderen wollen Sie erschrecken.
Ich bin Titelverteidigerin und Weltranglisten-Erste. Da möchte ich natürlich am liebsten eine Medaille gewinnen.

Britta Heidemann begleitete die Fußball-Nationalmannschaft nach Asien und Südafrika. (Foto: imago)Britta Heidemann begleitete die Fußball-Nationalmannschaft nach Asien und Südafrika. (Foto: imago)Nur eine Medaille oder den Titel?
Natürlich will ich den Titel verteidigen. Aber im Fechten ist es sehr schwierig, Siege und Titel ständig zu wiederholen, weil so schnell so viel passieren kann in einem Kampf. Dass ich WM, Olympia und EM in Folge gewinnen konnte, ist in der Geschichte des Degenfechtens noch nie vorgekommen. Aber eine Medaille möchte in Leipzig auf jeden Fall holen.

Sie haben früh viele Sportarten gemacht – Schwimmen, Leichtathletik, moderner Fünfkampf – und sich erst spät fürs Fechten entschieden. Haben Ihnen die vielen Sportarten geholfen, so erfolgreich zu werden?
Im Fechten ist gute Koordination elementar wichtig. Die habe ich sicher auch durch meine Erfahrungen in den anderen Sportarten mitgebracht. Und ich hatte bereits eine sehr gute athletische Basis. Als ich dann mit 13 bei Bayer Leverkusen mit dem Fechten angefangen habe, musste ich mich nicht mehr damit beschäftigen, dass ich eventuell Muskelkater bekommen könnte oder die Kraft nicht reichen würde. Ich konnte mich von Anfang an voll und ganz auf Technik, Strategie und Taktik konzentrieren. Und damit auch auf die Explosivität, auf die Schnellkraft. So konnte ich sehr schnell sehr gut werden.

Was hat sich für Sie durch Ihren Olympiasieg vor zwei Jahren verändert?
Natürlich gab es einen Hype nach meinem Sieg. Aber er kam für mich nicht so plötzlich wie für einige andere Olympiasieger, alleine schon wegen meines Weltmeistertitels 2007. Ich habe die steigende Aufmerksamkeit 2008 dann zwar auch deutlich gespürt, sie traf mich aber nicht wie ein Schlag. Auch, weil ich wegen meines engen Bezugs zu China schon weit vor Olympia viel mit den Medien in Kontakt gestanden hatte. Es war also eher ein schleichender Prozess.

Sie haben chinesische Regionalwissenschaften studiert, sprechen fließend Mandarin. Wie hat Olympia das Bild Chinas in Deutschland verändert?
Ich habe den Eindruck, dass das Interesse am Land und den Menschen Chinas gewachsen ist, dass viele Menschen das Land nun näher kennen lernen wollen. Und alle, mit denen ich dort war und gesprochen habe, haben gesagt: Wow, das Land ist ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe. Viele Leute haben wohl ein recht klares Bild, wie China wohl sein könnte – und sind dann überrascht, auf viele verschiedene Wirklichkeiten zu treffen.

Wie geht es mit der Kölnerin und China weiter?
Meine Heimat bleibt Köln. Aber ich werde sicherlich weiterhin mindestens vier Mal im Jahr in China sein. So wie im Herbst, wenn ich mit der Stadt Köln, den Höhnern (Kölner Musikband, Anm. d. Red.) und der Karnevalsgesellschaft Rote Funken nach China fliegen werde. Wir werden dort kölsches Liedgut auf Chinesisch präsentieren. Auch "Viva Colonia".

Spüren Sie seit Olympia ein wieder gestiegenes Interesse an Ihrer Sportart?
Ja und nein. Es gibt eine Kluft zwischen der Übertragung der Wettkämpfe in den Medien und dem Interesse der Menschen vor Ort. In den deutschen Medien überlagert Fußball so ziemlich jede andere Sportart. Aber trotzdem: Eigentlich überall, wo ich hinkomme, ist das Interesse an Fechten, an Strategie und Taktik, an der mentalen Herausforderung dieser Sportart groß. Es ist einfach ein faszinierender Sport, den gerade jeder Mann schon mal als kleiner Junge gemacht hat: beim Piraten spielen.

Deutschland ist im Fechten eine der erfolgreichsten Nationen. Dennoch gehen alle Fechter einem normalen Beruf nach, weil sie sonst finanziell nicht überleben könnten.
Das ist wohl das Los nahezu aller sommerolympischen Sportarten. Die meisten Sportler sind eben auf die Sporthilfe und auf das, was die Vereine als Unterstützung anbieten, angewiesen. Da die Vereine in der Regel aber nicht reich sind und die Sporthilfe viele Athleten zu unterstützen hat, können die meisten Athleten davon kaum leben und machen neben dem Sport eine Ausbildung oder ein Studium.

Ihr Ziel für die EM ist klar: die Titelverteidigung. (Foto: imago)Ihr Ziel für die EM ist klar: die Titelverteidigung. (Foto: imago)Leidet darunter die sportliche Leistung?
Nicht unbedingt, bei mir hat sich beides sogar positiv ergänzt. Es wird aber generell immer schwieriger, junge Nachwuchsathleten beim Sport zu halten. Vor allem auf Spitzenniveau. Deswegen finde ich es auch bewundernswert, wie erfolgreich sich Deutschlands Athleten noch immer bei Olympischen Spielen präsentieren, obwohl es dafür kaum einen finanziellen Anreiz gibt.

Was müsste sich ändern?
Dass die Strukturen sehr viel Geld verschlingen, ist in Deutschland wohl branchenübergreifend der Fall. Das Geld scheint nur teilweise dort anzukommen, wo es notwendig ist, nämlich bei den Athleten. Ich denke, dass sich dahingehend in den nächsten Jahren etwas ändern muss.

Als erfolgreichste Vertreterin Ihres Sports können Sie von ihrem Erfolg leben. Aber das Gros fällt hinten über.
Das Vorurteil, alle erfolgreichen Sportler seien reich, stimmt einfach nicht. Es gibt die Fußballer und andere klassische Profisportarten, dann die wenigen Ausnahmen, die es schaffen, an Werbeverträge zu kommen und sich durch den Sport finanzieren zu können. Die meisten Athleten aber gehen neben dem Sport ihren normalen Berufen nach und sind dankbar, überhaupt von der Sporthilfe unterstützt zu werden.

Inwieweit fördern die Vereine diesen dualen Weg Sport/Beruf?
Es gibt die Vereine, die Landesleistungsstützpunkte, den Olympiastützpunkt und die Sporthilfe – alle fördern die duale Karriere. Die Frage ist: An wen wende ich mich? Ich selbst hatte das Glück, dass mein Umfeld erkannt hat, dass es mir wichtig und vor allem leistungsdienlich war und ist, diesen dualen Weg zwischen Sport, Schule, Studium und Beruf zu gehen.

Um was kümmern Sie sich mehr? Um Ihren Sport oder um Ihre berufliche Karriere?
Das hält sich die Waage. Und genau das ist das Schöne. So bleibt die Freude für Beides erhalten. Wenn es mal im Beruf nicht gut läuft, habe ich immer noch den Sport. Und wenn es mal im Sport nicht so gut läuft, kann ich sagen: Hey, Du hast aber noch ein berufliches Leben, das sehr gut läuft. Es ergänzt sich.

Wie lange sehen wir Sie noch auf der Planche?
Bis Olympia 2012 mache ich auf jeden Fall weiter. Danach muss ich schauen, wie die berufliche Planung aussieht und wie viel Spaß mir mein Sport noch macht.

trax.de: Die besten Interviews mit den Sport-Stars

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