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Zwanzigers Schicksal liegt in Löws Händen

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Zwanzigers Schicksal liegt in Löws Händen

13.07.2010, 23:50 Uhr | t-online.de, t-online.de

Immer wieder wiederholte Joachim Löw in den letzten Wochen die Antwort auf eine ganz Fußball-Deutschland quälende Frage. Macht der 50-Jährige nach der WM 2010 in Südafrika als Bundestrainer weiter? Nach dem Turnier wolle er in sich gehen, sich mit Frau und engsten Mitarbeitern beraten und dann das Gespräch mit dem DFB suchen. Keiner kann sich so recht eine Zukunft der deutschen Nationalmannschaft ohne ihren so beliebten und erfolgreichen Trainer vorstellen. Die WM ist nun vorbei. Und alle warten gespannt auf Löws Entscheidung. In der Verbandsspitze um DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger dürfte sogar mächtig gezittert werden.

Denn Zwanziger sollte in dieser Personalfrage dringend einen Erfolg vorweisen können. Die geplatzte Vertragsverlängerung mit Löw und Manager Oliver Bierhoff im Vorfeld der WM war nur der Höhepunkt einer Pleiten-, Pech- und Pannen-Periode beim DFB, in der vor allem Zwanziger ein ganz schlechtes Bild abgab und die beinahe zur Demission des Präsidenten führte. Zwanziger will im Oktober unbedingt wiedergewählt werden. Sollte sich Löw gegen das Bundestraineramt entscheiden, wäre der Schuldige schnell ausgemacht: der DFB-Boss höchst persönlich. Es wäre ein neues Ausrufezeichen des Missmanagements, das zuletzt vor allem aus der Quelle persönlicher Eitelkeiten gespeist wurde und wäre für den obersten Wächter des größten deutschen Sportverbandes mit 6,5 Millionen Mitgliedern schlichtweg eine Bankrotterklärung.

Anbiedern auf der Pressekonferenz

Wie sehr Zwanziger unter Druck stehen muss, konnte man an zwei Szenen während der WM erkennen, die im Betrachter das flaue Gefühl des Fremdschämens aufsteigen ließen. Bereits nach dem Auftaktspiel gegen Australien rollte er Löw ungefragt den roten Teppich aus. "Ich möchte dem Bundestrainer ganz herzlich danken. Ich werde alles dafür tun, dass er weitermacht, unabhängig vom Ausgang der WM. Das ist mein Wunsch", war die Kernaussage einer überraschenden Lobhudelei nach nur einem Spiel. "Ich danke dem Präsidenten für seine Worte", war die karge Reaktion des Bundestrainers, die tief blicken ließ. Kein Kommentar zur Zukunft.

Unsägliche Umarmung nach dem kleinen Finale

Ähnliches ereignete sich bei der Siegerehrung nach dem kleinen Finale gegen Uruguay. Löw schüttelte die Hände von Funktionären und Politikern, dann kam Zwanziger an die Reihe. Auch beim 65-Jährigen wollte es der Coach beim Händedruck belassen, doch der zog ihn mit aller Kraft an sich und umarmte ihn. Ein tolles Bild für die Fotografen, sollte es doch die Verbundenheit der beiden dokumentieren. Zumal der DFB am nächsten Tag über die Hauspost "Bild"-Zeitung verbreiten ließ, dass mit Löw bereits alles klar sei. Wer allerdings den süß-saueren Gesichtsausdruck Löws bei der Umarmung mit seinem Präsidenten sah, wusste, dass noch längst nicht alles klar ist zwischen den beiden. 

Zuviel Porzellan hatte der Funktionär im Vorfeld der WM zerschlagen. Während Zwanziger seinerzeit Löw ein Zwei-Tages-Ultimatum stellte, um den Vertrag zu verlängern, spielte der DFB-Präsident öffentlich die beleidigte Leberwurst, als Bierhoff die Vorstellungen der Gegenseite vortrug. „Emotional ist einiges kaputtgegangen“, so Zwanziger. Zuvor lancierte er allerdings über sein bevorzugtes Mitteilungsblatt die Meldung, dass es längst einen Handschlagvertrag mit Löw gebe. Dieser bestritt dies stets. Einer von beiden lügt.

Überhaupt lässt Zwanziger seit geraumer Zeit kein Fettnäpfchen aus. In der Schiedsrichter-Affäre um Manfred Amerell vergaloppierte er sich erneut. Mit aller Macht wollte er gegen den ehemaligen Schiedsrichter-Obmann wegen angeblicher sexueller Übergriffe gegenüber FIFA-Referee Michael Kempter vorgehen. „Sein Mut muss honoriert werden. Vom DFB, aber auch von den Fans“, lobte der Funktionär Kempter und ging mit aller Macht gerichtlich gegen Amerell vor. Mittlerweile wurden die Strafermittlungen gegen Amerell eingestellt, und der Beschuldigte geht selbst gerichtlich gegen den DFB vor. Dieser stufte Kempter, den Zwanziger öffentlich als leuchtendes Beispiel für Zivilcourage verkauft hatte, während der Hochphase der WM still und leise wegen persönlicher Unreife in Liga drei zurück.

Alles begann 2008

Die Pleiten-, Pech- und Pannen-Serie begann bereits 2008 mit einem unsäglichen Rechtstreit gegen den freien Journalisten Jens Weinrich, der den DFB-Präsidenten als „Demagogen“ bezeichnet hatte und vom gelernten Juristen Zwanziger immer wieder (erfolglos) verklagt wurde. Dieser monatelange Rechtsstreit endete kürzlich mit einem Vergleich, weil der DFB einsehen musste, dass die juristischen Erfolgsaussichten gering waren. Einer, der Zwanziger immer davon abgeraten hatte, war Harald Stenger. Seit 2001 arbeitet der 59-Jährige als Medienchef beim DFB und ist bei Spielern und Journalisten hoch angesehen. Im Zuge der Demagogen-Affäre kühlte das Verhältnis zu Zwanziger ab. Im April sollte Stenger, dessen Vertrag noch bis Jahresende läuft, plötzlich sofort von der Bildfläche verschwinden. Respektvolle Personalpolitik mit verdienten Mitarbeitern sieht anders aus.

Doch gegen die plötzliche Entmachtung Stengers intervenierte Löw erfolgreich. Der Bundestrainer wollte mit seinem Team des Vertrauens nach Südafrika reisen. Der DFB wollte nicht schon wieder einen Affront mit Löw riskieren und stellte Stenger ausschließlich für die Nationalmannschaft ab. Gut möglich, dass der alte Sprecher der DFB-Elf auch der neue sein wird.

Wie entscheidet sich Löw?

Löw hat das Heft des Handelns in der Hand. Wenn er mit Bierhoff und Stenger weitermachen will, wird sich Zwanziger nicht dagegen sträuben können. Auch in punkto Gehaltsvorstellungen, die ihm vor der WM noch zu hoch erschienen, wird der DFB-Präsident wenig Verhandlungsspielraum haben, will er nicht seine eigene Position gefährden. Zwanzigers Schicksal liegt mittlerweile in Löws Händen.

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