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Oranje: "Kein Titel und beschädigtes Image"

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Oranje: "Kein Titel und beschädigtes Image"

13.07.2010, 23:50 Uhr | dpa, dpa

. Johan Cruyff lässt kein gutes Haar an der Elftal. (Foto: Reuters)

Johan Cruyff lässt kein gutes Haar an der Elftal. (Foto: Reuters)

Als die Elf der Niederlande im himmelblauen Jumbo-Jet der KLM beim Rückflug aus Südafrika heimatlichen Luftraum erreichte, stiegen Kampfjets auf. Sie seien eigens vom harten Einsatz gegen die Taliban in Afghanistan abgezogen worden, hieß es in einer Glosse der Zeitung "de Volkskrant": "Mit Typen wie De Jong und Van Bommel kann man nicht vorsichtig genug sein. Wenn das Bier nicht schnell genug kommt, nieten die vielleicht die Stewardess um..."

Andere machten ihrer Enttäuschung über den aggressiven Stil der Elftal, der im verlorenen WM-Endspiel gegen Spanien (0:1 n.V.) deutlich zutage trat, weniger satirisch Luft. "Hässlich, hart, grob und viel zu verteidigend", lautete eine Analyse des Spiels der Oranje-Elf. Es war nicht irgendeine, sondern die von Johan Cruyff. Die Kritik des holländischen Fußball-Idols passte freilich gar nicht zum allgemeinen Willkommensjubel für das Team - samt Empfang bei Königin Beatrix, Ritterschlag für Trainer und Kapitän, Bootsumzug und Fanmeilen-Party in Amsterdam.

Feiern wie die Weltmeister

Schon am Morgen strömten Fans in Massen aus allen Teilen des Landes ins Zentrum der Hauptstadt, um dem Oranje-Team zu huldigen - mehr als eine Million Menschen waren auf den Beinen. "Es gibt Länder", spottete der Kolumnist Bert Wagendorp, "die ihre Befreiung von der unmenschlichen Herrschaft grausamer Besatzer zurückhaltender gefeiert haben, als wir den zweiten Platz in einem Fußball-Turnier."

Die Auffassung von Amerikanern, wonach der Zweite eigentlich der Erste der Verlierer ist, wird in Holland nicht geteilt oder völlig verdrängt: "Totaler Orange-Wahnsin" sei nun angesagt, erklärte der sonst eher zu Nüchternheit neigende Ministerpräsident Jan Peter Balkenende. Alle offiziellen Feiern wurden nach anfänglichen Zweifeln so organisiert, wie das nur für den Fall vorgesehen war, dass die Niederlande erstmals in ihrer Geschichte Weltmeister werden.

Verheerendes internationales Presseecho

Dennoch mischten sich mahnende Stimmen in den nationalen Taumel. "Der niederländische Fußball hat bei der WM einen Image-Schaden verursacht", schrieb das "NRC Handelsblad" unter der Überschrift: "Brutales Spiel ist Anti-Reklame für Oranje". Auch andere seriöse Blätter verwiesen auf das verheerende internationale Echo zum Finalspiel der Van-Marwijk-Elf. Die Einschätzungen ausländischer Sportjournalisten bewegten sich im Spektrum von "hässlich" über "destruktiv" bis "gemeines Spiel". Wahrgenommen wurde in Holland auch die Kritik in deutschen Medien, darunter die "Süddeutsche Zeitung": Spanien habe "gegen die womöglich niederträchtigste niederländische Mannschaft der Geschichte" obsiegt.

"So etwas ist einigen Niederländern durchaus peinlich", sagte eine Frau vor dem Reichsmuseum, wo sich gerade Zehntausende Oranje-Fans in Siegerlaune versammelten. "Im Grunde gibt es nichts zu feiern, aber das Volk verlangt das wohl so." Das nüchterne Fazit im Kommentar der "Volkskrant" lautete so: Die Niederlande hätten "eine doppelte Niederlage erlitten: Kein Titel und ein beschädigtes Image."

"Höllenritt" für den Unparteiischen

Der englische Schiedsrichter Howard Webb hat derweil das WM-Finale mit einem Höllenritt verglichen. "Das waren die schwersten Momente meiner Laufbahn, die man am besten mit einem Höllenritt beschreiben kann, der zwei Stunden dauerte", sagte Webb der englischen Tageszeitung "Daily Mail".

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