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Skandal in Hockenheim: Stallorder von Ferrari

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GP von Deutschland - Rennen in Hockenheim  

Stallorder: Ferrari sorgt für handfesten Skandal

25.07.2010, 13:41 Uhr | t-online.de, t-online.de

Skandal in Hockenheim: Stallorder von Ferrari. Sieg nach Stallorder: Fernando Alonso (Foto: xpb.cc)

Sieg nach Stallorder: Fernando Alonso (Foto: xpb.cc) (Quelle: xpb)

Doppelsieg für Ferrari auf dem Hockenheimring - und doch hängen dunkle Wolken über dem italienischen Rennstall. Mit einer recht eindeutigen Stallorder sorgten die Roten beim Großen Preis von Deutschland für einen handfesten Skandal. Der in Führung liegende Felipe Massa wurde per Boxenfunk zurückgepfiffen, um Platz zu machen für seinen Teamkollegen. Fernando Alonso ließ sich nicht zweimal bitten und strich den Sieg und die damit verbundenen 25 Punkte für die Fahrerwertung ein.

Wenige Stunden nach dem Rennen bekam Ferrari dann dafür die Rechnung präsentiert. 100.000 Dollar muss das Team bezahlen. Zudem wird der Fall zur weiteren Untersuchung an das Motor Sports World Council übergeben. Am Rennergebnis von Hockenheim ändert sich allerdings nichts. Die Sportkommissare begründeten das harte Strafmaß mit dem Verstoß gegen das sportliche Reglement (§ 39.1). Zudem hätte des Team dem Ansehen des Sports geschadet (§ 151.C), hieß es weiter.



"Alonso fährt schneller als Du. Kannst Du diese Nachricht bestätigen?" Mit diesen Worten hatte der Kommandostand Massa klargemacht, was er zu tun hat. Massa diskutierte nicht lang, nahm den Fuß vom Gas und ließ den Spanier passieren. Sebastian Vettel sicherte sich den dritten Platz, Michael Schumacher schaffte mit seinem neunten Platz knapp den Sprung in die Punkteränge, Teamkollege Nico Rosberg wurde Achter.

Massa macht gute Miene zum bösen Spiel

Die Reaktion Massas im Parc Fermé sprach Bände: Nur ein kurzes Händeschütteln mit Alonso. Als der Spanier ihn umarmen wollte, drehte sich Massa weg und ging direkt zum Wiegen. Am Kommandostand von Ferrari gab man sich direkt nach dem Rennen unschuldig. "Nein, wir erwarten keine Strafe. Das war keine Teamorder", gaben die beiden Renningenieure von Massa und Alonso unisono zu Protokoll. Allerdings war der Rest der Teamführung schnell verschwunden und für Interviews nicht mehr zu haben.

Kurz angebunden zeigten sich die beiden Piloten dann auf der Pressekonferenz nach dem Rennen. Vor allem Massa war die Wut deutlich anzusehen. "Was soll ich dazu sagen? Als Team haben wir das Maximum herausgeholt", so der Brasilianer, der sich bemühte, gute Miene zum bösen Spiel zu machen.

Vettel verliert den Start gegen beide Ferrari

Der eigentliche Rennverlauf rückte durch das Vorgehen von Ferrari völlig in den Hintergrund. Für Vettel war das Rennen im Grunde schon beim Start verloren. Der Deutsche kam kaum von der Stelle, wurde sofort von beiden Ferrari-Piloten attackiert - und war chancenlos. Den Angriff Alonsos versuchte Vettel noch abzuwehren, machte dabei aber die Tür für den von Platz drei aus startenden Felipe Massa auf. Der Brasilianer nutze die Gelegenheit, schnappte sich in einem Aufwasch die beiden Streithähne und übernahm die Spitze.

Weiter hinten im Feld krachten die beiden Boliden der Scuderia Toro Rosso ineinander, wobei Sebastien Buemi den gesamten Heckflügel verlor. Adrian Sutil, der nach einem Getriebewechsel um fünf Plätze strafversetzt wurde, fing sich einige der Bruchstücke ein und musste sich an der Box einen neuen Frontflügel holen. Nur eine Runde später war Sutil erneut in der Box - seine Mechaniker hatten ihm einen falschen Reifen aufgezogen.

Schumacher im harten Duell mit Kubica

Michael Schumacher konnte den Start allerdings für seine Zwecke nutzen, kletterte um drei Ränge von elf auf acht. Die Positionen festigten sich, Massa und Alonso an der Spitze drehten einsam ihre Runden. Nach 13 Umläufen eröffnete Vettel dann den ersten Boxenstoppreigen, in den sich nur eine Runde später Alonso einreihte. Die Taktik war klar: Die weichen Pneus mussten runter, die härtere der beiden Mischungen drauf. Nach und nach kamen dann alle Piloten zum Service, große Veränderungen blieben aber aus.

Jenson Button konnte seinen Boxenstopp am längsten hinauszögern, führte das Rennen einige Runden lang vor Massa und Alonso an. Schumacher musste sich derweil mit Robert Kubica messen, der nach seinem Stopp direkt vor dem Deutschen auf die Strecke kam. Die beiden lieferten sich einen harten Kampf, den Schumacher letztlich nicht gewinnen konnte.

Alonso gegen Massa: "Das ist lächerlich"

Ein nicht minder packendes Duell lieferten sich die beiden Ferrari-Piloten. Alonso machte gehörig Druck auf seinen Teamkollegen, versuchte mit aller Macht an Massa vorbeizugehen. Und der Brasilianer wehrte sich, so gut er konnte. Alonso setzte immer wieder zum Überholen an, Massa konterte jedoch jede Attacke des Spaniers. Alonso gab schließlich entnervt auf und machte seinem Frust per Boxenfunk Luft: "Das ist lächerlich!" Dem Spanier schien die Lust zu vergehen, er verlor plötzlich bis zu eine Sekunde pro Runde auf den Teamkollegen.

Massa bekam seinerseits die Ansage: "Konzentrier Dich, Du hast drei Sekunden Vorsprung. Du kannst gewinnen." Und als ob auch Alonso diesen Funkspruch gehört hätte, drehte der Spanier aus dem Stand die bis dato schnellste Rennrunde. Und der Rückstand nahm sukzessive ab.

Ferrari-Chefs zum Rapport

Nach 50 gefahrenen Runden kam dann die Stallorder. Per Boxenfunk wurde Massa angewiesen, seinen Teamkollegen vorbeizulassen. "Alonso fährt schneller als Du. Hast Du das verstanden?", lautete die nicht sonderlich gut verschlüsselte Anordnung. Und der Brasilianer agierte, wie man ihm auftrug. Massa ging deutlich vom Gas und ließ Alonso überholen. Sein Renningenieur entschuldigte sich kurz darauf per Funk: "Gut gemacht, jetzt bleib da, wo Du bist. Sorry!"

Nach dem Rennen baten dann die Stewards Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali und Teammanager Luca Baldisseri zum Rapport. Das Team wurde mit einer Geldstrafe von 100.000 Dollar belegt. Doch aus Sicht der Verantwortlichen der Scuderia war klar: Alonso war wirklich schneller unterwegs als Massa, eine eindeutige Ansage wie einst, als Jean Todt Rubens Barrichello die legendären Worte "let Michael pass for the championship" ins Ohr säuselte, gab es nicht.

Vettel versucht, an Massa vorbeizukommen

Für Massa drohte es sogar noch schlimmer zu kommen. Vettel kam Runde um Runde näher, machte mächtig Druck auf den Ferrari-Piloten. Doch der Brasilianer ließ sich nicht allzu sehr aus der Ruhe bringen und brachte den zweiten Platz in trockene Tücher. Vettel musste sich mit Platz drei begnügen, Lewis Hamilton wurde Vierter vor Jenson Button und Mark Webber.

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