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1. FC Köln: Finanzsorgen als Chance der Jugend

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1. FC Köln: Finanzsorgen als Chance für die Jugend

02.08.2010, 08:00 Uhr | Eine Analyse von Marc Merten, t-online.de

1. FC Köln: Finanzsorgen als Chance der Jugend. Der 1. FC Köln will sich im Mittelfeld festsetzen. (Foto: imago)

Der 1. FC Köln will sich im Mittelfeld festsetzen. (Foto: imago)

Am 20. August startet die Bundesliga in ihre 48. Spielzeit. t-online.de hat alle 18 Klubs unter die Lupe genommen. Teil 6 der Teamcheck-Serie behandelt die Geißböcke aus Köln.

Im dritten Jahr nach dem Wiederaufstieg soll alles besser werden beim 1. FC Köln: Die Fans wollen endlich wieder Heimsiege sehen, Lukas Podolski hofft auf Tore und Manager Michael Maier will am Saisonende vor Borussia Mönchengladbach stehen – wenn nicht sogar Bayer Leverkusen angreifen. Trainer Zvonimir Soldo sieht das etwas anders: "Für mich ist wichtig, dass wir nicht absteigen." Man könnte auch sagen: Soldo ist Realist.

Einer der bisher wichtigsten Momente der Vorbereitung verlief bereits zufriedenstellend. "Der Spielplan ist günstiger als in der vergangenen Saison", sagte Soldo nach der Bekanntgabe erleichtert. Was allerdings nicht schwierig ist, denkt man an das "Trainer-Entlassungsprogramm" zurück, wie Meier den letztjährigen Spielplan genannt hatte. Jetzt startet Köln mit einem Heimspiel gegen Aufsteiger Kaiserslautern in die Saison – und will mit einer jungen Mannschaft die Fans endlich wieder begeistern.

1. Die Transfers: Wer kam, wer ging?

Die Kriegskasse der Geißböcke ist leer - ein Faktum, das vorschnell gerne Michael Meier in die Schuhe geschoben wird. Aber nach zehn Jahren Fahrstuhlbetrieb und mehreren finanziellen Kraftakten für die Rückkehr in Liga eins war einfach nichts anderes zu erwarten. Deswegen überrascht es nicht, dass man mit Zoran Tosic eine Schlüsselfigur der Rückrunde nicht halten konnte. So musste der FC kreativ sein und hat die Ankündigung, zukünftig auf jüngere Spieler zu setzen, konsequent umgesetzt. Mit Maniche und Pierre Wome wurden zwei alternde Top-Verdiener abgegeben und die Einsparungen in die Vertragsverlängerungen mit Milivoje Novakovic, Pedro Geromel und Kapitän Mohamad investiert.

Neuzugang Martin Lanig soll im Mittelfeld die Fäden ziehen. (Foto: imago)Neuzugang Martin Lanig soll im Mittelfeld die Fäden ziehen. (Foto: imago)Dazu wurde der Kader mit jungen, meist ablösefreien Spielern verstärkt. Soldo forderte offensivstarke Außenverteidiger und bekam nach langen Verhandlungen mit dem Brasilianer Andrézinho einen für die rechte Seite. Mit Martin Lanig (26, VfB Stuttgart) und Mato Jajalo (22, AC Siena) kamen zwei spiel- und kopfballstarke Spieler für die Halbpositionen im Mittelfeld. Dazu sollen Linksverteidiger Konstantinos Giannoulis (22, Iraklis Saloniki), der U-17-Europameister Christopher Buchtmann (18, FC Fulham) sowie Stürmer Alexandru Ionita (20, Rapid Bukarest) den etablierten Kräften Dampf machen.

Also genau das, was Manasseh Ishiaku und Marvin Matip nicht gemacht haben und deshalb gehen dürfen. Die bisherige Nummer zwei im Tor, Thomas Kessler, wurde an den FC St. Pauli ausgeliehen. Miro Varvodic ist nun erster Ersatz für Stammkeeper Faryd Mondragon, als Nummer drei rückt U17-Nationaltorhüter Timo Horn aus der eigenen Jugend nach.

2. Der Kader: Stärken und Schwächen

Eines fällt sofort auf: Der Kader ist ausgeglichener als in den Jahren zuvor. Mit Wome und Maniche wurden zwei charakterlich schwierige Spieler aussortiert, ihre Plätze haben junge Spieler - auch aus der eigenen Jugend - eingenommen. Die Folge: Der 1. FC Köln hat mit die jüngste Mannschaft der Bundesliga - rechnet man den 39-jährigen Mondragon heraus, kommt der Rest des Teams auf ein Durchschnittsalter von gerade einmal 23 Jahren und sechs Monaten.

Und der hat durchaus Potential: Mit Neuzugang Buchtmann und den Eigengewächsen Reinhold Yabo und Bienvenue Basala-Mazana stehen drei U17-Europameister im Profi-Kader, die alle realistische Chancen auf regelmäßige Einsätze haben, ebenso Linksverteidiger Stephan Salger. Dazu kommen mit Adam Matuschyk (21), dem in der Vorbereitung bisher überzeugenden Taner Yalcin (20) und Kevin Pezzoni (21) drei Spieler, die schon im letzten Jahr regelmäßig gespielt haben. Sie alle sollen geführt werden von Mondragon, Kapitän Mohamad, Podolski und Co. - der deutsche Nationalspieler soll nicht mehr alle Last auf seinen Schultern tragen und sich stattdessen auf das Toreschießen konzentrieren. Dafür hat ihm Soldo seine Lieblingspositionen - als einer von zwei Spitzen oder hinter den Stürmern - versprochen.

Alles ist darauf ausgerichtet, dass sich der junge Kader, ähnlich wie die Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika, durch Geschlossenheit stetig verbessert und den jugendlichen Elan in Spielfreude umsetzt. Die Hoffnung ist berechtigt, das Risiko aufgrund der geringen Erfahrung im Team aber ebenso groß. Letzte Saison konnte die fehlende Durchschlagskraft in der Offensive noch durch eine defensiv destruktive, aber effektive Spielweise ausgeglichen werden. Soldo will mit seinen Mannen nun aber endlich auch nach vorne spielen. Und der Schlüssel dazu, da sind sich alle einig, ist das Sturmpaar Podolski/Novakovic. Sie müssen ihre unbestrittene Qualität nun auch zeigen.

3. Der Trainer: Zvonimir Soldo

Trainer Zvonimir Soldo bleibt realistisch. (Foto: imago)Trainer Zvonimir Soldo bleibt realistisch. (Foto: imago)Zvonimir Soldo hat sichtlich Spaß an der Arbeit mit seinem Team. Manch einer deutete dies bereits als Wandel des ruhigen Trainers. Manager Meier widerspricht gegenüber t-online.de: "Zvonimir Soldo ist der gleiche Soldo wie letzte Saison. Aber er hat viele Erfahrungen gesammelt in seiner ersten Saison beim FC." Seine Art habe große Vorteile, gerade in Köln. "Der Trainer hatte ja im letzten Jahr manchmal gefühlte fünf Schicksalsspiele am Stück. Und trotzdem ist er ruhig geblieben, das hat sich auf den ganzen Verein positiv ausgewirkt." Er sei eben kein zweiter Christoph Daum, und das sei auch durchaus so gewünscht.

Soldo selbst ist und bleibt also der ruhige Analytiker und Defensiv-Taktiker, der weiterhin auf eine stabile Rückwärtsbewegung setzen will. Doch wer den Spieler Soldo in Erinnerung hat, weiß, dass das kluge Spiel nach vorne ebenso das ist, was der Trainer Soldo von seinem Team erwartet. Und das steht in der Vorbereitung im Mittelpunkt. "Wir wollen besser und häufiger nach vorne spielen", sagte Soldo im Gespräch mit t-online.de. Und darauf richtet Soldo seine Mannschaft aus.

4. Das Umfeld: Wie ist die Stimmung?

Soldos Arbeit wird bei den FC-Oberen um Meier und Präsident Wolfgang Overath äußerst positiv bewertet. Das Problem ist das Kölner Umfeld, dominiert von den Boulevard-Medien. Soldo ist als Trainer der Gegenentwurf zu Daum und der emotionalen Stadt und Öffentlichkeit. Startet der FC positiv in die Saison, wird dies kein Problem sein. Legt das Team jedoch einen Fehlstart hin, wird es wie schon letztes Jahr ungemütlich für Soldo. Sein Glück: Er wüsste, was auf ihn zukäme - und hat es bereits letzte Saison erfolgreich überstanden.

Die Fans selbst haben ihre Erwartungen überraschenderweise zurückgefahren. Vom internationalen Geschäft wird zwar immer geträumt, die Realisten sind aber eindeutig in der Überzahl. Es wird sie zudem freuen, dass sie in diesem Jahr keine Ticketpreis-Erhöhung hinnehmen mussten. Finanzchef Claus Horstmann sagte dazu: "Nach nur drei Heimsiegen geht das nicht. Irgendwo muss Preis und Leistung ja stimmen." Und das sollte es auch zukünftig wieder, denn trotz Realismus bleibt das Kölner Publikum schwierig und anspruchsvoller, als dem tatsächlichen Potential der Mannschaft entsprechen würde.

Wollen wieder mehr Heimsiege feiern: Kölns Fans. (Foto: imago)Wollen wieder mehr Heimsiege feiern: Kölns Fans. (Foto: imago)5. Die Vorbereitung: So liefen die Testspiele bisher

Die bisherigen Testspiele waren nur teilweise aussagekräftig. Nach drei Auftaktspielchen gegen unterklassige Gegner folgten ein 0:1 gegen Anderlecht, ein beachtenswertes 5:2 gegen ein allerdings desolates Fenerbahce sowie die beiden hitzigen Partien gegen Al Hilal (0:0) und RC Lens (1:2). Auffällig war vor allem: Im neuen 4-3-1-2-System steht der FC weiterhin defensiv massiv, im Vergleich zur letzten Saison sollen die Angriffe nach Ballgewinn aber weitaus schneller und zielstrebiger ablaufen. Es ist also zu erwarten, dass die Kölner auch in der kommenden Saison tief stehen werden, ihre Konter aber präziser vortragen wollen als noch in der vergangenen Saison. Dies könnte dann auch den schnellen Podolski und Novakovic zugute kommen.

Der erste Härtetest auf Bundesliga-Augenhöhe war jedoch ernüchternd: Im LIGA total! Cup auf Schalke verloren die Geißböcke zunächst gegen eine bessere Amateurmannschaft des FC Bayern mit 1:3 n.E., nachdem sie es nicht geschafft hatten, aus dem Spiel heraus die Überlegenheit in Tore umzusetzen. Gegen den HSV (0:3) waren sie dann gänzlich chancenlos.

6. Die Startelf: So will Soldo spielen lassen

Trainer Soldo will in der kommenden Saison konsequent auf das 4-3-1-2 setzen. Das System setzt defensiv auf eine Dreier-Reihe vor der Abwehr, die in der Offensive zusammen mit dem Mann hinter den Spitzen zu einer Raute wird. Neuzugang Andrézinho könnte Miso Brecko noch verdrängen - der Slowene dürfte aber zu Saisonbeginn noch die Nase vorn haben. Dennoch steht er nun unter Druck, weil ihm offensiv schlichtweg die Klasse fehlt. Und alternativ auf links sieht ihn Soldo nicht mehr: "Wir haben dort drei Kandidaten. Miso wird nur im Notfall links spielen."

Diese Spieler könnten gegen Kaiserslautern auflaufen

7. Unsere Prognose: Mehr als Platz zehn ist Träumerei

Mit diesem jungen Kader wäre es ein großer Erfolg, zu keiner Zeit etwas mit dem Abstieg zu tun zu haben. Und das ist möglich, wenn der FC seinen Heimkomplex ablegt und sich Podolski und Novakovic zusammenraufen. Im Kampf um die Plätze zehn bis zwölf wird es ganz eng zugehen, einen dieser Plätze können die Geißböcke aber erreichen. Von mehr zu träumen, ist zwar nicht verboten, hat aber nichts mit der Realität zu tun.

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