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Formel 1: Ferrari nach Stallorder in der Kritik

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GP von Deutschland - Kolumne  

Ferrari: Die Schein-(H)Eiligen

26.07.2010, 07:14 Uhr | Aus Hockenheim berichtet Elmar Brümm, t-online.de

Formel 1: Ferrari nach Stallorder in der Kritik. Ferrari hat mit der Stallorder beim Doppelsieg in Hockenheim viele Sympathien verspielt. (Foto: imago)

Ferrari hat mit der Stallorder beim Doppelsieg in Hockenheim viele Sympathien verspielt. (Foto: imago)

Die Formel 1 sieht Rot, mal wieder. Ferrari-Rot, nach dem Skandal-Sieg auf dem Hockenheimring. Oder muss man nicht eher schwarz sehen? Der Platztausch von Felipe Massa und Fernando Alonso in Hockenheim ist der Rückwärtsgang für die Scuderia –acht Jahre zurück, zur Mauschelei von Spielberg, als Rubens Barrichello damals Michael Schumacher vorbeilassen musste. Der Teamchef hieß Jean Todt, heute Präsident der Aufsichtsbehörde FIA...

Stallorder, das ist der Crashtest auf der Piste, wenn aus der Egodisziplin Formel 1 ein Mannschaftssport werden soll (oder umgekehrt). Die 49. Runde im Motodrom: Mit Ansage lässt der Führende Massa den in der WM besser gestellten Alonso vorbei, geht auf der Geraden anderthalb Sekunden vom Gas. Plumper geht's nimmer. Danach entschuldigt sich das Team beim gedemütigten Brasilianer, und lobt ihn für die Mithilfe bei der Verfälschung der Reihenfolge: "Guter Junge, gute Runde."

Ferrari beschädigt Ansehen des Motorsports

Offensichtlicher kann man das Publikum nicht vorführen. Es ist die ewige Frage im Motorsport: Gehen Teaminteressen vor Sportsgeist? Gehört ein Sieg den Fahrern oder ist es Verfügungsmasse der Rennställe? Geschadet wurde, außer Massa, niemand, die Ferrari-Piloten machten den Sieg unter sich aus. Sportwetter müssen auch nicht mit der Moral kommen. Aber es gibt nun mal Paragraph 39, der solche Verschiebebahnhöfe untersagt. Und die Regel 151 c aus dem Sportgesetz, in der es ums Ansehen des Motorsports geht. Das hat Ferrari mit dem Deja-vu sicher beschädigt, und das ist auch mit der spontanen Geldstrafe der Rennleitung von 100.000 Dollar (damals in Spielberg war es eine Million) nicht getan.

Michael Schumacher: "Das Gerede von Stallorder ist Mumpitz"

Die Meinungen in Hockenheim prallten vor und nach dem Urteilsspruch heftig aufeinander. Ferrari-Regisseur Stefano Domenicali gab sich komplett unschuldig, Sieger Alonso unwissend, Verlierer Massa brav.
Michael Schumacher assistierte: "Das Gerede von Stallorder ist Mumpitz. Wenn dem besseren Fahrer am Ende deshalb fünf Punkte zum Titel fehlen, dann wären sie bei Ferrari die Deppen. Ich habe die Diskussion damals um mich nicht verstanden, ich verstehe sie auch heute nicht."

Immerhin: Offensichtlicher als Ferrari kann man einen Platztausch nicht vornehmen, das zeigt, wie sehr sich die Scuderia im Recht fühlt. Die Konsequenz ist fast schon wieder ehrlich. Wenn sich Ferrari nach den letzten beiden Rennen nicht so heftig über angebliche Benachteiligungen durch die Sportkommissare beklagt hätte, und Alonso selbst der Sieger des Betrug-Grand-Prix von Singapur 2008 gewesen wäre. Die Schein-(H)Eiligen.

Lauda: "Ferrari muss brutal bestraft werden"

Die Fraktion der Empörten war massiver, mit Niki Lauda auf der Pole-Position: "Dieser Sieg hat einen riesigen Schönheitsfehler. So etwas ist inakzeptabel für die Formel 1. Ferrari hat sich alles zerstört. Es muss brutal bestraft werden." Red-Bull-Chef Christian Horner sprach von einer "Schande", aber nach den Vorkommnissen im eigenen Team ist auch er nicht gerade eine moralische Instanz. Mercedes und McLaren haben sich rausgehalten, dort ahnt das Management: Wir könnten irgendwann zur gleichen Maßnahme gezwungen werden. Den Chancenreicheren von zwei Piloten zu unterstützen, das ist – Teamorder hin oder her – im Motorsport alter Brauch. Alonso hat schon früh im Jahr massiv gefordert, sich auf ihn zu konzentrieren, er sei der Schnellere. Auch im Motodrom hat er den Funkspruch abgesetzt. Was für ein Glück, dass seit diesem Wochenende alle Welt mithören kann.

Aber klar ist, dass Felipe der neue Rubens wird; Alonso hat sich durch die 25 Punkte auf WM-Rang fünf geschoben, 34 Zähler hinter Spitzenreiter Hamilton. "Im Interesse des Sports", sagt Teamchef Stefano Domenicali, habe man keinen Protest gegen die Verurteilung eingelegt. Eine Frage der Ehre. Mit solchen Siegen gewinnen zwar einzelne Rennställe, aber die Königsklasse insgesamt verliert dabei. Erst an Glaubwürdigkeit, dann an Fans. Und zwar schneller, als Ferrari die Plätze zurücktauschen kann.

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