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FC St. Pauli: Nur der Klassenerhalt kann das Ziel sein

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FC St. Pauli: Offensiv und mutig Richtung Klassenerhalt

28.07.2010, 08:00 Uhr | Eine Analyse von Sebastian Schlichting, t-online.de

FC St. Pauli: Nur der Klassenerhalt kann das Ziel sein. Das Team des FC St. Pauli. (Foto: imago)

Das Team des Kultklubs vom Millerntor. (Foto: imago)

Am 20. August startet die Bundesliga in ihre 48. Spielzeit. t-online.de hat alle 18 Klubs unter die Lupe genommen. Teil 1 der Teamcheck-Serie beschäftigt sich mit Aufsteiger und Hamburger Kult-Klub FC St.Pauli.

Acht Jahre war der FC St. Pauli nur Zaungast, wenn die Großen gegeneinander gespielt haben. Jahre, in denen die Gegner in der Regionalliga mitunter Arminia Bielefeld II und Kickers Emden hießen. Jetzt ist der Klub wieder da. Er präsentiert sich immer noch etwas anders als die Konkurrenz, hat sich aber doch angenähert.

Aus der alten – ungeheuer stimmungsvollen – Bruchbude ist das neue Millerntor geworden. Der Verein muss abseits des Rasens den Spagat zwischen Kult und Kommerz schaffen. Auf dem Platz geht es für den "FC Deutschland" (nur ein Ausländer steht im Kader) darum, die 1. Liga im Jahr des 100. Geburtstags nicht zu einer kurzen Episode werden zu lassen.

Schon verletzt: Hoffnungsträger Gerald Asamoah. (Foto: imago)Schon verletzt: Hoffnungsträger Gerald Asamoah. (Foto: imago)1. Die Transfers: Wer kam, wer ging?

Geholt wurden für kleines Geld durchaus klangvolle Namen, die zum Teil in letzter Zeit woanders nicht mehr zum Zuge kamen. Gerald Asamoah wird von Trainer Holger Stanislawski als "Wunschspieler" bezeichnet. Trotz bis 2011 laufenden Vertrags durfte der 31-Jährige Schalke 04 ablösefrei verlassen. Der Ex-Nationalspieler ist gleich in den Mannschaftsrat gewählt worden und kommt auch bei den Fans bestens an - umso schwerer wiegt nun seine Verletzung. Für die Abwehr wurde Moritz Volz geholt, der lange in England gespielt hat. Zuletzt war der 27-Jährige allerdings ein Jahr ohne Verein.

Ansprüche auf die Nummer 1 im Tor meldet Thomas Kessler (24) an. Kessler, der bereits Bundesliga-Erfahrung gesammelt hat, wurde vom 1. FC Köln ausgeliehen. Aus der Rubrik "Talente" kommen Fin Bartels (23/Hansa Rostock) und Carlos Zambrano (21/Schalke). Der Peruaner ist übrigens – in der heutigen Zeit klingt das bei einem Profi-Klub fast unglaublich – der einzige Ausländer im Kader. Abgänge gibt es kaum. Seine Karriere beendet hat aus Verletzungsgründen Thomas Meggle. Spätestens seit dem 6. Februar 2002 ist der 35-Jährige am Millerntor eine Legende. Damals schoss er ein Tor beim 2:1 gegen den FC Bayern, als St. Pauli zum "Weltpokalsiegerbesieger" wurde.

2. Der Kader: Stärken und Schwächen

Die große Stärke der Hamburger ist seit eh und je Kampf- und Teamgeist. Die Aufstiegs-Mannschaft, die mit diesen Tugenden hochgekommen ist, wurde nur punktuell verstärkt. Durch die Zugänge ist der Konkurrenzkampf größer geworden. Trotzdem ist klar: Von der individuellen Klasse her liegt St. Pauli – auch nach der Verpflichtung von Asamoah – im Vergleich zur Konkurrenz in den unteren Regionen. Da wird es sehr auf die Heimstärke ankommen. Stanislawski will den großen Trumpf der vergangenen Saison, die erfolgreiche offensive Ausrichtung, erneut ausspielen (72 Tore waren mit Abstand der beste Wert in der 2. Liga). Ein hehres Ziel. Abzuwarten bleibt, ob dies in der Bundesliga so zu bewerkstelligen ist.

Trainer Stanislawski will mutig-offensiv spielen lassen. (Foto: imago)Trainer Stanislawski will mutig-offensiv spielen lassen. (Foto: imago)3. Der Trainer: Holger Stanislawski

1993 kam er von Concordia Hamburg, bis zum Karriereende 2004 spielte er für keinen anderen Verein. Stanislawski (41) war kein großer Fußballer, aber ein unerbittlicher, kompromissloser Verteidiger. Da hat es manchen überrascht, dass dieser Fußball-Arbeiter seine Truppe einen so gepflegten, offensiven Ball spielen lässt. Mit seinen Co-Trainern Meggle und André Trulsen hat er lange zusammen gespielt. Über seine Beziehung zu Trulsen sagte Stanislawski, der die Mannschaft seit 2006 trainiert, vor kurzem im Magazin "11Freunde": "Wenn Truller Brüste hätte, hätte ich ihn geheiratet." Was dieser mit dem Satz "Zum Glück habe ich keine" konterte. Ein Dialog, der einiges über das gute Verhältnis der beiden aussagt. Stanislawski ist immer für einen Spruch zu haben, ein Schwätzer ist er nicht. Auch das macht ihn so beliebt bei den Fans.

4. Das Umfeld: Wie ist die Stimmung?

Die ausführlichen Aufstiegsfeierlichkeiten sind vorbei, jetzt ist die Vorfreude bei den Fans riesig. Bei den alteingesessenen Anhängern, die schon seit den 80ern dabei sind, ebenso wie bei den Ultras und auch bei denjenigen, die vor allem da sind, weil es "in" ist, ans Millerntor zu gehen. Der FC St. Pauli hat sich gewandelt, und dadurch ist die Fanszene breiter geworden. Das neue Stadion ist ein Schmuckstück mit Logen. Widerstände dagegen gab es viele. Es kam sogar von Fanseite der Vorschlag, die alten, ranzigen Toilettenanlagen zu erhalten. Dieser wurde abgelehnt, aber er zeigt, dass St. Pauli wie kaum ein anderer Klub zwischen Tradition und Moderne wandelt. Das Moderne gefällt nicht allen, ist aber mit ein Grund dafür, dass der Verein nun wieder oben spielt und wirtschaftlich auf sicheren Füßen steht. Durchgeboxt hat diese Entwicklung der im Mai zurückgetretene Präsident Corny Littmann. Eines ist aber sicher: Die Fans werden mit dafür sorgen, dass St. Pauli manch großen Klub ärgert.

Kult trotz Modernisierung: Das Stadion am Millerntor. (Foto: imago)Kult trotz Modernisierung: Das Stadion am Millerntor. (Foto: imago)5. Die Vorbereitung: So liefen die Testspiele bisher

St. Pauli tat zunächst etwas fürs Selbstvertrauen. Gegen unterklassige Gegner wie Eintracht Lüneburg, SV Westerrade und VfB Kirchhellen gab es teils zweistellige Siege. Im bisher aussagekräftigsten Spiel schaffte der Aufsteiger ein 1:1 gegen Bayer Leverkusen. Wenig amüsiert nahm Trainer Stanislawski dagegen das 0:2 bei einem Blitzturnier gegen Oberligist Eintracht Northeim zur Kenntnis. Spannend wird es im letzten Testspiel gegen Arminia Hannover am 7. August: Da will Stanislawski nur 18 Mann nominieren – wer nicht dabei ist, darf sich auf schwere Zeiten einstellen.

6. Die Startelf: So könnte Stanislawski spielen lassen

Gerald Asamoah will unbedingt zum Saisonstart noch fit werden. Schafft er das, dürfte er in die Startelf rutschen. Auch Zambrano und Volz sowie Torhüter Kessler stehen auf dem Sprung in die erste Elf, haben aber durch die Aufstiegshelden harte Konkurrenten. Die anderen Plätze sind an die Platzhirsche der Aufstiegssaison vergeben.

So könnte die Startelf am 1. Spieltag beim SC Freiburg aussehen.

7. Unsere Prognose: Für den Klassenerhalt muss alles passen

Klassenerhalt – nur darum geht es für St. Pauli. Das kann klappen, wenn alles passt und der offensive Stil belohnt wird. Die Zugänge müssen einschlagen, das Verletzungspech, das jetzt schon bei Asamoah zugeschlagen hat, muss über die Saison gesehen einen großen Bogen um das Millerntor machen, und die Mannschaft muss mit Kampf und Einsatz auch gegen stärkere Gegner punkten – vor allem im eigenen Stadion mit den Fans im Rücken.

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