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Gladbach: Kleine Schritte Richtung Mittelfeld

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Gladbach: Kleine Schritte in Richtung Mittelfeld

03.08.2010, 08:00 Uhr | Eine Analyse von Björn Wannhoff, t-online.de

Gladbach: Kleine Schritte Richtung Mittelfeld.

Der neue Fohlenstall. (Foto: imago)

Am 20. August startet die Bundesliga in ihre 48. Spielzeit. t-online.de hat alle 18 Klubs unter die Lupe genommen. Teil 7 der Teamcheck-Serie beschäftigt sich mit den Fohlen vom Niederrhein.

Als Sportdirektor Max Eberl vor einem Jahr die Vereinsphilosophie vorstellte und dabei von "langfristigen Zielen", "Leitplanken des Erfolgs" und "Kontinuität" sprach, runzelten viele bei Borussia Mönchengladbach die Stirn. Kaum ein Begriff wurde in den letzten Jahren so überstrapaziert wie "Kontinuität", während das exakte Gegenteil praktiziert wurde: Die Trainer und Manager kamen und gingen, mehr als 100 neue Spieler wurden innerhalb weniger Jahre geholt und brachten dem Verein den Spitznamen "Kaufhaus des Westens" ein. Doch nun scheinen den Worten über nachhaltige Taten zu folgen: Mit fast identischem Personal wie im Vorjahr streben die Fohlen einen Platz in Mittelfeld der Bundesliga an.

Erstmals seit 2002 startet Mönchengladbach zweimal in Folge mit demselben Trainer in eine Bundesliga-Saison, und auch das Team auf dem Platz wird zum größten Teil dasselbe sein. Weil aber die Mannschaft immer mehr zusammenwächst, schweben den Verantwortlichen mehr Erfolgerlebnisse vor: "Wir sagen ganz bewusst nicht, dass wir nur den Klassenerhalt wollen. Wir wollen in die mittlere Tabellenregion", formulierte Eberl die Zielsetzung für 2010/11. Dabei soll dem Team der Spagat zwischen kurzfristigem Erfolg und langfristigem Weiterkommen gelingen: "In der neuen Saison wollen wir uns weiterentwickeln. Fußballerisch und als Mannschaft."

Hoffnungsträger in der Offensive: Igor de Camargo (Foto: imago)Hoffnungsträger in der Offensive: Igor de Camargo (Foto: imago)1. Die Transfers: Wer kam, wer ging?

Nicht nur auf der Trainerbank, sondern auch auf dem Platz ist Kontinuität angesagt. Mussten in früheren Jahren Leistungsträger wie Alexander Baumjohann, Marcell Jansen und Marko Marin abgegeben werden, wurden nun alle Basisspieler gehalten – Abwehchef Dante ebenso wie "Rakete" Marco Reus. Der Verein erarbeitet zwar solide Gewinne, aber auf Transfer-Kracher wartet man vergebens.

Mit dem Brasilianer Igor de Camargo wurde immerhin ein international erfahrener Akteur für die oftmals kränkelnde Offensive geholt. Der Vier-Millionen-Einkauf aus Lüttich soll als hängende Spitze für mehr Effektivität sorgen. Der Coach plant mit dem 27-Jährigen als eine der "Korsettstangen in der neuen Saison". Die ist auch dringend notwendig. Mit Oliver Neuville, Rob Friend und Roberto Colautti verließen drei Stürmer den Verein, die zusammen gerade mal so viele Tore erzielten wie Abwehrspieler Roel Browers, nämlich acht. Mohamadou Idrissou (30) kam ablösefrei vom SC Freiburg. Idrissou ist ein torgefährlicher, variabler und in der Defensivbewegung fleißiger Stürmer, gilt aber als schwieriger Charakter. Frontzeck kennt den Kameruner aus gemeinsamen Tagen in Hannover und traut sich zu, ihn zu bändigen.

Bamba Andersson war bei Fortuna Düsseldorf einer der überragenden Akteure der vergangenen Zweitliga-Saison und nimmt im Kader den Platz von Thomas Kleine ein, der zu Greuther Fürth wechselte. Der 22-jährige Anderson ist talentiert, hat aber zunächst einen schweren Stand in der Innenverteidigung, da Dante und Brouwers gesetzt sein dürften. Mit Jens Wissing (22) vom Preußen Münster verpflichteten die Fohlen außerdem einen Perspektiv-Spieler, der allerdings noch ein wenig Zeit brauchen wird, um sich an das Tempo in Deutschlands höchster Spielklasse zu gewöhnen.

2. Der Kader: Stärken und Schwächen

Die Stammelf wurde zusammengehalten und um ein bis zwei Spieler ergänzt – nominell ist der Kader ein wenig stärker als in der letzten Saison. Das Abwehrzentrum um Dante und Brouwers liegt über den Bundesliga-Durchschnitt, und auch Spieler wie Marx, Arango und Bailly sorgen dafür, dass Mönchengladbach entspannt in die Saison blicken kann. 

Andererseits zeigte sich in der Vergangenheit, dass die Offensiv-Kräfte zwar durchaus gefällig zusammenspielen, dabei aber kaum wirkliche Torgefahr heraufbeschwören können. Bestes Beispiel ist der Argentinier Raul Bobadilla, der mit seiner Wucht und Technik die gegnerischen Abwehreihen beschäftigt, aber chronisch abschlussschwach ist. Falls bei Bobadilla der Knoten nicht platzt, bleibt noch die Hoffnung auf die Neuen: Idrissou traf für Freiburg in der Vorsaison neun Mal und hat seine Bundesliga-Tauglichkeit mehrfach unter Beweis gestellt. Igor de Camargo ist dagegen eine "Wundertüte": Erfolgreich in Belgien, aber noch keine Erfahrungen in einer europäischen Top-Liga. Eine Qualitätssteigerung des Offensivspiels hängt unter anderem davon ab, ob es de Camargo gelingt, sich schnell in der Liga zurecht zu finden.

Sein zweites Jahr in Mönchengladbach: Michael Frontzeck. (Foto: imago)Sein zweites Jahr in Mönchengladbach: Michael Frontzeck. (Foto: imago)3. Der Trainer: Michael Frontzeck

Vor einem Jahr überwog bei vielen noch klar die Skepsis gegenüber Frontzeck. Zwar brachte der gebürtige Mönchengladbacher und langjährige Fohlen-Spieler Stallgeruch mit, und bei seinen bisherigen Stationen in Aachen und Bielefeld erreichte Frontzeck mit äußerst bescheidenen Mitteln zumindest passable Erfolge. Aber zur Euphorie taugten der Abstieg mit Aachen und die Entlassung des Coaches bei Bielefeld am vorletzten Spieltag der Abstiegssaison nicht gerade.

Ein Jahr später hat Frontzeck aber fast alle überzeugt. Die Fans schätzen seine sachliche Art, selbst Fachmagazine leisten "Abbitte an einen unterschätzten Trainer" und die Vereinsführung hat den Vertrag des Coaches vorzeitig verlängert. Der 46-Jährige besitzt eine klare Vorstellung vom dem Fußball, den die Borussia spielen soll. Gleichzeitig schafft er es, immer wieder junge Spieler an die Bundesliga heranzuführen. Nach Patrick Herrmann sind Tony Jantschke, Roman Neustädter und Fabian Bäcker die nächsten Talente, die Frontzeck aus dem Fohlenstall in die Mannschaft befördern könnte.

4. Das Umfeld: Wie ist die Stimmung?

Der Mythos der glorreichen 70er Jahre war in den vergangenen Spielzeiten oft ein Hindernis, da im Umfeld überzogene Erwartungen und Ungeduld vorherrschten. Seit dem Abstieg 2007 scheint aber mehr Besonnenheit bei den Borussen eingekehrt zu sein. Mit einem Platz im Mittelfeld der Tabelle könnten die meisten Fans sehr gut leben. Vor allem, wenn dabei so ansehnlicher Fußball wie in der letzten Saison gezeigt wird – zumindest im eigenen Stadion. Auch falls es mal nicht so läuft, dürften sich die Fans mit "Frontzeck raus"-Rufen oder ähnlichem also erst mal zurück halten.

In der letzten Saison wurde eine Serie von fünf Niederlagen in Folge mit bemerkenswerter Ruhe zur Kenntnis genommen – das Umfeld vertraut dem Team um Michael Frontzeck und Max Eberl. Bei anfänglichen Erfolgen ist bei den Borussen natürlich immer die Gefahr gegeben, dass die Euphorie unrealistische Erwartungen weckt. Frontzeck scheint mit seiner trockenen Art aber genau der Richtige zu sein, um aufkommenden Übermut im Keim zu ersticken.

5. Die Vorbereitung: So liefen die Testspiele bisher

Die Niederlagen gegen den niederländischen Drittligisten EVV Echt und West Ham United machen deutlich, dass vor dem Trainerteam noch eine Menge Arbeit liegt - was in der Vorbereitung nicht weiter verwunderlich ist. Das 1:0 gegen Liverpool wiederum markierte einen deutlichen Fortschritt, auch wenn man den sportlichen Wert des Ergebnisses nicht zu hoch hängen sollte: "In drei Monaten sähe so ein Spiel sicher anders aus. Es war ein Freundschaftsspiel, das wir unter dem Strich verdient gewonnen haben. Nicht mehr und nicht weniger", sagte Coach Frontzeck hinterher.

Bitter ist allerdings, dass sich die vermeintliche Startelf der neuen Saison nicht einspielen konnte. De Camargo und Bobadilla zogen sich Verletzungen zu, Michael Bradley stieß WM-bedingt erst spät zur Mannschaft. Vor allem bei de Camargo wird es nun eng mit einem Platz in der Mannschaft im ersten Spiel gegen Nürnberg.

Abwehrstabilisator und Kopfball-Dominator: Dante. (Foto: imago)Abwehrstabilisator und Kopfball-Dominator: Dante. (Foto: imago)6. Die Startelf: So will Frontzeck spielen lassen

Wie viele Trainer in der Bundesliga vertraut Frontzeck auf ein 4-2-3-1, wobei de Camargo, falls er fit wird, irgendwo zwischen offensivem Mittelfeld und hängender Spitze agieren soll. Eine Doppel-6 macht die Räume vor der Abwehr dicht, und über außen sollen Juan Arango und Marco Reus die Angriffe einleiten. Allerdings drängen Karim Matmour, Mo Idrissou und Roman Neustädter in die Startelf, so dass auch die eine oder andere Überraschung denkbar ist.

So könnte Frontzeck zu Saisonbeginn spielen lassen

7. Unsere Prognose: Ein stabiler Mittelfeld-Platz

Einen kleinen Schritt weiter – so sieht sich die Borussia in der Saison 2010/11. Das wird sich auch in der Tabelle niederschlagen: Mönchengladbach wird das Jahr zwischen Platz neun und elf abschließen. Zwar beinhaltet der neue Vertrag von Trainer Frontzeck auch eine Meisterschaftsprämie, diese Klausel dürfte aber erstmal nicht zum Einsatz kommen: Die Mannschaft ist gefestigt und wird mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Für mehr reicht es aber nicht, denn die Borussia präsentiert sich auswärts weiterhin zu ängstlich und uninspiriert.

Werden aus den Fohlen also graue Mäuse im Niemandsland der Tabelle? Die Anhänger können sich damit trösten, dass die Mannschaft über weite Strecken ordentlichen Fußball spielen wird, mit dem einen oder anderen Highlight durch Ausnahmespieler wie Juan Arango. Interessant wird außerdem sein, ob Jungstar Marco Reus in seiner zweiten Bundesliga-Saison seinen rasanten Aufstieg fortsetzen kann.

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