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FSV Mainz 05: "Mit uns ist zu rechnen"

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FSV Mainz 05: "Mit uns ist zu rechnen"

06.08.2010, 08:00 Uhr | Eine Analyse von Christian Lüttecke, t-online.de

FSV Mainz 05: "Mit uns ist zu rechnen". Das neue Mainzer Team. (Foto: imago)

Das neue Mainzer Team. (Foto: imago)

Am 20. August startet die Bundesliga in ihre 48. Spielzeit. t-online.de hat alle 18 Klubs unter die Lupe genommen. Teil 10 der Teamcheck-Serie beschäftigt sich mit dem FSV Mainz 05.

Im zweiten Jahr nach dem Wiederaufstieg präsentiert sich der selbsternannte Karnevalsverein ambitioniert. Mit gezielten Verstärkungen und einer klaren Linie wollen die Rheinhessen das erfolgreiche Abschneiden der Vorsaison wiederholen, wenn nicht sogar noch verbessern. "Mit uns ist als Mannschaft zu rechnen", schickt Trainer Thomas Tuchel eine Kampfansage an die Gegner. Tuchel hatte genügend Zeit, Abgänge zu kompensieren und Neuverpflichtungen in sein Spielkonzept zu integrieren. Dennoch muss auch in dieser Saison der Klassenerhalt das oberste Ziel sein. Alles Weitere ist eine schöne Zugabe.

Denn die kontinuierliche Weiterentwicklung und die Etablierung des Vereins in der höchsten deutschen Spielklasse ist die Philosophie der Macher von Mainz 05 um Manager Christian Heidel, Präsident Harald Strutz und Tuchel. Denn mit dem Stadion-Neubau (Fertigstellung April 2011) hat der Verein ein weiteres Ziel: als  Erstligist in der Coface-Arena Bundesliga-Fußball zu spielen. "Wir machen unsere Saisonziele nicht an einem Tabellenplatz fest", relativiert der Trainer. Platz neun aus der Vorsaison soll keine Hypothek darstellen. "Es ist durchaus möglich, dass sich die Mannschaft sehr gut weiterentwickelt, wir aber vielleicht eine schlechtere Platzierung einnehmen."

1. Die Transfers: Wer kam, wer ging?

Fünf Abgängen stehen sieben Neuzugänge am Mainzer Bruchweg gegenüber. Die Abgänge der Leistungsträger Tim Hoogland  (Schalke 04), Malik Fathi (zurück zu Spartak Moskau) und Chadli Amri (1. FC Kaiserslautern) konnten kompensiert werden, in allen Bereichen wurde die Kaderdichte erhöht. So wurde mit dem Österreicher Christian Fuchs ein starker Linksverteidiger ausgeliehen, der seine Rolle durchaus offensiv interpretiert. "Er ist torgefährlich und dynamisch, passt mit seinen 24 Jahren ins Team und spricht Deutsch", charakterisiert Tuchel den Neuzugang. Auch Heidel ist voll des Lobes: "Er hat sich schon kolossal auf dieser Position entwickelt, aber er ist noch nicht bei 100 Prozent - eine optimale Geschichte für uns." Allerdings hat der Österreicher im Spiel nach hinten noch seine Schwächen, die es bis zum Saisonstart auszubessern gilt. 

Die neue Flügelzange: Holtby (li.) und Schürrle. (Foto: imago)Die neue Flügelzange: Holtby (li.) und Schürrle. (Foto: imago)Auch im Mittelfeld hat Manager Heidel kräftig nachgebessert. Mit Lewis Holtby (von Schalke ausgeliehen) und Marco Caligiuri von Greuther Fürth wurden zwei junge Spieler geholt, die Entwicklungspotential aufweisen und eine große Rolle in der kommenden Saison spielen können. Holtby, bei Felix Magath nicht erste Wahl und in der vergangenen Saison an Bochum ausgeliehen, ist auf der rechten offensiven Außenbahn gesetzt, soll dort mit Shootingstar André Schürrle die Flügelzange bilden. Von Holtby erwarten sich die Verantwortlichen einiges. Caligiuri ist an der ersten Elf dran, kämpft um die zweite Sechser-Position neben dem gesetzten Routinier Miroslav Karhan. Doch der Ex-Fürther muss zulegen, will er in die Startformation drängen. "Caligiuri muss noch dazulernen", so Tuchel.

In der Offensive verstärken Haruna Babangida, der tunesische Nationalspieler Sami Allagui sowie Dragan Georgiev das Team - der Konkurrenzdruck ist hier wohl am höchsten. Da Aristide Bancé als Stoßstürmer gesetzt ist, kämpfen die drei mit Adam Szalai und dem von den A-Junioren hochgezogenen Petar Sliskovic um den Platz der hängenden Spitze. Dabei hat Allagui wohl die besten Karten. "Seine Verpflichtung ist eine perfekte Ergänzung unseres Kaders. Durch ihn gewinnen wir an Qualität und Flexibilität. Er kann bei uns offensiv alle Positionen ausfüllen, die es gibt, und er unterscheidet sich in seiner Art und Weise von allen anderen Stürmern, die wir haben", sagte Tuchel. Allagui, sehr ballsicher und technisch versiert, hat in den vergangenen drei Jahren in 79 Zweitliga-Spielen 30 Tore erzielt und 18 vorbereitet.  Im letzten Testspiel gegen Wormatia Worms erzielte er sogar alle drei Mainzer Treffer. Babangida wird es schwer haben, am Tunesier vorbeizukommen, wegen eines Innenbandanrisses im Knie fällt der Nigerianer vorerst aus. Und der 19-Jährige Georgiev ist noch nicht so weit, um den Mainzern auf Anhieb weiterhelfen zu können.

Offen ist noch die Stelle des (dritten) Torwarts. Nach der Verletzung des Stammkeepers Heinz Müller vertraut der Trainerstab zwar auf die etatmäßige Nummer zwei, Christian Wetklo. Sollte Müller aber länger ausfallen, müssen sich die Verantwortlichen etwas überlegen.

2. Der Kader: Stärken und Schwächen

Thomas Tuchel lobt die Kaderzusammenstellung. "Die Charaktere ergänzen sich charakterlich und sportlich", sagt der 36-Jährige. "Ich bin momentan sehr zufrieden." Die Mischung aus Stammkräften, neuen Spielern und dem Nachwuchs stimmt, die Qualität ist laut Manager Heidel größer als in der vergangenen Saison: "Die Youngsters sind ganz nah dran", so Heidel, "es wird harte Entscheidungen geben. Keiner kann sich ausruhen." Das haben bereits einige Spieler am eigenen Leib erfahren müssen. So sortierte Tuchel Filip Trojan aus – er zeigte nicht genug Einsatz und Biss. Und auch Jahmir Hyka und Felix Borja werden nicht mehr gebraucht, dürfen sich einen neuen Verein suchen. Da der Kader punktuell verstärkt wurde, gibt es eine hohe Leistungsdichte, speziell in der Abwehr und im Mittelfeld. Auf der Torhüterposition und im Sturm könnte es dagegen zu Problemen kommen.

Im Tor ist Heinz Müller die unbestrittene Nummer eins. Wenn der Hüne nach seiner Kreuzbandverletzung wieder fit ist, ist er eine absolute Bank. Solange hütet Christian Wetklo den Mainzer Kasten, ein dritter Mann wird noch gesucht.

Die Abwehr ist wohl das Prunkstück des Mainzer Kaders. Mit WM-Teilnehmer Radoslav Zabavnik und Allrounder Florian Heller auf der rechten Außenverteidigerposition, den Innenverteidigern Nikolce Noveski, Nico Bungert und Bo Svensson sowie Neuzugang Fuchs und Zsolt Löw auf links sind die Mainzer auf allen Positionen doppelt besetzt. Gerade in der Innenverteidigung ist der Kampf um den Platz neben dem gesetzten Noveski besonders hart. Zudem sitzen die jungen Spieler wie Jan Kirchhoff (19) und Stefan Bell (18), der heftig von Inter Mailand umworben worden war, den Routiniers im Nacken.

Im defensiven Mittelfeld ist Karhan die Konstante. Eugen Polanski, Elkin Soto und Caligiuri kämpfen um den Platz neben dem 34-Jährigen. Polanski meldet nach einer durchwachsenen ersten Saison am Bruchweg eine Führungsrolle an, hat aber im Spiel nach vorne noch Luft nach oben. Elkin Soto hat diesbezüglich Vorteile. Knapp dahinter ist der ruhige Marco Caligiuri einzustufen, ein kompromissloser Zweikämpfer mit beachtlich enger Ballführung.

Im offensiven Mittelfeld ist Jan Simak erste Wahl. Der Regisseur hat sich bislang in der  Vorbereitung sehr gut präsentiert und genießt das Vertrauen des Trainers. Auch Andreas Ivanschitz kann diese Position spielen, Tuchel erwartet aber noch etwas mehr Einsatz von dem Österreicher, der auch links eingesetzt werden kann. Dort ist allerdings kaum ein Vorbeikommen an Tuchels Musterschüler André Schürrle, neben dem wohl Lewis Holtby auf rechts gesetzt scheint. Doch auch Eigengewächs Eugen Gopko könnte diese Rolle spielen. Haruna Babangida komplettiert das Feld in der Offensive.

Im Sturm ist Aristide Bancé der Dreh- und Angelpunkt. Einzig Allagui in Topform  könnte den Burkiner verdrängen, eine andere Alternative gibt es nicht. Doch Bancé ist verletzungsanfällig, immer wieder plagen den Mann mit dem brachialen Schuss Knieprobleme. A-Junior Petar Sliskovic und Adam Szalai sind Optionen.

Zusammenfassend sagt Tuchel: "Wir haben keine Karteileichen. Hier hat jeder seine Chance auf Einsatzzeiten. Und jeder will diese Chance nutzen". Sein Team sieht er jedenfalls noch längst nicht am Ende seiner individuellen und mannschaftlichen Entwicklung.

Der alte junge Trainer: Thomas Tuchel. (Foto: imago)Der alte junge Trainer: Thomas Tuchel. (Foto: imago)3. Der Trainer: Thomas Tuchel

Als kurz vor dem Beginn der letzten Saison die Mainzer Aufstiegstrainer Jörn Andersen entließen und A-Jugend-Meistercoach Tuchel zum Cheftrainer beförderten, rieben sich die Fachleute die Augen. Doch der Erfolg gab den Mainzern Recht. Als einer der jüngsten Trainer der Bundesligageschichte führte der Novize die Mainzer zu ihrem bislang besten Abschneiden in der ersten Liga. "Ich lebe meinen Traum", hatte Tuchel nach seinem Amtsantritt im August 2009 gesagt.

Anfangs wurde Tuchel in Mainz gerne mit Kult-Trainer Jürgen Klopp verglichen. Ähnlich im Aussehen, ähnlich emotional an der Seitenlinie und immer mit ganzem Herzen bei der Sache. "Thomas Tuchel verkörpert in seiner Fußballphilosophie, in seiner Fähigkeit zur Teamarbeit und in seiner Persönlichkeit jene Tugenden, die Mainz 05 immer stark gemacht haben", sagte Heidel damals. Doch die 05er suchten keinen Klopp-Klon, und Tuchel schaffte es ziemlich schnell, seinen eigenen Stil nach Außen zu kommunizieren.

Tuchel, der früher bei den Stuttgarter Kickers und dem SSV Ulm selbst Fußball spielte und durch eine Verletzung jäh gebremst wurde, studierte BWL und absolvierte die Ausbildung zum Fußballlehrer. Er trainierte Jugendteams beim VfB Stuttgart und gründete eine eigene Fußballschule. Er wurde Nachwuchscoach und -koordinator beim FC Augsburg und schließlich U23-Trainer der Schwaben, bevor er in den Nachwuchsbereich der Mainzer wechselte.

Nach eigenen Aussagen beschäftigt sich der Fußball-Lehrer 90 Prozent am Tag mit Fußball. Wie kann er die Spieler besser machen, welche Trainingsinhalte stehen auf der Agenda und wie kann man dem nächsten Gegner das Leben so schwer wie möglich machen – darum drehen sich seine Gedanken. Und er agiert mit aller Konsequenz: Wer im Training nicht mitzieht, hat es nicht leicht. Auch wenn er dabei unpopuläre Maßnahmen treffen muss. Der Erfolg gibt ihm Recht, Tuchel hat in seiner Premierensaison überzeugt und ist mittlerweile in den Herzen der Mainzer Fans angekommen.

4. Das Umfeld: Wie ist die Stimmung?

Rund um den Bruchweg ist die Vorfreude auf die kommende Saison spürbar. 5000 Anhänger bejubelten ihr Team zur Saisoneröffnung. Beim VIP-Empfang auf der Baustelle der neuen Arena vor rund 1000 geladenen Gästen versprühten Fans und Präsidium jede Menge Zuversicht, Präsident Strutz lobte die Transferpolitik und die Arbeit des Trainerteams: "Wir freuen uns auf die nächste Saison, in der wir uns wieder so positiv und erfolgreich präsentieren wollen wie in der vergangenen." Im Alltag herrscht konzentrierte Ruhe, das Vertrauen in die eigene Stärke ist vorhanden, es wird in Ruhe und ohne Aktionismus gearbeitet. Nach dem guten Abschneiden in der abgelaufenen Spielzeit ist die Erwartung natürlich groß, das Ergebnis zu wiederholen, doch sollte es diesmal nicht so rund laufen, wird das Umfeld nicht nervös werden.

In Mainz wissen die Verantwortlichen, was sie aneinander haben, Vertrauen wurde über viele Jahre hinweg aufgebaut und wird nicht so schnell in Frage gestellt werden. Man weiß, wo man herkommt, und man weiß, wo man hin will. Von diesem Weg bringen Mainz auch zu erwartende Rückschläge nicht ab.

5. Die Vorbereitung: So liefen die Testspiele bisher

Bislang gewannen die Rheinhessen alle ihre acht Testspiele und erzielten dabei 37:1 Tore. Neben den üblichen Spielen gegen Amateurvereine aus der Region feierten die Mainzer in ihrem zweiten Trainingslager im österreichischen Flachau überzeugende Siege. Gegen den Zweitligisten Alemannia Aachen gab es ein 4:0, wobei Holtby zwei Treffer gegen seinen ehemaligen Klub beisteuerte, und gegen den griechischen Meister Panathinaikos Athen setzte sich das Team mit 2:0 durch. Der letzte Test gegen Wormatia Worms wurde mit 3:0 gewonnen, es hätten aber durchaus noch mehr Tore für die Mainzer fallen können.

"Sportlich und charakterlich passt es in dieser Mannschaft. Sie zeigt einen außergewöhnlichen Willen zur Leistungsbereitschaft und Weiterentwicklung", ist der Trainer durchaus zufrieden. Die Testspiele ohne Gegentore bestätigen die gute Trainingsarbeit und zeigen, dass die Mannschaft die taktischen Vorgaben gut umsetzt. Sichere Defensive und flaches, direktes Spiel in die Offensive mit wenigen Ballkontakten soll in der kommenden Saison zum Erfolg führen. Anstehende Tests gegen den spanischen Erstligisten FC Malaga und einen noch unbekannten Gegner sollen die Trainingsvorgaben vertiefen.

Der neue Freistoßkönig: Christian Fuchs. (Foto: imago)Der neue Freistoßkönig: Christian Fuchs. (Foto: imago)6. Die Startelf: So will Tuchel spielen lassen

Mainz agiert vorzugsweise im 4-2-3-1-System, mit dem das Team bereits in der vergangenen Runde sehr erfolgreich war. Da die 05er kaum Abgänge zu verkraften haben, wird es auch keine großen Veränderungen in der Startelf geben. Neuzugang Fuchs wird auf der linken Abwehrseite Malik Fathi ersetzen, Holtby auf der rechten offensiven Außenbahn den abgewanderten Tim Hoogland. Doch letztendlich entscheiden die Trainingseindrücke, und so könnte die ein oder andere Personalie in der Startformation überraschen.

So könnte Mainz im ersten Saisonspiel auflaufen.

7. Unsere Prognose: Gesichertes Mittelfeld

Mainz ist gut aufgestellt, der FSV steht vor einer sorgenfreien Saison. Ziel sollte es sein, die Platzierung der vergangenen Saison mindestens zu wiederholen. Auch, wenn für Trainer Tuchel nicht der Tabellenstand, sondern die Weiterentwicklung der Mannschaft im Vordergrund steht. Gelingt es den Mainzern, die drei schweren Spiele zu Saisonbeginn (VfB, Wolfsburg, FCK) zu gewinnen und gut in die Runde zu kommen, ist mit der Euphorie rund um den Bruchweg vieles möglich. Mit der Heimstärke aus der letzten Spielzeit und verbessertem Auftreten auf des Gegners Platz findet sich Mainz am Ende zwischen Rang acht und elf wieder.

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