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Positive A-Probe bei Dimitrij Ovtcharov

23.09.2010, 13:24 Uhr | dpa, dpa

Positive A-Probe bei Dimitrij Ovtcharov. Dimitrij Ovtcharov steht nach einer positiven A-Probe unter Dopingverdacht. (Foto: imago)

Dimitrij Ovtcharov steht nach einer positiven A-Probe unter Dopingverdacht. (Foto: imago)

Der Alptraum Doping hat auch das deutsche Tischtennis erreicht. Wenige Tage nach dem Triumphzug von Rekord-Europameister Timo Boll bei der EM in Ostrau wirft ein positiver Test bei seinem Teamkollegen Dimitrij Ovtcharov einen großen Schatten auf die Sportart. Der vierfache Team-Europameister Ovtcharov wurde vom Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) mit sofortiger Wirkung suspendiert. Bei dem 22-jährigen Nationalspieler war bei einer Kontrolle am 23. August die verbotene Substanz Clenbuterol in der A-Probe nachgewiesen worden.

Der Weltranglisten-13. bestreitet vehement den Vorwurf, ein Doping-Sünder zu sein. "Ich bin schockiert und beschwöre öffentlich, dass ich noch nie in meinem Leben eine verbotene Substanz zu mir genommen habe", ließ er über seinen Anwalt mitteilen. Seine Team-Kollegen halten zu dem gebürtigen Ukrainer, der seit seinem dritten Lebensjahr mit seinen Eltern in Deutschland lebt. "Ich kann das gar nicht glauben. Ich hoffe für Dima, dass sich seine Unschuld herausstellt", erklärte der Weltranglisten-Zweite Boll.

Öffnung der B-Probe beantragt

Ovtcharov will seine Unschuld beweisen hat die Öffnung der B-Probe beantragt. Die Untersuchung wird im Labor von Professor Wilhelm Schänzer am Institut für Biochemie der Deutschen Sporthochschule Köln vorgenommen, teilte der DTTB mit. Ovtcharov-Anwalt Michael Lehnerrechnet rechnet mit einem positiven Ausgang des Verfahrens. "Wir arbeiten dran mit dem klaren Ziel des Freispruches, nicht mit einer Milderung der Strafe", sagte Lehner.

Wohl kein Verlust der Goldmedaille

Bestätigt sich die positive Doping-Probe, wurde bereits über eine mögliche Aberkennung der EM-Goldmedaille der DTTB-Auswahl gemutmaßt. "Ich kann mir das zwar nicht vorstellen, aber es gibt viel Raum für Spekulationen", sagte Bundestrainer Jörg Roßkopf.

DTTB-Präsident Thomas Weikert gab aber Entwarnung. "Es handelt sich hier um eine Trainingskontrolle vor Beginn des EM-Turniers und nicht um eine Kontrolle während des Wettkampfes. Deswegen ist eine Aberkennung des Titels nicht möglich", sagte er. Der Jurist berief sich auf die Statuten der Europäischen Tischtennis-Union (ETTU), des Weltverbandes (ITTF) und der WADA. "ITTF-Präsident Adham Sharara hat unsere Rechtsauffassung bereits per E-Mail bestätigt", so Weikert.

Boll und Ovtcharov sind miteinander befreundet, Ovtcharov übernachtet vor größeren Turnieren öfters im Haus des Top-Stars. Der Fall ist in Deutschland einmalig, auch beim Weltverband ITTF sind keine Doping-Fälle im vergleichbaren Ausmaß bekannt.

Verband bleibt zurückhaltend

"Ich bin total überrascht und geschockt. Wir waren bisher davon ausgegangen, dass Tischtennis keine Probleme mit Doping hat. Die Situation überfordert uns alle", erklärte Roßkopf. Der DTTB wollte den Vorfall mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht kommentieren. Der Verband wartet darauf, dass Ovtcharov, der derzeit für den russischen Verein Orenburg spielt, über den DTTB bei der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) die Öffnung der B-Probe beantragt.

Lösung liegt möglicherweise in China

"Ich hatte noch nie in meinem Leben Zugang zu irgendwelchen Dopingmitteln. Mir war nicht einmal geläufig, dass es eine Substanz Clenbuterol gibt", beteuerte Ovtcharov. Der Profi hatte vom 16. bis 22. August an den China Open teilgenommen. "Es liegt für mich deshalb nahe, dass ich im normalen Nahrungsmittelkreislauf, also etwa bei den täglichen Fleischmahlzeiten in China, Opfer einer für mich nicht erkennbaren Nahrungsmittelkontamination geworden bin", argumentierte der Sportler.

Verletzung verhindert Final-Teilnahme

Ihm war bei einer Kontrolle am 23. August in seinem Wohnort Tündern bei Hameln die verbotene Substanz nachgewiesen worden. Die A-Probe wurde am Institut für Biochemie der Deutschen Sporthochschule Köln erstellt, der DTTB wurde vom positiven Befund am Freitag informiert. Die Mitspieler und Trainer wurden laut Roßkopf aber erst nach dem Ende der EM in Kenntnis gesetzt. Ovtcharov hatte am Freitag bereits die Rückreise von der EM in Ostrau angetreten. Er hatte zuvor Gold mit dem DTTB-Team gewonnen, konnte aber wegen einer im Halbfinale gegen Frankreich erlittenen Sehnenverletzung am Knöchel weder im Endspiel gegen Weißrussland (3:0) noch im Einzel und Doppel aufschlagen.

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