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Sebastian Vettel und das Super-Plus von Suzuka

11.10.2010, 07:24 Uhr | Von Elmar Brümmer, t-online.de

Sebastian Vettel und das Super-Plus von Suzuka. Sebastian Vettel ist auf dem Siegerpodest in Japan noch voller Adrenalin. (Foto: imago)

Sebastian Vettel ist auf dem Siegerpodest in Japan noch voller Adrenalin. (Foto: imago)

Freihändig fahren ist erlaubt in der Formel 1 - aber nur nach einem solchen Tag, wie ihn Sebastian Vettel beim Großen Preis von Suzuka erlebt hat: Achte Pole-Position, dritter Saisonsieg, und das alles in nicht mal sieben Stunden. Im Schlussspurt der Weltmeisterschaft zeigt Deutschlands bester Rennfahrer, das mit ihm zu rechnen ist: Punktgleich mit Fernando Alonso auf Platz zwei der WM-Wertung, 14 Punkte hinter seinem Red-Bull-Kollegen Mark Webber.

Ein Dreikampf bei noch drei ausstehenden Rennen. Alle Chancen wieder intakt. "Die waren nie weg", behauptet Vettel. 

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"Hatte Webber im Griff"

Plötzlich spielt auch Randy Mandy, sein so oft schon zickender Red-Bull-Rennwagen wieder mit. Auf der Asphalt-Acht von Suzuka war der am Sonntag nicht zu schlagen, auch nicht vom Inteam-Feind Webber. "Ich hatte ihn im Griff", sagt Vettel gelassen, "immer wenn er näher kam, habe ich einfach mehr Gas gegeben. Das war ein gelungener Sonntag." Der Australier versucht alles, um nicht zu nervös zu werden. Er weiß, dass er mit einem Sieg wahrscheinlich sein Meisterstück machen kann. Aber mindestens so groß ist das Risiko, mit einem Ausfall plötzlich alles zu verlieren. Es wird eine Nerven-WM, ganz nach dem Geschmack des Heppenheimers. "Am Ende heißt es ja Selbst-Vertrauen", sagt Vettel über sein Erfolgsrezept, "das macht man sich selbst. Mit all dem, was da in den letzten Wochen hineininterpretiert wurde, konnte ich wohl am besten umgehen." Bange machen gilt nicht. Er scheint, wie auf der Rennstrecke, alles unter Kontrolle zu haben. "Ich bin sehr, sehr glücklich mit diesem Tag", bilanziert Vettel. Dann korrigiert er die Aussage, seiner Stimmungslage besser entsprechend, nach oben: "Eigentlich war es ein unglaublicher Tag."

Auf den Spuren von Häkkinen und Schumacher

Das Adrenalin könnte Vettels persönliches Super-Plus in diesem Drei-Kampf sein. Auf seinen Aberglauben aber möchte der 23-Jährige, der Mitte November gern jüngster Weltmeister der Geschichte sein möchte, nicht verzichten. Zum ersten Mal hat er auf einer Grand-Prix-Strecke zweimal hintereinander gewonnen, das ist in Japan zuvor nur Mika Häkkinen und Michael Schumacher gelungen, die beide prompt Weltmeister wurden. Das Grinsen von Vettel wird immer breiter, als er der Statistik lauscht. Die Rechenschieber-WM will er grundsätzlich lieber den anderen überlassen: "Ich konzentriere mich lieber aufs Fahren." Die einfachste aller Rechnungen kann er natürlich trotzdem aufmachen: "Wenn ich drei Mal gewinnen würde, wäre alles in Ordnung", sagt er schelmisch, und ein bisschen ernster fügt er an: "Der Trend zeigt jedenfalls nach oben. Besser als jetzt hat es in diesem Jahr noch nicht ausgesehen."

"Man darf sich nie geborgen fühlen"

Vor allem der Speed des RB 6 hat ihm in Suzuka Mut gemacht. "Es war jetzt auch mal an der Zeit", sagt er, nachdem die beiden vorangegangenen WM-Läufe für ihn eher von der Taktik bestimmt worden waren. Fahrer und Fahrzeug haben im entscheidenden Moment die Zuverlässigkeit zurück gewonnen. An der generellen Leistungsfähigkeit, meistens auch an der Überlegenheit hat es ja nicht gefehlt. "Trotzdem darf man sich nie geborgen fühlen", warnt Sebastian Vettel, "wir machen jetzt einfach Schritt für Schritt so weiter." Der nächste Schritt ist allerdings einer ins Ungewisse – die Strecke von Yeongam in Südkorea, gerade erst geteert, kennt noch keiner. Mit dem frischen Mut, den man von dem "alten" Vettel gewohnt war, begibt er sich in die Hafenstand: "Mal sehen, was da geht..."

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