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Doping: Tischtennis-Bund stellt Verfahren gegen Ovtcharov ein

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Tischtennis-Bund stellt Verfahren gegen Ovtcharov ein

15.10.2010, 15:56 Uhr | dpa, dpa

Doping: Tischtennis-Bund stellt Verfahren gegen Ovtcharov ein. Dimitrij Ovtcharov darf wieder im Wettkampf antreten. (Foto: dpa)

Dimitrij Ovtcharov darf wieder im Wettkampf antreten. (Foto: dpa)

Mit dem Doping-Freispruch für Dimitrij Ovtcharov hat der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) einen Präzedenzfall im deutschen Sport geschaffen. Trotz positiver A- und B-Probe auf das verbotene Muskelaufbaumittel Clenbuterol stellte das DTTB-Präsidium das Verfahren ein und hob mit sofortiger Wirkung die Suspendierung des Nationalspielers auf. "Es ist ein Freispruch erster Klasse, weil durch die Experten feststeht, dass die Aufnahme von Clenbuterol unverschuldet erfolgte", sagte DTTB-Präsident Thomas Weikert.

"Ich bin überglücklich. Nun kann ich wieder meinem Lebensinhalt, meiner großen Leidenschaft Tischtennis, ohne wenn und aber nachkommen", teilte Ovtcharov mit. Nach Angaben der Nationalen Anti-Doping Agentur (NADA) ist es das erste Mal, dass ein deutscher Spitzensportler trotz eines positiven Clenbuterol-Tests vom Doping-Vorwurf freigesprochen worden ist. Ovtcharov hatte den positiven Befund stets mit dem Konsum von kontaminiertem Fleisch in China begründet.

Schänzer schließt Doping quasi aus

Der Kölner Experte Wilhelm Schänzer hatte laut DTTB eine umfassende Bewertung der Analyseergebnisse vorgelegt. Darin heißt es: "Aufgrund der Tatsache, dass der Einsatz von Clenbuterol in der Tiermast bekannt ist, ist eine Aufnahme von Clenbuterol über verunreinigte Lebensmittel die wahrscheinlichste Befunderklärung. Eine dopingrelevante Anwendung von Clenbuterol ist höchst unwahrscheinlich." Schänzers Institut in Köln hatte die A- und B-Probe von Ovtcharov untersucht.

"Wir nehmen den Beschluss des DTTB-Präsidiums zur Kenntnis. Die Begründung werden wir genauestens und schnellstmöglich prüfen und parallel die WADA informieren", sagte NADA-Sprecher Berthold Mertes.

Ovtcharov weint vor Glück

Für Ovtcharov sind nach eigenen Angaben die "vier schwersten Wochen" seines Lebens zu Ende gegangen. "Als ich ihm heute morgen unsere Entscheidung mitgeteilt habe, war er zu Tränen gerührt", sagte DTTB-Ehrenpräsident Hans Wilhelm Gäb. Er hätte eine Verurteilung von Ovtcharov angesichts der Indizienlage als großes Unrecht empfunden. "Zum Kampf gegen Doping gehören im Einzelfall auch die Ermittlung von Fakten und die Verantwortung gegenüber dem Schicksal von Sportlern", betonte Gäb.

Ovtcharov hatte stets seine Unschuld beteuert und mit Hilfe seines Anwalts Michael Lehner argumentiert, dass er bei den China Open kontaminiertes Fleisch gegessen habe. Einen Tag nach der Rückkehr war der Weltranglisten-Zwölfte am 23. August in seinem Wohnort Hameln kontrolliert worden. Eine negative Haarprobe bei Ovtcharov sowie Nachproben bei vier anderen Turnier-Teilnehmern, bei denen mit normalerweise nicht angewendeten Messmethoden geringe Spuren von Clenbuterol gefunden wurden, untermauerten die Argumentation.

Einsprung noch möglich

Die NADA, die den Fall in enger Abstimmung mit dem DTTB und der Ovtcharov-Seite begleitet hat, kann ebenso wie die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und der Tischtennis-Weltverband (ITTF) noch Einspruch erheben. "Ich fürchte eine Reaktion der WADA nicht", sagte Weikert.

Rekord-Europameister Timo Boll und Bundestrainer Jörg Roßkopf reagierten erleichtert. "Ich freue mich für meine gesamte Sportart. Ich habe immer an die Unschuld von Dimi geglaubt", sagte Boll. "Der Alptraum ist vorbei. Ich hoffe, dass Dimitrij auch sportlich jetzt schnell wieder in die Spur findet", sagte Roßkopf. Er will Ovtcharov beim World Cup Ende Oktober in Magdeburg erstmals wieder einsetzen. Auch wenn das Verfahren den vierfachen Team-Europameister psychisch stark belastet hat.

Fall Contador nicht vergleichbar

Zuletzt waren Spuren des Kälbermastmittels Clenbuterol auch im Urin von Tour-de-France-Sieger Alberto Contador nachgewiesen worden. Der Radprofi führt ebenfalls eine Lebensmittelverunreinigung als Ursache an. Die Fälle lassen sich nach Ansicht des Kreischaer Experten Detlef Thieme aber nicht vergleichen. Die negative Haar-Analyse bei Ovtcharov sowie die Tatsache, dass bei Personen aus dessen Umgebung ebenfalls Clenbuterol-Spuren nachgewiesen worden seien, unterschieden den Fall von dem des Spaniers, sagte Thieme.

Ähnlich argumentiert Doping-Jäger Werner Franke, der Ovtcharov zu der Haaranalyse geraten hatte. Auch er sieht in dem Freispruch keinen Präzedenzfall für künftige Doping-Verfahren. Bei Tischtennisspielern spreche im Gegensatz zu anderen mit Clenbuterol erwischten Sportlern die Logik gegen eine Manipulation. "Die häufigste Nebenwirkung von Clenbuterol-Doping ist unkontrolliertes Gliederzittern", sagte der Molekularbiologe. "Wenn ein Tischtennisspieler Clenbuterol zum Doping nehmen würde, müsste das schon ein Selbstmörder sein."

Franke kritisiert Verband

Er erhob aber schwere Vorwürfe gegen den DTTB, der die Schuld an dem Fall trage: "Man kann in China nicht die Leute ohne Aufsicht irgendwo in ein Restaurant gehen lassen." Jeder wisse doch, dass dort die Qualität der Lebensmittel "grottenschlecht" sei. Der DTTB will seine Athleten aber weiterhin nach China schicken, Boll und Co. sollen sich mit den besten Spielern der Welt messen.

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