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Chaos vor Premiere in Südkorea

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Südkorea-Premiere - Peinlichkeiten "am Arsch der Welt"

20.10.2010, 11:52 Uhr | sid, sid

Chaos vor Premiere in Südkorea. Die Rennstrecke in Südkorea ist noch immer eine Großbaustelle. (Foto: dpa)

Die Rennstrecke in Südkorea ist noch immer eine Großbaustelle. (Foto: dpa)

Die Fahrer wohnen in Stundenhotels, das Gelände ist eine einzige Großbaustelle, der Asphalt könnte das Rennen zum Glücksspiel machen: Die Königsklasse des Motorsports erlebt bei der WM-Premiere in Südkorea ein Festival der Peinlichkeiten. Oder, wie es das Schweizer Boulevard-Blatt "Blick" mit derbem Vokabular auf den Punkt brachte: "Die Formel 1 ist am Arsch der Welt angekommen."

Einen Tag vor dem ersten freien Training bäumen sich über sämtlichen Tribünen riesige Kräne auf, das Militär schraubt und hämmert an den Zuschauerrängen, ein paar Meter weiter steht eine halbe Brücke. Alles wirkt improvisiert, ja unwürdig. Auch das gesamte Umfeld.

Zwischen Schmuddelvideos und zwielichtigem Publikum

Allein die Situation bei den Unterkünften ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten. Manche Teams logieren in Stundenhotels in der 60.000-Einwohner-Stadt Mokpo. Zwischen schmuddeligen Videokassetten auf dem Gang und zwielichtigem Publikum im Nebenzimmer sollen sich die Fahrer professionell auf ein WM-Rennen vorbereiten.

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Ist der Asphalt ausreichend abgehärtet?

Der Kurs selbst ist rechtzeitig fertig geworden, doch an seiner Qualität gibt es große Zweifel. Ist der Asphalt, auf dem vor nicht einmal zwei Wochen noch Dampfwalzen fuhren, ausreichend ausgehärtet? Hat er schon genug Haftung? Die Tatsache, dass bei der Abnahme in der Vorwoche eine geschlossene Asphaltdecke lag, schien Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone und Co. zu genügen, um den Ausfall eines Rennens kurz vor dem Saisonende und hohe Schadenersatzklagen von Fernsehanstalten und Sponsoren zu vermeiden.

Vettel zieht Nagel aus Gras neben der Strecke

Gefahrenquellen überall: Vettel mit seinem gefundenen Nagel (Foto: dpa) Gefahrenquellen überall: Vettel mit seinem gefundenen Nagel (Foto: dpa)Noch immer herrscht rund um die irgendwo im Nirgendwo gebaute Rennstrecke hektisches Treiben; an Parkplätzen, Zufahrtsstraßen und Tribünen wurde heftig rumgewerkelt. Überall riecht es nach heißem Asphalt, unzählige Geräusche vermischen zu einer seltsamen Lärmkulisse. Dort, wo spätestens am Sonntag Glanz und Glamour das Bild regieren sollen, liegen derzeit überall Schutt und Asche. Eine unliebsame Überraschung machte Sebastian Vettel. Als der Red-Bull-Pilot am Donnerstagmorgen zum ersten Mal den Kurs zu Fuß inspizierte, zog er einen längeren Nagel aus dem Boden unmittelbar neben der Strecke. Nicht auszudenken, was passieren kann, wenn die Fahrer mit Tempo 300 über solch einen Nagel fahren und sich den Reifen aufschlitzen.

Anreise ein Abenteuer

Um die Koreaner im Boot zu halten, haben die Verantwortlichen unzählige Grundsätze über Bord geworfen. Normalerweise muss eine Strecke zwei bis drei Monate vor dem Start abgenommen werden, der Kurs direkt am Meer in Yeongam erhielt erst in der Vorwoche das endgültige Okay. Doch allein die Anreise war für alle Beteiligten ein Abenteuer. Der nächstgelegene Großflughafen in Seoul ist 400 Kilometer entfernt.

Verwirrung auch bei den Helfern

Zubringerbusse mussten kurz vor dem Ziel plötzlich stoppen und umkehren, weil Straßen nicht fertiggestellt waren, Internet- und Telefonleitungen brachen wieder und wieder zusammen. Die zahlreichen freiwilligen Helfer im Streckengelände sorgten mehr für Verwirrung als für Aufklärung, auch sie blickten nicht mehr durch.

Koreanische Bevölkerung weiß von nichts

Das Chaos hat sich abgezeichnet: Promoter Yung Cho Chung hat sich den Ruf erworben, beratungsresistent zu sein. Gerüchte über eine mögliche Absage gab es praktisch seit dem Tag, an dem Yeongam im WM-Kalender auftauchte. Und die koreanische Bevölkerung hat offenbar gar nicht realisiert, dass das Rennen wirklich stattfindet. Im 15 Kilometer entfernten Mokpo wissen die meisten Bewohner nichts von dem Großevent am Wochenende, im Stadtbild weisen nur zwei Banner an großen Brücken darauf hin.

Es kann direkt weiter gehämmert werden

Somit droht auch auf den 130.000 Zuschauer fassenden Tribünen gähnende Leere. Spätestens dann wäre die Formel-1-Premiere in Südkorea ein komplettes Desaster. Und wenn der Tross das Land verlassen hat, können die Arbeiter unvermittelt weiter schrauben und bohren. Denn die zweite Auflage soll bereits in knapp sieben Monaten steigen.

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