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Jungle Marathon: Norman Bücher im Interview

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"Mit einem City-Marathon hat das nichts mehr zu tun"

19.12.2010, 18:11 Uhr | t-online.de, t-online.de

Jungle Marathon: Norman Bücher im Interview. Extreme Belastung: Ein Ultralauf im Dschungel. (Foto: Norman Bücher)

Extreme Belastung: Ein Ultralauf im Dschungel. (Foto: Norman Bücher)

Das Interview führte Jan Vogel

222 Kilometer zu Fuß durch den tiefsten Dschungel: Im Oktober fand im Amazonas mit dem "Jungle Marathon" einer der härtesten Läufe der Welt statt. Ein deutscher Extremsportler war dabei. Im Interview mit t-online.de spricht Norman Bücher, 32, über militärischen Schutz vor wilden Tieren, was man tun sollte, wenn man einem Jaguar begegnet und seine Vorbereitung in Schwarzwälder Flüssen. (Klicken Sie sich durch die Foto-Show)

t-online.de: Herr Bücher, vor kurzem waren Sie noch mitten im brasilianischen Dschungel. Was hat Sie dort am meisten fasziniert?

Norman Bücher: Wir Läufer haben dort einen Frontalangriff auf die Sinne bekommen. Ich habe beim Laufen durch Geräusche, Düfte und Dinge, die ich gesehen habe, unendlich viele Eindrücke gesammelt. Ich war schon in Wüsten und in den Bergen unterwegs, aber hier habe ich eine ganz andere Welt kennen gelernt. Da ist einfach keine Ruhe, keine Weite, man kann nicht einfach mal ein bisschen entspannen, man ist immer fokussiert und konzentriert. Das war oft anstrengend, aber immer faszinierend. 

Vielleicht erzählen Sie kurz, was bei diesem Dschungellauf – neben der Distanz – die größten Herausforderungen für die Teilnehmer sind.

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Zum einen sind das die klimatischen Bedingungen. Bei einer Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent war es schon sehr extrem, dort zu laufen. Zudem hatte ich 13 Kilo Gepäck auf dem Rücken. Mit diesem Gewicht bin ich dann durch den Dschungel gelaufen und habe unglaublich geschwitzt. Selbst wenn ich stand und mich ausgeruht habe, lief mir der Schweiß nur so herunter.

Und der Dschungel selbst?

Zum anderen war die Gefährlichkeit der Flora und Fauna eine große Herausforderung. Ich hatte immer kleine Tierchen um mich: Spinnen, Ameisen und sehr viele Insekten. Aber es gab auch potenzielle Gefahrenquellen wie Jaguare und Schlangen. Wir haben Flüsse durchquert, in denen Kaimane, Piranhas und Stachelrochen zuhause sind. Das war natürlich schon ein komisches Gefühl, durch solche Gewässer zu laufen oder zu schwimmen.

Mussten Sie Gedanken an wilde Tiere ausblenden?

Man hat das schon im Hinterkopf. Ich versuche dann, mich abzulenken, daran zu denken, dass ich nicht der Erste bin, der durch diesen Fluss schwimmt oder läuft. Die Chancen stehen also gut, dass ich es auch schon schaffen werde. Aber im Hinterkopf ist es – ganz klar.

Waren Sie für den Ernstfall gerüstet?

Ich hatte die vom Veranstalter vorgeschriebenen Medikamente gegen Stiche oder Schlangenbisse dabei, aber kein Gewehr oder Machete.

Gab es Unterstützung von den Veranstaltern während des Laufs?

Die gefährlichen Passagen, zum Beispiel am Sumpf, und das Lager bewachte das Militär. Ich habe teilweise an Plätzen geschlafen, die die ganze Nacht vom Militär bewacht wurden. Mit Gewehr und Funkgerät haben sie uns Läufer bewacht, damit sich auch nachts keine Tiere näherten. Diese große Präsenz von medizinischen und militärischen Helfern war ein wichtiges Element des Laufs.

Wie haben Sie sich auf diese Strapazen vorbereitet?

Ich bin mit einem schweren Rucksack hier im Schwarzwald durch kleinere Flüsse und Bäche gelaufen, um die nassen Füße, die man im Dschungel fast immer hat, so gut es geht zu simulieren. Ich denke aber, dass es fast unmöglich ist, die klimatischen Bedingungen des Amazonas hier in heimischen Gefilden zu trainieren.


Hat der Jungle Marathon überhaupt noch etwas mit einem traditionellen Lauf zu tun?

Ich würde es als eine Mixtur aus Laufen, Klettern, Robben und Schlittern beschreiben. Oft hatte ich einen Baumstamm im Weg und musste darunter oder darüber hinweg. Mit einem City-Marathon hat das sicher nichts mehr zu tun.

Gab es vor Ort noch Anweisungen für die Dschungel-Unkundigen?

Wir hatten vorab ein Dschungel-Überlebens-Training im Basis-Camp. Dort wurde uns zum Beispiel gesagt, wie wir unser Trinkverhalten managen müssen. Die Mediziner haben uns dafür ganz klar das Motto „Drink or Die“ ausgegeben. Doch nicht nur die Quantität ist entscheidend, sondern auch die Qualität. Das bedeutet, dass man außer Wasser in regelmäßigen Abständen auch Salztabletten und Elektrolytgetränke zu sich nimmt.

Gab es auch Tipps für den Extremfall - also für die Begegnung mit wilden Tieren?

Ja, zum Beispiel für die Begegnung mit einem Jaguar: Wenn man durch den Dschungel läuft, riecht man einen Jaguar zuerst, bevor man ihn sieht. Er hat einen ganz eigenartigen, penetranten Geruch. Das kennt man ja vielleicht aus dem Zoo. Falls man einem Jaguar begegnet, sollte man nicht versuchen, sich zu ducken, wegzulaufen oder auf einen Baum zu klettern. Besser ist es, auf ihn zuzustürmen und zu schreien.

Stellt sich bei diesen Bedingungen überhaupt ein Glücksgefühl beim Laufen ein?

Definitiv hatte ich Glücksgefühle, aber ich beschreibe es immer als eine Art Achterbahnfahrt: Es sind viele Hochs und viele Tiefs, die sich abwechseln. Ich versuche immer, die Umgebung und den Lauf bewusst wahrzunehmen. Ich will nicht mit Blick auf die Uhr durch den Dschungel rennen und schnellstmöglich durchkommen. Ich will auch stehen bleiben, die Umgebung bewusst wahrnehmen und mich daran erfreuen. Obwohl das Klima und die Bedingungen extrem sind, ist es ein Privileg, dort zu sein und dort laufen zu dürfen.

Sie haben den Lauf letztendlich nach 50 Kilometern abgebrochen. Woran lag es?

Ich würde es als eine Mixtur aus Erschöpfung, Erkältung und Hitzschlag bezeichnen. Ich bin schon erkältet ins Rennen gegangen, das war für die ersten Etappen sicher nicht förderlich. Außerdem habe ich ganz klar die Hitze nicht vertragen. Am Ende vom zweiten Tag hat es mich dann auch schon umgehauen. Da will ich gar nichts schönreden, das war sehr, sehr bitter. Aber der Preis war mir zu hoch, deshalb habe ich entschieden, nach der zweiten Etappe aufzuhören. Ich habe damit die Vernunft über meine Willenskraft gestellt.

Werden Sie es beim nächsten Jungle Marathon noch einmal versuchen?

Ich habe das feste Ritual, dass ich die großen Läufe bis auf ganz wenige Ausnahmen nur ein Mal im Leben mache, unabhängig davon, ob ich durchkomme oder nicht. Mir geht es, wie gesagt, um die Erfahrung. Das kann sich in fünf oder zehn Jahren natürlich ändern, aber im Moment würde ich sagen „nein“.

Haben Sie im Moment Zeit zum Entspannen?

Ja, schon. Das mache ich bewusst in jedem Jahr. Ich gönne mir eine läuferische Auszeit und lege die Beine hoch. Es ist auch wichtig, dass man seinem Körper Zeit für eine längere Regeneration gönnt – gerade nach solchen extremen Belastungen.

Wie viele Kilometer läuft ein Ultraläufer in der Woche, wenn er „die Beine hoch legt“?

Im Moment laufe ich maximal 30 bis 40 Kilometer pro Woche, also vier bis fünf Mal. Da kann es aber auch sein, dass ich nur 20 oder 30 Minuten laufe. Mir ist es wichtig, dass ich die Kontinuität beibehalte.

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