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Doping  

Zeitalter des Gendopings hat begonnen

07.12.2010, 16:00 Uhr | Johann Schicklinski, t-online.de

Zeitalter des Gendopings hat begonnen. Ist Gendoping im Spitzensport Mythos oder Realität? (Foto: imago)

Ist Gendoping im Spitzensport Mythos oder Realität? (Foto: imago) (Quelle: imago)

Dass im Spitzensport gedopt wird, weiß heute jedes Kind. Ob in der Leichtathletik, beim  Radfahrer oder sogar beim Reiten: Die unerlaubte Manipulation der sportlichen Leistungsfähigkeit durch chemische oder biochemische Methoden ist längst Realität. Doch die nächste Generation des Dopings kündigt sich bereits seit längerem an: Gendoping ist schon seit Jahren zumindest technisch machbar. Gezielte Veränderungen in den Genen können nicht nur genutzt werden, um Krankheiten zu therapieren, sondern längst auch, um athletische Voraussetzungen zu optimieren.

Aber was genau ist Gendoping eigentlich? Es stammt ursprünglich aus der Medizin. Hier wurde damit geforscht, um schwerstkranken Menschen durch den zielgerichteten Transfer von Genen helfen zu können. Die Wissenschaft unterscheidet zwei Arten: Zum einen kann DNA, also Erbsubstanz, dem Körper von außen zugefügt werden. Dies wird auch als Gendoping im engeren Sinn bezeichnet. Die Funktionsweise ist die gleiche wie beim „klassischen Doping“, wo die nötigen Substanzen ebenfalls durch schlucken oder spritzen von außerhalb dem Körper zugeführt werden. Bei der anderen Variante wird eine gezielte Modifikation des vorhandenen Erbguts durch einen Eingriff vorgenommen. Darunter versteht man Gendoping im weiteren Sinn.

Gefahr der Abstoßung durch den Körper

Das größere Missbrauchspotenzial ist beim Gendoping im weiteren Sinn vorhanden, denn die Technologie ist in diesem Bereich schon viel weiter vorangeschritten. Dazu kommt, dass die Risiken wesentlich geringer sind als bei einer externen Zuführung von DNA. Denn hier würde der dopende Athlet trotz des Fortschreitens der Forschung im Bereich der Gentherapie wohl russisches Roulett spielen. "Eine externe Zuführung von DNA  wäre nur beim Embryo leicht praktikabel, also im Mehrzellstadium im Mutterleib und kurz danach, da der Mensch da noch kein Immunsystem besitzt. In dieser Phase könnte man fremdes Erbgut einschleusen, ohne dass es zu den Abstoßungsreaktionen des Körpers kommen würde, die in einer späteren Phase der Entwicklung folgen“, sagte der Mainzer Gendopingforscher Prof. Dr. Dr. Perikles Simon gegenüber t-online.de. (Lesen Sie hier das gesamte Interview mit Perikles Simon)

"Vor allem im Schnellkraftsport ist Gendoping vorstellbar“

Insbesondere in Kraftsportarten wird Gendoping wohl bereits praktiziert. "Vor allem im Schnellkraftsport oder in Sportarten, in denen eine Muskelhypertrophie, also ein Wachstum, über das Normalmaß hinaus erreicht werden soll, ist Gendoping vorstellbar. Das gilt zum Beispiel für das professionelle Bodybuilding“, sagte Simon.

Hormonproduktion auf Befehl

Doch auch im Ausdauersportarten ist eine Manipulation zumindest theoretisch denkbar. Dass vorrangig aus dem Radsport bekannte Doping mit dem Wachstumshormon EPO ist hierfür ein gutes Beispiel, so Simon: "Ein Sportler kann sich beispielsweise EPO-Erbsubstanz zuführen, welche die EPO-Produktion über das Normalmaß steigert, zusätzlich zu der Erbsubstanz, die das Hormon ohnehin produziert. Die neu eingeführte DNA könnte der Sportler sogar dauerhaft aktivieren, so dass er ständig, egal unter welchen Bedingungen, EPO produziert.“ Diese Produktion sei sogar steuerbar, so der Forscher weiter: "Der Sportler könnte dafür sorgen, dass EPO nur gebildet wird, wenn er vorher ein bestimmtes Medikament einnimmt. Das funktioniert dann wie wenn er einen Schalter betätigt.“

Nachweisverfahren entwickelt

Doch auch die Gegenseite schläft nicht: Eine Forschungsgruppe aus Tübingen und Mainz unter der Leitung von Simon und seinem Kollegen Prof. Dr. Michael Bitzer hat einen Nachweis entwickelt, um gezielte Eingriffe in das menschliche Erbgut zum Zweck der sportlichen Leistungssteigerung nachzuweisen. Ein Meilenstein in der Doping-Bekämpfung, auch wenn der Test noch nicht praxisreif ist. "Doping Proben werden ja auch aufgehoben und können in Zukunft rückwirkend analysiert werden. Wir müssen hier ein paar Jahre – was ich für eine realistische Dimension halte – weiterdenken“, sagte Simon.

Lange Nachweisbarkeit

Die Athleten müssen also auf der Hut sein. Gendoping sei nicht ohne weiteres zu verschleiern, so Simon: "Die genetische Manipulation wird demjenigen erhalten bleiben, da diese Veränderungen nicht mehr ohne weiteres zu beseitigen sind. Der Sportler kann nur hoffen, dass der Körper sich selbst dagegen wehrt und diese abbaut.“

"Spitzensportler fürchten Leistungsabfall“

Immerhin ist der Mainzer Forscher der Meinung, dass der Profisport noch frei von Gendoping ist: "Ich glaube nicht, dass wir im absoluten Spitzensportbereich bereits gendopende Athleten haben. Und zwar nicht wegen der Risiken. Sondern deshalb, weil Gendoping noch nicht hinreichend erforscht und somit auch leistungsmindernd sein könnte. Das ist es, was Spitzensportler wirklich fürchten: schlechter werden, im Wettkampf nicht so gut abzuschneiden. Es wird wohl erst auf unterem Niveau ausprobiert, um dann irgendwann vom Spitzenbereich übernommen zu werden.“

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