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Behindertensportler Reinhold Bötzel ist "selber ein Vorbild"

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Reinhold Bötzel: "Inzwischen bin ich selbst ein Vorbild"

27.12.2010, 10:59 Uhr | Das Interview führte Christian Lüttecke, t-online.de

Reinhold Bötzel: "Inzwischen bin ich selbst ein  Vorbild" . Hochspringer Reinhold Bötzel hat bei der WM in Christchurch Großes vor. (Foto: R. Bötzel)

Hochspringer Reinhold Bötzel hat bei der WM in Christchurch Großes vor. (Foto: R. Bötzel)

 

Das Interview führte Christian Lüttecke

Reinhold Bötzel ist ein erfolgreicher Spitzensportler mit Behinderung. In seiner bemerkenswerten Karriere stellte Bötzel einen Hochsprung-Weltrekord auf, 2009 wirde er in seiner Paradedisziplin Weltmeister. Geboren am 8. Dezember 1975 in Baden-Württemberg, wohntBötzelaktuell in Hannover und arbeitetdortals Telekommunikations-Beraterin einer T-Shop-Filiale. t-online.de sprach mit dem Ausnahmeathleten über die anstehende IPC Leichtathletik-Weltmeisterschaft im Januar 2011 in Christchurch, Neuseeland, über die Paralympics 2012 in London und über seine Erwartungen und Ziele für die Zukunft. ,

t-online.de: Herr Bötzel, am 10. Januar 2011 geht es los, dann fliegen Sie nach Christchurch. Wie sind Ihre Ambitionen?

Die kommende Weltmeisterschaft ist für mich sehr wichtig, zum einen wurde ich 2009 Weltmeister im Hochsprung, diesen Titel möchte ich gerne verteidigen, zum anderen ist es ein wichtiger Schritt im Hinblick auf die Paralympics in London 2012. Natürlich will ich gerne gewinnen. Aber man muss schauen, wie man den langen Flug verarbeitet, wie man sich da unten akklimatisiert und wie dann letztlich die Tagesform ist. Und dann gibt es ja auch noch die Konkurrenz, die nicht schläft.

Sie haben zur Vorbereitung auf die Hallensaison und die bevorstehende WM in Neuseeland gerade ein Trainingslager absolviert. Wie ist denn Ihr aktueller Fitnessstand?

Reinhold Bötzel: Sehr gut! Ich bin von Verletzungen verschont geblieben, alles läuft gut und ich freue mich nun auf die Weltmeisterschaften in Christchurch. Der erste Test im Dezember bei den deutschen Hallenmeisterschaften in Erfurt war mit dem Titelgewinn schon sehr erfolgreich.

Wie hoch ist momentan Ihr wöchentlicher Trainingsaufwand?

Ich trainiere aktuell fünf bis sieben Mal die Woche, oft auch zweimal am Tag. Das Grundlagentraining habe ich bereits hinter mir, momentan liegt der Schwerpunkt auf Technik und Schnelligkeit.

Fällt es schwer, den Leistungssport mit diesem doch immensen Trainingsaufwand mit dem Beruf zu vereinbaren?

Mein Arbeitgeber, die Telekom, unterstützt mich so gut wie möglich. Zusätzlich passe ich mein Training meinen Arbeitszeiten an. Wenn ich Spätdienst habe, trainiere ich vormittags, bei Frühdienst entsprechend abends. Durch die Unterstützung der Landestrainierin Astrid Fredebold-Onnen, die immer für mich da ist, ist es mir möglich, trotz der Doppelbelastung erfolgreich zu sein. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich in Hannover lebe und arbeite. Hier finde ich optimale Bedingungen quasi direkt vor der Haustür.

Sie sind ein erfolgreicher Behindertensportler, stehen aber auch als Mitarbeiter einer T-Punkt-Filiale in Hannover voll im Berufsleben. Was bedeutet der sportliche Erfolg für Sie?

Ich bin ein berufener Sportler. Sport ist eine gewisse Passion von mir, ich liebe den Sport und ich liebe die Bewegung. Ich habe den Ehrgeiz entwickelt, Bewegungsabläufe anzuschauen, umzusetzen und zu verinnerlichen. In gewisser Art und Weise bin ich in dieser Beziehung Perfektionist. Primär geht es mir aber doch um den Spaß an der Bewegung. Deshalb mache ich Sport. Es macht mir einfach unglaublich viel Spaß.

Hatten Sie jemals erwogen, ihren Sport professionell auszuüben?

Ja natürlich, das war schon ein Wunsch. Durch die Unterstützung meiner Sponsoren war es mir bisher möglich, die durch den Sport entstandenen Kosten abzufedern. Leider reicht es aber nicht, um sich ausschließlich auf den Sport zu konzentrieren, man kann nicht wirklich seine Hauptarbeitsstelle aufgeben. Das funktioniert finanziell nicht. Selbst mit den ganzen Erfolgen, die ich hatte, wird man nicht Millionär.

Ist das ein Problem des Behindertensports?

Nein. Es gibt in Deutschland vier bis fünf große Sportarten, in denen Sportler ihre Spitzenleistungen so entlohnt bekommen, dass sie gut davon leben können. Selbst bei den Athleten in der Leichtathletik ohne Behinderung, sind es nur einzelne, die von Sponsorengeldern leben können. Bei den Athleten in den nicht so populären Sportarten, greifen Systeme wie beispielsweise die Sportfördergruppe der Bundeswehr, dies ist im Behindertensport die absolute Ausnahme, deswegen haben wir es deutlich schwerer uns über den Sport zu finanzieren.

Wie sehen Sie die Entwicklung des Behindertensports allgemein in Deutschland?

Sehr positiv. Es ist mittlerweile eine sehr große öffentliche Wahrnehmung für den Behindertensport da, die Medien greifen unsere Leistungen auf und rücken sie ins Bewusstsein der Menschen. Aber als ich 1987 mit dem Leistungssport angefangen habe, war das noch nicht so. Da war es schon ein Höhepunkt, wenn man mal in der Lokalpresse erwähnt wurde. Zwar gab es schon länger die Weltspiele der Behinderten, doch fanden diese eher unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Erst mit den ersten Paralympics 1992 in Barcelona bekamen die Sportler mit Behinderung mehr Aufmerksamkeit, was mich sehr freut. Was fehlt, ist der Nachwuchs. Nicht, weil es keine Menschen mit Behinderung mehr gibt, sondern weil keiner mehr Leistungssport macht. Aber diese Nachwuchsprobleme haben die Nicht-Behinderten auch. Es ist wohl ein generelles Problem in allen Sportarten.

Sie sprechen die Paralympics an. Im Jahre 2012 finden in London Olympische und Paralympische Spiele statt.

Ja, London ist mein letztes großes sportliches Ziel. Da will ich noch mal hinkommen - und werde dann meine Karriere beenden.

Es wären Ihre vierten Paralympics - eine Superleistung.

Richtig. Wobei ich mit den Paralympics nie gut Freund geworden bin. Ich habe bis auf einmal Bronze im Jahr 2000 in Sydney mit der 4 x 100-Meter-Staffel dort nie eine Medaille gewinnen können. In meiner Parade-Disziplin, dem Hochsprung, kam ich bei Paralympics leider noch nie aufs Treppchen.

Das wäre doch dann eine schöne Herausforderung für Ihre letzten Paralympics - mit einer Medaille abzutreten?

Das stimmt. Ich bereite mich konzentriert darauf vor. Eine Medaille bei den Paralympics wäre der perfekte Abschluss meiner sportlichen Karriere. Und solange man den Spaß an dem Sport hat, soll man es auch machen. Wenn es einem letztlich noch etwas gibt und man gewinnt noch die ein oder andere Medaille, dann ist es natürlich umso erfreulicher und schöner. Ich genieße das momentan einfach.

Wie begann Ihre sportliche Karriere? Als Sportler mit Behinderung war es bestimmt nicht leicht. Wie kamen Sie zur Leichtathletik?

Meinen Arm verlor ich in Folge eines Unfalls im Alter von sieben Jahren. Da ich immer schon Spaß an der Bewegung hatte, probierte ich einfach verschiedene Sportarten aus, wie man das als Kind so macht. Ich begann, Ski-Rennen zu fahren, und machte Leichtathletik und Schwimmen. Das wurde nach und nach einfach zu viel, zumal mir die Ski-Rennen und die Leichtathletik einen besonderen Kick gaben, den ich beim Schwimmen schnell vermisste. In der Leichtathletik lag zu Beginn mein Fokus auf Sprint, Weit- und Hochsprung, später konzentrierte ich mich ausschließlich auf den Hochsprung. Das Zusammenspiel von Geschwindigkeit, Koordination und dem Nervenkitzel ist es, was mich an dieser Disziplin fasziniert.

Können Sie sich noch daran erinnern, was der Verlust des Armes damals für sie verändert hat?

Ehrlich gesagt: Es hat sich gar nichts verändert. Ich bin derjenige geblieben, der ich bin. Nur halt dann nur noch mit einem Arm.

Gab es ein Vorbild, das sie als Sportler bestärkt hat?

Früher ja, heute nicht mehr. Meine ehemaligen Vorbilder in der Leichtathletik, speziell in meiner Disziplin Hochsprung, sind durch die Verwendung von Dopingmitteln leider negativ aufgefallen. Früher bewunderte ich den kubanischen Hochspringer Javier Sotomayor und den kanadischen Sprinter Ben Johnson, beide sind bekanntermaßen auf Grund von Doping aus dem Sport ausgeschieden. Das hat mich sehr enttäuscht, seitdem habe ich keine direkten sportlichen Vorbilder mehr. Ich bin ganz klar gegen Doping im Sport, denn es ist ein Betrug an anderen und an sich selbst. Gerade an Sportlern orientieren sich junge Menschen oft, dieser Verantwortung sollte man sich bewusst sein und auch so leben. Durch meine Leistungen und meine persönliche Geschichte bin ich inzwischen selbst für viele Leute ein Vorbild geworden. Für Leute mit und ohne Behinderung, das freut mich sehr.

Wie sieht Ihre sportliche Planung nach der aktiven Karriere aus? Medaillenjagd im Seniorenbereich?

Ich glaube nicht. In einem gewissen Alter muss ich das auch nicht mehr haben. Ich bewundere zwar die Senioren, die sich im Wettkampf messen, aber für mich wäre das nichts mehr. Hobbymäßig zwei Mal Training in der Woche, zum fit bleiben, kann ich mir sehr gut vorstellen. Aber auf Medaillenjagd gehen möchte ich dann nicht mehr. Dazu habe ich einfach zuvor schon zu viel geleistet.

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