02.01.2011, 08:35 Uhr | t-online, t-online.de
Die Darts-Welt steht Kopf: Der 15-malige Weltmeister Phil Taylor ist sensationell im Viertelfinale der WM in London gescheitert. Der Titelverteidiger musste sich mit 2:5 dem jungen Herausforderer Mark Webster geschlagen geben, dem lediglich 25. der Setzliste.
Auch der Weltranglistendritte Raymond van Barneveld schaut sich die Runde der besten Vier von der Tribüne aus an. Der Holländer kassierte eine deutliche 1:5-Packung gegen den Schotten Gary Anderson, der nun Topfavorit auf den Titelgewinn ist.
Die gut 2.500 Fans im Alexandra Palace erlebten am drittletzten Tag der PDC-WM Darts-Geschichte. Taylor fand zu keiner Zeit ins Match und hechelte ständig hinter "Webby" hinterher. Besonders bei den spielentscheidenden Würfen auf die Doppelfelder offenbarte die sieggewohnte Darts-Legende große Schwächen, die Webster ebenso cool wie gnadenlos ausnutzte. Lediglich den zweiten und fünften Satz konnte "The Power" für sich entscheiden - aber auch dabei hatte er Mühe.
Ganz anders Webster. Der 27-Jährige kam scheinbar leicht und locker zu hohen Punktzahlen, auch wenn er letztlich sogar zwei 180er weniger warf als sein großer Konkurrent. Im Finish hatte Webster die größere Präzision: 43 Prozent aller Pfeile auf die Doubles fanden ins Ziel, gegenüber 33 Prozent bei Taylor. Zwischenzeitliche Breaks des Darts-Großmeisters konterte der Waliser umgehend. So auch im letzten Satz, als er einen frühen Rückstand drehte und eindrucksvoll Revanche nahm für die Halbfinal-Niederlage im letzten Jahr. Taylor zeigte sich als fairer Verlierer und sagte: "Ohne jeden Zweifel: Mark war heute der bessere Spieler."
Noch beeindruckender war der Sieg von Anderson über van Barneveld. Der "Flying Scotsman“ spielt zurzeit Darts wie von einem anderen Stern, er trifft die Doppel- und Dreifachfelder fast nach Belieben. Gegen Barneveld ließ sich Anderson auch nicht vom schnellen Verlust des ersten Satzes beeindrucken. Mit zehn 180ern und einer Trefferquote von 52 Prozent bei den Doppelfelfdern stürmte der 40-Jährige regelrecht durch die Sätze. Selbst die wenigen kritischen Szenen überstand Anderson eindrucksvoll. So konterte er "Barneys" Break im fünften Satz mit einer 180 und einem Rebreak. Standesgemäß gleich mit dem ersten Matchdart entschied Anderson die Partie für sich und ließ den entnervten fünfmaligen Weltmeister rat- und fassungslos zurück.
Gleich zum Auftakt der Viertelfinals bekamen die Fans im Ally Pally ein echtes Darts-Drama geboten: In neun hoch spannenden Sätzen setzte sich Terry Jenkins denkbar knapp gegen Wes Newton durch. Nach 3:4-Satzrückstand wendete "The Bull" das Blatt noch auf 5:4. Zwischenzeitlich entfaltet sich eine irre Spannung im Duell mit "The Warrior“. Immer wieder wechselte die Führung, drei Sätze mussten im fünften Spiel entschieden werden. Zum Nägelkauen war der fünfte Satz, als beide Werfer Nerven zeigten. Newton vergab neun Satzdarts. Jenkins seinerseits ließ acht Chancen ungenutzt, bevor er endlich das gewünschte Doppelfeld traf. Herausragend: Im zweiten Satz glänzte Jenkins mit einem 158er-Finish, und im achten Satz warf der 37-Jährige ein Spiel sogar mit 170 Punkten aus. Es war erst das zweite höchstmögliche Finish in diesem Turnier.
Favoritenschreck Vincent van der Voort konnte gegen Adrian Lewis nicht an seine frühere Turnierleistung anknüpfen. Im Achtelfinale hatte der Holländer sensationell Vizeweltmeister Simon Whitlock aus Australien aus dem Wettbewerb geworfen, doch gegen Lewis kam der "Geölte Blitz" nicht auf Touren. Zwischenzeitliche 19 Prozent Trefferquote an den Doppelfeldern waren unterirdisch und reichten bei weitem nicht, um mit "Jackpot" mitzuhalten. Lewis leistete sich keine größeren Schwächen und zog schnell auf 4:1 in den Sätzen davon. Im sechsten Satz konnte sich der 25-Jährige sogar einen kleinen Durchhänger leisten. Im siebten war Lewis dann aber wieder voll bei der Sache, gab kein Spiel mehr ab und nutzte den dritten Matchdart zum Einzug ins Halbfinale dieser WM. Dort trifft der sportliche Ziehsohn von Phil Taylor nun auf den Königsmörder Webster.
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Quelle: t-online, t-online.de
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