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Behindertensport: Bötzels Mission Weltmeisterschaft

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Bötzels Mission Weltmeisterschaft

17.01.2011, 13:45 Uhr | t-online.de

Behindertensport: Bötzels Mission Weltmeisterschaft. Reinhold Bötzel (r.) und Blocktrainer Lutz Kramer im WM-Stadion von Christchurch. (Foto: Reinhold Bötzel)

Reinhold Bötzel (r.) und Blocktrainer Lutz Kramer im WM-Stadion von Christchurch. (Foto: Reinhold Bötzel)

Reinhold Bötzel ist ein erfolgreicher Spitzensportler mit Behinderung. Auf dem Weg zu den Paralympics 2012 in London wird der ehemalige Hochsprung-Weltrekordler in losen Abständen über seinen ganz persönlichen Leistungsstand und den Stand der Vorbereitungen informieren. Aktuell weilt Bötzel, der in der Kindheit seinen linken Arm bei einem Unfall verloren hatte, in Christchurch/Neuseeland, um bei der dort stattfindenden Leichtathletik-WM der Menschen mit Behinderung seinen 2009 errungenen Titel im Hochsprung zu verteidigen. Wie es ihm am anderen Ende der Welt ergeht, schreibt er exklusiv bei t-online.de.

Die Reise nach Neuseeland

Das Abenteuer Leichtathletik-WM kann beginnen! Voller Vorfreude und Anspannung verließ ich am Sonntag, den 9. Januar, mein Zuhause in Hannover und machte mich auf nach Frankfurt, wo ich tags darauf ins neuseeländische Christchurch startete. Um 22 Uhr ging es los. Die erste Flugetappe ging von Frankfurt nach Singapur, schlappe zwölf Stunden und fünf Minuten dauerte der Flug. Ist ja nichts, das sitzt man ja auf der linken Pobacke ab.......

Auf dem Flug hatten wir soweit keine Probleme - bis auf einen Passagier, der kollabiert ist. Ein Arzt und die Flugbegleiter hatten die Situation jedoch sehr gut im Griff. Da sieht man, wie gut diese Leute ausgebildet sind. Nicht nur Getränke und Essen durch die Gänge schieben können die. Sie bewahrten in der brenzligen Situation die Ruhe und trugen so zum weiteren reibungslosen Flugverlauf bei.

Pünktlich in Singapur angekommen dachte ich kurz, jetzt würde ich selbst kollabieren. 27 Grad im Schatten und eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit waren ein krasser Unterschied zu den null Grad in Deutschland, wo man gerade noch im Schnee herumgestapft ist. Nach ca. zweieinhalb Stunden Aufenthalt ging es dann auf die letzte Etappe. Schlappe neuneinhalb Stunden Flugzeit waren es dann nochmal bis Christchurch. Eigentlich unfassbar.

Komplikationen auf dem Weg und im Hotel

Aber auch das habe ich überstanden, zu meiner Freude ohne Komplikation. Am 12. Januar um ca. 10:30 Uhr sind wir dann endlich gelandet. Mit dem ausgefüllten Visaformular in der Hand ging es zu Passkontrolle und weiter zur Gepäckausgabe. Jetzt wurde es spannend. Denn man darf keine Lebensmittel und andere Dinge ins Land einführen. So waren wir etwas unsicher, was unsere Nahrungsergänzungspräparate betraf. Denn jedes Gepäckstück wurde nochmals gescannt. Gefunden haben die dortigen Zollbeamten aber nichts und die Nahrungsergänzungspräparate waren zugelassen.

Da war die Erleichterung groß. Jetzt noch schnell die ersten Neuseeland-Dollars holen und ab in den Bus. Doch leider hatte ich den falschen erwischt, denn unser Arzt hatte seine Jacke "verlegt". So kehrten wir nochmals zum Flughafen um. Der Busfahrer nahm es locker und setzte sich an seinen Funk, um mit dem anderen Busfahrer zu sprechen - und nach einer knappen Viertelstunde war das Problem gelöst. Die Jacke war im anderen Bus mitgenommen worden. So fuhren wir dann endlich zum Hotel.

Dort angekommen hatten mein Zimmernachbar und ich nur noch einen Wunsch: Ab unter die Dusche. Doch was war das? Ich wollte meine Reisetasche von ihrem Schloss befreien, doch wo war der Schlüssel? Den hatte ich doch in meiner Geldbörse deponiert! Doch dort war er nicht mehr. Glücklicherweise hatte mein Zimmernachbar ein Schweizer Taschenmesser mit einer Metallfeile dabei, und so feilten wir an dem Schloss herum, bis es offen war. Leider, muss ich gestehen, bin ich mit der Feile abgerutscht und habe seinen Finger verletzt. Sorry noch mal dafür. Pflaster hatte ich Gott sei Dank dabei. So mussten wir nicht zum Doc.

Training statt Schlaf

Nachdem wir uns frisch gemacht hatten, ging es zum ersten Meeting. Erste Informationen zum Transfer zum Stadion und zu den Essenszeiten wurden uns mitgeteilt. Langsam machten sich die Strapazen der langen Anreise bemerkbar, Müdigkeit machte sich breit. Doch an Schlaf war noch nicht zu denken, lockere Läufe standen auf dem Plan. Der nahe gelegene Park schien dafür optimal zu sein. Doch wir mussten uns warm anziehen, denn es war empfindlich kalt und regnete hin und wieder. Am schlimmsten aber war der superstarke Wind, der einem kalt ins Gesicht blies.

Eigentlich, so dachten wir, wären wir in den Sommer geflogen und hätten den Winter hinter uns gelassen. Egal - ich musste trotzdem mein Programm absolvieren. Einlaufen, Gymnastik und dann ein paar Steigerungsläufe. Dabei inspizierte ich meine nähere Umgebung etwas genauer. Tolle Bäume standen da, farbenprächtige Blumen, und der ganze Park war super gepflegt. Das hat mich beeindruckt.

Treppensprünge statt Technik-Training

Endlich wieder im Hotel zurück, übermannte mich die Müdigkeit. Nach elf Stunden Tiefschlaf war die Nacht um sieben Uhr schon wieder zu Ende, und nach dem Frühstück ging es direkt zum Stadion. Dort hatte ich meine erste Hochsprungeinheit auf dem Plan stehen. Doch zu unserer Überraschung war keine Hochsprunganlage aufgebaut, obwohl uns das am Vortag zugesagt worden war. Hierfür entschuldigte sich der Platzwart in aller Form. Naja, jetzt hieß es umplanen. Wer nun denkt, ich wäre sauer gewesen, der hat weit gefehlt. Wir planten einfach um und machten eine Sprungeinheit mit Hürden, Treppensprünge und vorher ein ausführliches Lauf-Sprung-ABC. So war die Trainingseinheit gut ausgefüllt, und ich fühlte mich dabei super. Was ich nach dem langen Flug nicht gedacht hätte.

Nach dem Mittagessen ging es auf Erkundungstour in die Stadt, wo viele interessante Geschäfte warteten. Hier schauen, da schauen, einfach interessant. Doch muss man auch sagen, dass zum Teil immer noch die Schäden des schweren Erdbebens an den Häusern sichtbar sind. Am Cathedral Square kam dann auch noch die Sonne raus, und wir nutzten die Gelegenheit und setzten uns in ein Kaffee, natürlich draußen. Wir hatten kaum Platz genommen, da kam ein Mann auf mich zu und fragte, ob ich nicht der Hochspringer aus Hannover wäre und nannte mich sogar bei meinem Vornamen. Ich dachte ich fall vom Stuhl! Da fliegt man um die halbe Welt und dann trifft man völlig unbekannte Menschen, die einen kennen. Hammer! Ich habe mich dann noch mit ihm unterhalten und mir dabei direkt einen Sonnenbrand eingefangen. Die Sonne hat hier echt Power. Nun bin ich gewarnt: immer eincremen und Cape tragen.

Mein Abenteuer Leichtathletik-WM lässt sich sehr gut an - jetzt bin ich auf die nächsten Tage gespannt. Und werde Euch mein Erlebtes mitteilen.

Mit vielen Grüßen, Euer Reinhold Bötzel

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