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Behindertensport: Traumstart für das deutsche Team bei der Leichtathletik-WM

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Traumstart für das deutsche Team

24.01.2011, 10:10 Uhr | t-online.de, t-online.de

Behindertensport: Traumstart für das deutsche Team bei der Leichtathletik-WM. Weitspringer Heinrich Popow holte bei der WM der Menschen mit Behinderung Gold für Deutschland. (Foto: Bayer)

Weitspringer Heinrich Popow holte bei der WM der Menschen mit Behinderung Gold für Deutschland. (Foto: Bayer)

Bei der Leichtathletik-WM der Menschen mit Behinderung im neuseeländischen Christchurch hat das deutsche Team einen Auftakt nach Maß hingelegt. Dabei glänzten die Bayer-Athleten ganz besonders: Drei Goldmedaillen räumten die Leverkusener Starter ab. Das erste Gold holte Kugelstoßerin Michaela Floeth. Heinrich Popow und und Birgit Kober machten das Erfolgs-Trio perfekt.

Im Kugelstoßen erzielte Titelverteidigerin Floeth gleich im ersten Versuch mit 12,12 Meter eine respektable Weite und verschaffte sich damit eine gute Ausgangsposition. Aber schon im zweiten Versuch konterte die Chinesin Jin und setzte sich ihrerseits mit 12,47 Metern an die Spitze des Feldes. Die Antwort der Leverkusenerin ließ nicht lange auf sich warten. Im dritten Versuch stieß Floeth die Kugel auf 12,56 Meter und eroberte sich die Führung zurück, die sie auch nicht mehr abgab.  

Zweikampf zwischen Czyz und Popow

Das erste Gold motivierte auch die deutschen Starter im Weitsprung der Oberschenkelamputierten. Heinrich Popow und Wojtek Czyz lieferten sich hier ein hartes Duell. Der mehrfache Paralympics-Sieger Czyz eröffnete das Rennen mit starken 6,02 Meter. Popow ging im ersten Versuch auf Nummer sicher und schob sich mit 5,90 Meter zunächst an die zweite Stelle. Doch der Leverkusener steigerte sich: Mit 6,23 Meter katapultierte sich Popow im fünften Versuch an die Spitze des Feldes. Czyz versuchte noch einmal das Blatt zu wenden, kam aber mit 6,14 Meter nicht an Popow vorbei, der sich so seinen ersten Weltmeistertitel sicherte. Die Leistungen der beiden Bayer-Athleten bedeuteten neben dem Titel jeweils auch Meisterschaftsrekord. 

Pressesprecher Jörg Frischmann war von dem Abschneiden der deutschen Starter am ersten Wettkampftag begeistert: "Das war ein Auftakt nach Maß. Ich hoffe, dass wir jetzt einen richtigen Lauf bekommen.“

Nur Pistorius im Vorlauf schneller als Behre

Der zweite Wettkampf begann mit einer Überraschung für Popow . Der 27-jährige Sprinter erreichte ohne Vorlauf das Finale über 200 Meter, da Czyz wegen Wadenproblemen und ein weiterer Starter ihre Meldung zurückgezogen hatten. Anders erging es David Behre. Der deutsche Blade Runner traute seinen Augen nicht, als er die Laufeinteilung sah. Popows Klubkamerad musste schon im Vorlauf gegen sein Vorbild Oscar Pistorius antreten. Mit dem Amerikaner Leeper und dem Briten Jones waren zwei weitere starke Sprinter in seinem Lauf. Doch Behre ließ sich nicht beeindrucken und erreichte hinter Pistorius in 23,30 Sekunden Platz zwei, was zudem neuen Europarekord bedeutete.  

Low weit hinter ihren Möglichkeiten

Eine bittere Enttäuschung erlebte Vanessa Low. Die als Favoritin gehandelte Weitspringerin hatte Probleme mit ihrem Anlauf und traf nicht wie gewohnt das Brett. Trotz Korrekturen ihrer Trainerin Steffi Nerius kam die 20-jährige Weltrekordhalterin im Finale nicht zurecht. Am Ende standen 3,47 Meter auf den Wertungszetteln der Kampfrichter, was den undankbaren vierten Platz bedeutete. Zu allem Überfluss verlor sie auch noch ihren Weltrekord an die Australierin Kelly Cartwright. Jana Schmidt belegte mit 3,33 Metern Platz fünf.

Steffi Nerius war die Enttäuschung anzumerken, doch die ehemalige Weltklasse-Speerwerferin stellte die positiven Aspekte in den Vordergrund ihrer Analyse: "Es ist besser, es passiert in diesem Jahr und nicht im Paralympics-Jahr. Ich hoffe, dass Vanessa aus dieser Niederlage lernt und gestärkt aus ihr hervorgeht."

Auch Maria Seifert ging leer aus. Die Athletin des HSC Erfurt dominierte das Finale der Klasse T37 über 200 Meter und war auf dem Weg zum sicher geglaubten Sieg. In Führung liegend stürzte sie kurz vor dem Ziel und musste den Sieg der Britin Kathrina Hart überlassen. In der Cerebralparetikerinnen-Klasse T36 gab es über 200 Meter dann doch noch Grund zum Jubeln. Die Saarländerin Claudia Nicoleitzik sicherte sich in einem packenden Finale die Bronzemedaille in 31,91 Sekunden.

Sechs WM-Medaillen nach zwei Tagen

Birgit Kober holte im Kugelstoßen mit der neuen Weltrekordweite von 9,30 Meter die dritte Goldmedaille. Die Leverkusenerin dominierte den Wettkampf und gewann verdient den Titel. Auch die beiden anderen deutschen Teilnehmerinnen Birgit Pohl und Frances Herrmann überzeugten in diesem kombinierten Wettkampf mit den Plätzen vier und acht.

Die weiteren deutschen Starter waren in ihren Wettkämpfen nicht ganz so erfolgreich. In den 100-Meter-Finals konnten die DBS-Sprinter nicht in die Medaillenränge laufen. Yvonne Sehmisch (LC Cottbus) belegte in 18,23 Sekunden Platz sieben, 400-Meter-Spezialist Marc Schuh (TV Herkenrath) lief in 15,05 Sekunden auf Rang acht. Im kombinierten Wettkampf im Kugelstoßen verpasste der Wattenscheider Sebastian Dietz nur knapp die angepeilte Medaille. Der 25-Jährige stellte zwar mit 12,91 Metern einen neuen Deutschen Rekord auf, für eine Medaille fehlten ihm am Ende aber sieben Punkte. Einen guten Eindruck hinterließ im Finale der Klasse T38 die Wattenscheiderin Tamira Slaby. Die Athletin von Trainer Marc Blume, die auf der ungünstigen Bahn eins lief, belegte in 29,02 Sekunden den undankbaren vierten Platz.

Zum Abschluss des Tages gewann Mathias Schröder (PSC Berlin) mit seinem Guide Tobias Schneider in 50,96 Sekunden die Silbermedaille über 400 Meter hinter dem Portugiesen Luis Concalves und sicherte Deutschland damit bereits die sechste WM-Medaille. Mit 3 x Gold, 2 x Silber und 1x Bronze belegt Deutschland nach dem zweiten Wettkampftag im Medaillenspiegel gemeinsam mit Brasilien und Tunesien Rang vier. Es führt China
vor Russland und Großbritannien.


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