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Behindertensport: Mein Start bei den Titelkämpfen

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Mein Start bei den Titelkämpfen

31.01.2011, 10:49 Uhr | t-online.de, t-online.de

Hochspringer Reinhold Bötzel ist eine der Medaillen-Hoffnungen des deutschen Leichtathletik-Teams bei der Weltmeisterschaft der Menschen mit Behinderung in Christchurch (Neuseeland). Der Athlet, der als Kind bei einem Unfall seinen linken Arm verloren hat, berichtet exklusiv bei t-online.de über seine Erlebnisse am anderen Ende der Welt.

An das frühe Aufstehen habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Doch ist es komisch, wenn man fast alleine beim Frühstücktisch sitz und die anderen erst dann kommen, wenn man wieder geht. Aber da musste ich durch, zumal es ja nicht für immer ist.

Durchwachsenes Abschlusstraining

Am 25.01. hatte ich mein letztes Hochsprungtechnik-Training. So zu sagen die Generalprobe für mich. Und wie soll es auch anders sein, die ging daneben. Ich fühlte mich schlappt und konnte den Anlauf einfach nicht in Höhe umsetzten, was mich etwas gefrustet hat. Positiv war aber, dass ich immer noch das gute Gefühl des Anlaufs hatte. Aber was bringt das, wenn man an der Latte nicht richtig abspringt??? Natürlich nichts. Einen Teil hatte ich aber und das war der Anlauf. Jetzt musste ich nur noch das mit dem Abspringen hin bekommen. Dazu musste ich einfach mal abschalten. Also bin zum Friseur gegangen, um mir die Haare schneiden zu lassen. Danach etwas essen und dann geht das schon. Ganz so einfach ist es aber leider nicht. Zusätzlich habe ich auch noch alte Videos meiner Wettkämpfe angeschaut ( kann man auch bei youtube finden ) und mir das Gefühl des Absprungs in den einzelnen Wettkämpfen verinnerlicht. So ging ich dann ins Bett und versuchte zu schlafen, was nicht so gut gelang. Ich wurde öfters wach und dachte über den Absprung nach und das Gefühl dabei.

Besuch aus der Heimat

Viel zu früh klingelte der Wecker für mich. Gerade als ich in einen ruhigen, tiefen Schlaf fallen wollte, riss mich das Klingeln aus meinen Träumen. Nach kurzer Trägheit ging es dem Tag entgegen. Ich hatte frei und meine beiden Freunde aus Deutschland sollten heute nach Neuseeland kommen. So fuhr ich am Nachmittag zum Flughafen um sie von dort abzuholen. Sie haben sich riesig darüber gefreut, dass ich am Flughafen auf sie gewartet habe und ich konnte mich damit von der Aufgabe, die mir am folgenden Tag bevorstand, ablenken. Ich begleitete sie zu ihrem Hotel, das genau gegenüber von unserem liegt. Dann zeigte ich ihnen Christchurch etwas. Wir saßen dann noch etwas zusammen und sprachen ab, wie sie morgen ins Stadion kommen würden. Nachdem das alles geklärt war, ging ich auf mein Zimmer und bereitete die Wettkampfkleidung vor. Mit Startnummer, Regenkleidung, einem zweiten paar Spikes, Trinken usw. Als dies alles erledigt war, ging ich ins Bett, um den Schlaf des Gerechten zu halten. Es war einer erholsamer Schlaf. So klingelte der Wecker zum letzten Mal um 6 Uhr.

Die letzten Vorbereitungen vor dem Wettkampf

In der Morgendämmerung machte ich mich in der Wettkampfkleidung fertig, um zum Frühstück zu gehen. Denn um 7 Uhr fuhren wir mit dem Auto zum Stadion. Meine Freunde waren auch schon da und ab ging die Post ins Stadion bei tollem Sonnenschein. Ein traumhaftes Wetter für so einen Wettkampf. Aufwärmen und dann ging es um 8.10 Uhr zum Firstcall, bei dem unsere Kleidung, Rucksäcke, Spikes und usw. überprüft wurden. Die Kontrollen sind zum Teil für mich als Athlet nicht nachvollziehbar. Bei einem Athleten klebten sie den Herstellernamen ab und bei seinem Landsmann nicht. Diskussionen über Tape oder Cola, die nicht mit in den Innenraum gebracht werden dürfe, folgten. Und doch haben wieder andere Athleten diese Dinge locker mit ins Stadion nehmen dürfen. Das versteh einer... Am Besten ist es, die Leute machen lassen und sich nicht darüber aufregen. Denn meistens zieht man bei diesen Kontrollen den Kürzeren und im schlimmsten Fall könnten sie dem Athleten das Startrecht entziehen. Das habe ich aber zum Glück noch nicht erlebt.  Bei mir war alles, bis auf meine Startnummer, soweit in Ordnung. Die musste etwas höher gehängt werden. Wenn die Kontrolleure das meinen, dann sollen sie es auch machen. Nur nicht mit so etwas beschäftigen.

Der Wettkampf kann beginnen

Nach dem das alles vorbei war ging es raus zur Anlage. Dort wurde der Anlauf ausgemessen, eingesprungen was ich bei 1,70 Meter und bei 1,80 Meter machte. Diese ersten Sprünge waren super. Wenn es nicht eine Weltmeisterschaft gewesen wäre, wäre ich das Risiko eingegangen und hätte erst bei 1,80 Meter angefangen. Aber sicher ist sicher und man weiß ja nie, wie es läuft. Daher habe ich beschlossen bei 1,75 Meter in den Wettkampf einzusteigen. Ich übersprang diese Höhe genauso locker wie die 1,80 Meter. Bei den 1,85 Meter hatte ich das beste Gefühl. Der Sprung war so hoch drüber und zeige klar, dass die Veränderung im Anlaufablauf genau richtig war. Natürlich machte es mich hungrig nach mehr. Leider wollte ich dann doch zu viel und verlor etwas meine Spannung und so riss ich dreimal die 1,90 Meter. Schade, aber ich bin nicht enttäuscht, da ich auch bei einem erfolgreichen Sprung über die 1,90 Meter, meinen Platz nicht verbessert hätte. Die 1,90 Meter wären das I-Tüpfelchen gewesen. So beendete ich als Vierter den Wettkampf mit einer Saisonbestleistung. Aber die 1,90 Meter werden dieses Jahr kommen und noch viel mehr. Ich gehe sehr zufrieden aus dem Wettkampf und blicke positiv auf die kommende Saison.

Staffellauf als Abschluss

Nach dem Wettkampf musste ich raus. Also habe ich meine beiden Begleiter gefasst und bin mit ihnen an den Strand gefahren um im Meer zu baden. Doch lange konnte ich mich nicht ausruhen und erholen, denn um 16 Uhr war schon wieder Staffeltraining angesetzt. Das verlief gut und und ein vierter Platz im entscheidenden Staffellauf ist das Resultat unserer Mühen. Nach den ganzen Strapazen in der Vorbereitung und im Wettkampf, wird jetzt ordentlich gefeiert. 

Mit vielen Grüßen, euer Reinhold Bötzel

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