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Mein Start bei den Titelkämpfen

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Mein Start bei den Titelkämpfen

31.01.2011, 12:34 Uhr | t-online.de, t-online.de

. Reinhold Bötzel beim Hochsprung (Archivbild: dpa)

Reinhold Bötzel beim Hochsprung (Quelle: dpa)

Hochspringer Reinhold Bötzel startet bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft der Menschen mit Behinderung in Christchurch (Neuseeland). Der Athlet, der als Kind bei einem Unfall seinen linken Arm verloren hat, berichtet exklusiv bei t-online.de über seine Erlebnisse am anderen Ende der Welt.

An das frühe Aufstehen als Vorbereitung für meinen Hochsprungwettkampf habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Doch ist es immer noch komisch, wenn man aufgrund der frühen Uhrzeit fast alleine beim Frühstück sitzt und die anderen Athleten erst dann kommen, wenn man wieder geht. Aber da musste ich durch, zumal es ja nicht für immer ist.

Die letzten Vorbereitungen

Auch mein großer Tag, der Start im Hochsprungwettkampf stand auf dem Plan, begann in aller Frühe. Schon um sieben Uhr fuhren wir mit dem Auto zum Stadion. Meine Freunde, die einen Tag zuvor aus dem heimischen Deutschland angereist waren, warteten schon vor dem Hotel auf mich. Bei strahlendem Sonnenschein ging's ab ins Stadion. Ein traumhaftes Wetter für so einen Wettkampf. Nach dem Aufwärmen stand um kurz nach acht Uhr der Firstcall auf dem Programm, bei dem die Kleidung der Athleten, Rucksäcke, Spikes und usw. überprüft wurden. Diese Kontrollen sind für mich als Athlet zum Teil nicht nachvollziehbar. Bei einem Athleten klebten sie den Herstellernamen auf dem Trikot ab, und bei seinem Landsmann nicht. Diskussionen über Tape oder Cola, die nicht mit in den Innenraum gebracht werden durften, folgten. Und doch haben wieder andere Athleten diese Dinge locker mit ins Stadion nehmen dürfen. Das versteh' einer.

Am Besten ist es, dieses Prozedere über sich ergehen zu lassen, es nicht zu hinterfragen und sich einfach nicht darüber aufzuregen. Denn meistens zieht man dabei den Kürzeren und im schlimmsten Fall könnten die Funktionäre dem Athleten das Startrecht entziehen. Das habe ich aber zum Glück noch nicht erlebt. Bei mir war alles, bis auf meine Startnummer, soweit in Ordnung. Die musste etwas höher gehängt werden. Wenn die Kontrolleure das meinen, dann sollen sie es auch machen. Nur nicht mit so etwas beschäftigen und sich von diesen Lappalien vom Wettkampf ablenken lassen.

Der Wettkampf kann beginnen

Nachdem die lästigen Kontrollen vorbei waren, ging es raus zur Anlage. Dort wurde der Anlauf ausgemessen und ich sprang mich bei Höhen von 1,70 Meter und 1,80 Meter ein. Diese ersten Sprünge waren super. Wenn es nicht eine Weltmeisterschaft gewesen wäre, wäre ich das Risiko eingegangen und hätte erst bei 1,80 Meter angefangen. Aber sicher ist sicher, man weiß ja nie , wie der Wettkampf verlaufen wird. Also stieg ich bei 1,75 Meter in den Wettkampf ein. Ich übersprang diese Höhe genauso locker wie die 1,80 Meter. Bei den 1,85 Meter hatte ich das beste Gefühl. Der Sprung war so hoch über der Latte und zeigte klar, dass die Veränderung im Anlaufablauf genau richtig war.

Natürlich machte es mich hungrig nach mehr. Leider wollte ich dann doch zu viel. Ich verlor etwas meine Spannung - und so riss ich dreimal die 1,90 Meter. Schade, aber ich bin nicht enttäuscht, da ich auch bei einem erfolgreichen Sprung über diese Höhe meinen Platz nicht verbessert hätte. Die 1,90 Meter wären das I-Tüpfelchen gewesen. So beendete ich als Vierter den Wettkampf mit persönlicher Saisonbestleistung. Aber die 1,90 Meter werden dieses Jahr kommen - und noch viel mehr! Ich gehe sehr zufrieden aus dem Wettkampf und blicke positiv auf die kommende Saison.

Durchwachsenes Abschlusstraining

Das es so kommen würde, hatte ich zwei Tage vor dem großen Wettkampf nicht erwartet. Die Generalprobe verlief, wie sollte es auch anders sein, eher durchwachsen. Ich fühlte mich schlapp und konnte den Anlauf einfach nicht in Höhe umsetzten. Frust machte sich breit. Positiv war aber, dass ich beim Anlauf immer noch das gute Gefühl hatte. Aber was bringt das, wenn man an der Latte nicht richtig abspringt? Doch einen Teil des Gesamtpaketes hatte ich. Jetzt musste ich nur noch das mit dem Abspringen hinbekommen.

Ich probierte ein altes Rezept aus: einfach mal abschalten. Also bin ich zum Friseur gegangen, danach etwas essen und dann sollte das Ganze eigentlich funktionieren. Ganz so einfach war es aber leider nicht. Vor dem Zubettgehen sah ich mir noch alte Videos meiner Sprünge an und verinnerlichte mir das Gefühl des Absprungs in den einzelnen Wettkämpfen. Die Gedanken an meinen Absprung und das richtige Gefühl dabei ließen mich jedoch nicht richtig zur Ruhe kommen.

Besuch aus der Heimat

Ablenkung von der ganzen Grübelei hatte sich glücklicherweise für den nächsten Tag angekündigt. Ich hatte frei und meine beiden Freunde aus Deutschland sollten heute nach Neuseeland kommen. So fuhr ich am Nachmittag zum Flughafen um sie von dort abzuholen. Sie haben sich riesig darüber gefreut, dass ich am Flughafen auf sie gewartet habe und ich konnte mich damit von der Aufgabe, die mir am folgenden Tag bevorstand, ablenken. Ich begleitete sie zu ihrem Hotel, das genau gegenüber des Team-Hotels der deutschen Mannschaft lag.

Nach einer Tour durch Christchurch saßen wir dann noch etwas zusammen und besprachen den Ablauf des nächsten Tages. Nachdem das alles geklärt war, ging ich auf mein Zimmer und bereitete die Wettkampfkleidung vor. Mit Startnummer, Regenkleidung, einem zweiten Paar Spikes, Trinken und was sonst noch alles dazugehört. Gut vorbereitet fiel ich in einen tiefen Schlaf. So klingelte der Wecker zum letzten Mal um sechs Uhr für meinen großen Auftritt.

Staffellauf als Abschluss

Nach dem Hochsprung-Wettkampf und meinem vierten Platz musste ich raus und mich ablenken. Mit meinen beiden Begleitern fuhr ich an den Strand, um im Meer zu baden. Doch lange konnte ich mich nicht ausruhen und erholen, denn um 16 Uhr war schon wieder das Staffeltraining angesetzt. Das verlief gut und und ein vierter Platz im entscheidenden Staffellauf war das Resultat unserer Mühen.

Und jetzt wird ordentlich gefeiert! 

Mit vielen Grüßen, euer Reinhold Bötzel

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