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Empire State Building Run-Up-Gewinner Thomas Dold im Interview

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"Es geht um die Leidenschaft"

11.03.2011, 20:57 Uhr | t-online.de, t-online.de

Empire State Building Run-Up-Gewinner Thomas Dold im Interview. Thomas Dold nach seinem Sieg beim Empire State Building Run in New York. (Foto: imago)

Thomas Dold nach seinem Sieg beim Empire State Building Run in New York. (Foto: imago)

Das Interview führte Felix Grafen

Vorwärts laufen kann doch jeder. Dachte sich auch Thomas Dold und wurde Rückwärtsläufer. Bekannt geworden ist der 26-Jährige aber vor allem durch eine weitere, eher unübliche Sportart: das Treppenlaufen. Sechs Mal hintereinander hat Dold den Empire State Building Run-Up-Treppenlauf in New York bisher gewonnen und ist damit einer der erfolgreichsten Treppenläufer der Welt geworden. Doch er hat noch lange nicht genug und setzt sich ständig neue Ziele.

Im Interview mit t-online.de erzählt Dold, wie er vom Fußballer zum Rückwärtsläufer wurde, warum die Leute bei seinen Trainingseinheiten manchmal ängstlich zur Seite springen, und wie er es zu Olympia schaffen will.

Herr Dold, über zehn Jahre lang haben Sie aktiv Fußball gespielt. Wie kamen Sie dazu, von diesem "normalen" Sport zu den eher exotischen Sportarten Treppenlaufen und Rückwärtslaufen zu wechseln?

Ich bin in diese Sportarten eher reingerutscht. In meinem Fußball-Verein gab es auch eine Laufgruppe. Ein Freund hatte in einer Laufzeitschrift vom Rückwärtslaufen gelesen. Wir sind einfach mal zu einem Wettbewerb gefahren, und es ist überragend gelaufen. Ich habe gewonnen und bin damals direkt deutscher Meister geworden. Also dachte ich mir, dass ich das weiter verfolge und trainiere.

Hätten Sie sich auch eine Karriere in einem anderen Bereich der Leichtathletik, z.B. als Marathonläufer, vorstellen können? Dort hätten Sie vielleicht mehr verdienen können.

Es geht in erster Linie beim Sport um den Spaß und darum, ob sie gut sind. Es ist mir nicht wichtig, ob ich in einer anderen Sportart, wie z.B. dem Marathon, mehr verdienen könnte, sondern erstmal um die Leidenschaft, mit der man eine Sache angeht. Denn ohne diese verdient man sicher nichts.

Was sind ihre nächsten sportlichen Ziele?

Ich habe mich in den letzten Jahren überwiegend auf das Treppenlaufen konzentriert, dieses Jahr möchte ich mehr Zeit in das Rückwärtslaufen investieren. Im Mai nehme ich in Dresden am Oberelbe-Marathon über 10 Kilometer teil. Der Lauf ist speziell für mich. Bisher bin ich nur 3000 Meter gelaufen. Ich versuche, mich immer weiterzuentwickeln. Alles andere wäre langweilig.

Der Treppenlauf in New York ist doch nicht langweilig.

Nein, natürlich nicht. Aber ich habe den Treppenlauf im Empire State Building schon sechs Mal gewonnen, öfter als je ein Teilnehmer zuvor. Irgendwann fragt man sich dann, ob das Feuer der Leidenschaft wirklich noch für diesen Wettkampf brennt, oder ob man mal etwas anderes machen will.

Dort muss man 320 Meter und 1576 Treppenstufen überwinden. Beschreiben Sie das Gefühl, als erster auf der Aussichtsplattform dieses Gebäudes anzukommen.

Man ist zunächst einmal völlig entkräftet. Dieses Jahr konnte ich erstmals, nachdem ich im Ziel war, ohne Hilfe weiterlaufen. Wenn man aus dem Treppenhaus auf die Plattform kommt und durch das Ziel läuft, ist es einfach wunderbar. Erst, wenn man wieder durchschnaufen kann, merkt man, was für eine tolle Aussicht man vom Empire State Building hat.

Vor dem Start des Treppenlaufs geht es teilweise sehr ruppig zu. Wie wichtig ist es, als erster die Treppe zu erreichen?

Das ist wichtig. Wenn sie als Zweiter oder Dritter an der Treppe ankommen, geht die Welt aber auch nicht unter. Nur wenn man als 20. auf die erste Treppe steigt, sollte man sich doch lieber auf die Aussicht freuen.

Trainieren Sie die Ellbogenmentalität, die man am Start benötigt?

Nein. Es ist vielleicht ein bisschen härter als beim Marathon, aber nicht schlimm. Es sieht spektakulärer aus, als es tatsächlich ist.

Wie bereiten Sie sich auf solch einen Lauf vor?

Genügend Schlaf, ausgewogene Ernährung, ein gutes Treppentraining in hohen Gebäuden und Lauftraining sind wichtig. Für drei hohe Gebäude in Deutschland habe ich Sondergenehmigungen zum Trainieren. Drei Treppen pro Sekunde zu Rennen sind ohne intensives Training nicht möglich. Aber auch die mentale Vorbereitung ist wichtig. Es gibt in einem Treppenhaus nichts, das sie motiviert. Sie sehen meistens keine Gegner. Irgendwann merken sie dann, dass sie doch nicht alleine sind. Der Schweinehund ist da. Man muss sich einen guten Plan zurechtlegen. Es darf während dem Lauf niemals die Frage nach dem Aufhören kommen, denn das kostet zusätzliche Kraft.

Werden Sie komisch beäugt oder kommen blöde Sprüche, wenn Sie für Ihre Sportarten trainieren?

Wenn ich in Treppenhäusern jemanden treffe, guckt derjenige natürlich ein wenig verwundert, wenn ich mit drei Stufen pro Sekunde an ihm vorbeirausche. Die Leute springen dann entweder in die Ecke oder klammern sich am Geländer fest, wenn ich von unten angerauscht komme. Beim Rückwärtslaufen ist es ähnlich. Wenn mich andere Leute beim Trainieren sehen, werden die Augen erstmal richtig groß. Sprüche werden eigentlich nie gemacht.

Gibt es noch weitere Sportarten, vielleicht auch kuriose, die Sie reizen?

Nein, es muss nichts Kurioses sein. Letztes Jahr habe ich zum Beispiel an einem Triathlon teilgenommen und gewonnen.

Wie lange können Sie noch auf dem hohen Niveau Sport treiben?

Mit meinem Körper geht das vermutlich noch bis Mitte 30. Aktuell gibt es schon andere Projekte, die ich betreibe und auch nach meiner sportlichen Laufbahn verfolgen werde. So biete ich jetzt schon Seminare zum kreativen Laufen an.

Wie sieht das aus?

Man rennt nicht einfach nur geradeaus, sondern mal rückwärts, mal eine Treppe hoch und bringt dann viele verschiedene Laufformen mit ein. Im Endeffekt bin ich selbst ein kreativer Läufer. Abwechslung sagt den Leuten einfach mehr zu. Wenn ich ein Seminar oder Training halte, möchte ich, dass die Leute gar nicht merken, dass sie sich gerade anstrengen. Das ist oftmals besser, als wenn sie die Keule rausholen.

Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft, auch abseits des aktiven Sports, aus?

Ich durfte in den letzten Jahren viele Erfahrungen im Treppen- und Rückwärtslaufen sammeln, sei es die mentale Vorbereitung oder der Umgang mit den Medien. Dieses Wissen möchte ich gerne weitergeben. Ich habe mit den zwei jungen Läuferinnen Anna und Lisa Hahner eine Plattform aufgebaut, auf der jeder Sportler, der zu der Gruppe und zu den Idealen passt, herzlich willkommen ist. Die Idee dahinter ist, dass die Athleten nicht in Vorgaben gepresst werden, sondern ihre Top-Leistung durch ein individuelles, langfristiges Konzept erreichen. Das Ziel ist die Teilnahme an Olympia, 2012 in London oder 2016 in Rio de Janeiro. Das wäre ein unglaubliches Erlebnis und der Beweis dafür, dass es sich lohnt, das Allerbeste zu geben.

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