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Formel-1-Experte Surer: "Es wird drunter und drüber gehen"

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Surer: "Es wird drunter und drüber gehen"

21.03.2011, 11:08 Uhr | t-online, t-online.de

Formel-1-Experte Surer: "Es wird drunter und drüber gehen". Startszene aus dem vergangenen Jahr in Melbourne: Alonso und Schumi kommen sich in die Quere. (Foto: imago)

Startszene aus dem vergangenen Jahr in Melbourne: Alonso und Schumi kommen sich in die Quere. (Foto: imago)

Neue Reifen, verstellbarer Heckflügel und das Energierückgewinnungs-System KERS: Die kommende Formel-1-Saison, die am Wochenende in Melbourne startet, bietet allerhand Veränderungen und verspricht Spannung pur. Selbst die Teams wissen trotz ausgiebiger Tests nicht genau, wo sie stehen. "Das Fahren rückt wieder in den Vordergrund", sagt Marc Surer.

Im Experten-Interview für t-online.de nimmt der ehemalige-Formel-1-Fahrer die neuen Regeln unter die Lupe. Er analysiert, auf was sich die Fahrer einstellen müssen und verrät, warum Fernando Alonso Weltmeister wird.

Frage: Marc Surer, die Testzeiten waren diesen Winter so schwierig zu lesen wie nie zuvor. Es gab schwankende Benzinmengen, unterschiedliche Reifen, mit oder ohne KERS, mit oder ohne verstellbarem Heckflügel...
Surer: "Das war teilweise schon letztes Jahr so. Die Teams untereinander können es aber zumindest ein bisschen abschätzen. Da höre ich, dass die üblichen Verdächtigen vorne sind."

Sprich?
Red Bull und Ferrari. Wobei: Wenn wir von den üblichen Verdächtigen sprechen, fehlt eigentlich McLaren in dieser Liste. Die sind weiter hinten. Und Mercedes ist jetzt wohl auf die Höhe von Renault aufgerückt.

Bleiben wir noch bei der allgemeinen Situation, bevor wir auf das Kräfteverhältnis eingehen. Die Fahrer sagen, dass die Benzinmengen fünf oder mehr Sekunden Unterschied ausmachen können. Dazu kommen zwei bis drei Sekunden von den stark schwankenden Pirelli-Reifen. Was bedeuten so große Zeitunterschiede für die Rennen?
Es wird mehr drunter und drüber gehen. Das fängt schon im Qualifying an. Wenn du keine freie Runde hast und noch mal ansetzen musst, ist dein Reifen vielleicht schon eingebrochen - vor allem beim superweichen Pirelli geht das ganz schnell. Das Qualifying bedeutet also noch mehr Stress als bisher. Die Topteams müssen zudem sehr haushalten, weil sie für das Rennen auch noch frische Reifen brauchen. Das ist nicht mehr so einfach zu kalkulieren wie jetzt.

Und das Timing der Boxenstopps wird wichtiger, oder? Früher war es kein massives Problem, wenn man mal eine Runde zu spät reingekommen ist, aber wenn die Reifen genau an dem Punkt einbrechen, kann einen das jetzt mehrere Sekunden kosten.
Stimmt, das ist ein neues Element. Im Vorjahr hatten wir das nur in Kanada. Dort war es schlussendlich aber doch nicht so tragisch. Insofern glaube ich, dass das nicht ganz so wild wird, wie einige befürchten.

Begrüßen Sie, dass die Formel 1 um diese strategischen Elemente bereichert wird, oder sollte es mehr um das pure Fahren gehen?
Es geht nach wie vor um das pure Fahren. Der Fahrer muss so schnell wie möglich sein, ohne dabei seine Reifen zu ruinieren. Das heißt, der Fahrerfaktor ist wieder ein ganz großes Thema - und natürlich auch die Abstimmung. Dafür wird die Qualifikation ein bisschen entwertet, weil du mehr ans Rennen denken musst, was die Nutzung der Reifen angeht. Daher werden die Rennen wichtiger sein als die Qualifikationen, was in der Vergangenheit mit einem Stopp eher andersrum war."

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Wer hat die Nase vorn?

Red Bull Racing, Mercedes GP, Ferrari - alle wollen 2011 den Weltmeister-Titel. Video

Es gibt neue Reifen in der Formel 1 - und in der Vergangenheit haben wir schon oft erlebt, dass die Reifen einem speziellen Fahrertypen geholfen oder geschadet haben. Könnte vom Wechsel auf Pirelli zum Beispiel ein "Reifenflüsterer" wie Jenson Button profitieren oder ein Routinier wie Michael Schumacher?
Wenn du einen Reifen hast, der zu deinem Fahrstil passt, fühlst du dich wohler. Wenn du deinen Fahrstil wegen der Reifen umstellen musst, bist du nicht mehr du selbst. Das haben andere auch schon machen müssen. Als Alonso zum Beispiel von Michelin auf Bridgestone gewechselt ist, war er am Anfang eher ein Schatten seiner selbst, bis er sich wieder eingeschossen hatte. Schlussendlich ist es am besten, wenn du genau so fahren kannst, wie es dir dein Naturinstinkt vorgibt. Wenn du den Fahrstil umstellst, bist du immer noch schneller als viele andere, aber dieses Extra fehlt dann. Für dieses Extra braucht einer ein bisschen Übersteuern, ein anderer ein bisschen Untersteuern.

Kommen wir zum Kräfteverhältnis. Sie haben schon gesagt, dass Sie Red Bull und Ferrari vorne sehen. Im Vorjahr war Red Bull auf eine Einzelrunde überragend, Ferrari dafür sehr konstant. Gibt es solche Unterschiede auch 2011?
Bei den Tests hat man gesehen, dass Ferrari extrem darauf aus war, konstante Renndistanzen zu üben. Sie sind kaum schnelle Runden gefahren. Ich glaube, sie haben die Zeichen der Zeit erkannt, dass man die Qualifikation zwar auch meistern muss, aber die Renndistanz mit diesen Reifen wichtiger ist. Von der Vorbereitung her habe ich die Tendenz bemerkt, dass Ferrari mehr auf das Rennen schaut."

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Mit KERS-Power überholen

F1-Weltmeister Sebastian Vettel erklärt KERS und den neuen Heckflügel‎. Video

Formel-1-Experte Marc Surer (Foto: imago) Formel-1-Experte Marc Surer (Foto: imago)Michael Schumacher hat beim letzten Test 1:21.2 Minuten und damit absolute Bestzeit erzielt. Das einzuordnen, ist schwierig, aber Adrian Sutil hat gesagt, an diese Zeit wäre er im Force India nie und nimmer rangekommen. Force India ist für Mercedes nicht der Maßstab, aber das ist nach den anfangs eher durchschnittlichen Testergebnissen zumindest mal kein schlechtes Zeichen, oder?
Da stelle ich mir eher die Frage, wie schlecht der Force India ist. Perez im Sauber ist 1:21.7 Minuten gefahren. Wenn das die beste Runde von beiden war und Schumacher nur um eine halbe Sekunde schneller ist als ein Neuling, dann ist entweder Sauber so gut oder die Mercedes-Zeit doch nicht so sensationell. So gesehen fand ich diese Bestzeit nicht so überragend.

Wo sehen Sie Mercedes also?
Hinter den beiden Topteams.

Gemeinsam mit wem?
Renault.

Und McLaren?
Da muss man mal abwarten, bis sie ihre Probleme aussortiert haben. Ich sehe da Mercedes, Renault - und dann kommen eigentlich schon Williams und Toro Rosso.

Apropos Renault. Irgendwie findet Nick Heidfeld immer wieder ein Cockpit...
Er ist das Stehaufmännchen der Formel 1! Nick ist ein sicherer Wert. Er hat einen guten Ruf, was das Abstimmen angeht, und das ist ein ganz wichtiger Punkt. Deswegen hat ihn ja auch Sauber zurückgeholt. Außerdem weiß man: Er holt aus dem Auto raus, was drin ist. Er kennt die Pirelli-Reifen und man weiß mit ihm genau, wo man steht. Er war der einzig verfügbare Fahrer, von dem man das sagen konnte. Und er ist schon gegen viele Teamkollegen angetreten, sodass man ungefähr weiß, wie gut sein Speed ist. Es gab keinen besseren Ersatzmann für Renault.

Renault startete mit Bestzeiten in den Winter, dann fielen sie ein wenig zurück. Sie haben diesen neuen Frontauspuff. Man hört, dass dieses System sehr viel bringen kann, dass es aber auch Risiken birgt. Wie sehen Sie das?
Da sie dieses System von Anfang an drin hatten, gehe ich davon aus, dass sie ihre Probleme gelöst haben. Viel gefährlicher ist, kurzfristig noch etwas umzubauen. Sie haben alle Tests damit bestritten und mir wäre nicht aufgefallen, dass sie mehr Probleme hatten als andere. Sie scheinen das System im Griff zu haben. Dass sie am Schluss nicht mehr so mit Topzeiten aufgefallen sind, ist mir nicht entgangen - aber vielleicht ist das auch gewollt.

In den vergangenen Jahren gab es immer entscheidende technische Innovationen: Doppeldiffusor, F-Schacht, flexible Flügel, auspuffangeströmter Unterboden. Könnte dieser neue Frontauspuff, den nun einige nachbauen, das Thema 2011 werden?

Dadurch, dass es nur noch einen einfachen Diffusor gibt, ist die Bedeutung des Auspuffs gewachsen. Man versucht das zurückzuholen, was man ohne Doppeldiffusor verliert. Diese Tendenz gab es letztes Jahr schon. Der Red Bull war auch deswegen so überlegen, weil er genau dieses System angewendet hat. Außerdem war Red Bull das erste Team, das mit dem Motormanagement mitgeholfen hat, den auspuffangeströmten Unterboden zum Funktionieren zu bringen. Denn wenn der Fahrer Gas weggenommen hat, riss diese Strömung plötzlich ab, was zu Instabilität führte. Red Bull hat das kompensiert. Daher glaube ich, dass der Auspuff bei allen ganz wichtig geworden ist, weil dieses System definitiv Vorteile bringt - jetzt vielleicht sogar noch mehr, weil man den Doppeldiffusor nicht mehr hat.

Diese Frage muss sein: Wenn Sie Geld setzen müssten, auf wen würden Sie als Weltmeister 2011 tippen?
Auf Alonso. Ferrari hat im letzten Jahr eine Aufwärtstendenz gezeigt. Sie haben sich verstärkt, haben mit Pat Fry einen Ingenieur von McLaren geholt und mit Neil Martin den Strategen von Red Bull. Ich denke, dass sie gut aufgestellt sind.

Und Sebastian Vettel?
Auf Vettel tippen doch alle! Ich hoffe auch, dass er den Titel bestätigen kann. Wenn ein Team mal oben ist, bleibt es oft auch eine Weile oben. Das würde ich Sebastian gönnen, aber wenn alle auf ihn tippen, wäre mir das zu einfach...

Bei den Wintertests war er meistens schneller als Mark Webber. Vettel strotzt offenbar vor Selbstvertrauen...
Ich habe das Gefühl, dass er sehr relaxt an die Sache herangeht. Dass er schneller fahren kann als Webber, haben wir schon in der Vergangenheit gesehen. Er hat ein, zwei Zehntel drauf, die er Webber jederzeit überbraten kann. Das hat er aber nicht immer umgesetzt. Ich denke, das war die Verkrampftheit, der Druck. Der ist jetzt weg. Er fährt relaxter und schüttelt es einfach aus dem Ärmel."

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