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"Mit Geschwindigkeit geht alles" - Sebastian Steudtner im Portrait

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Mit Geschwindigkeit geht alles

23.03.2011, 16:30 Uhr | t-online.de, t-online.de

"Mit Geschwindigkeit geht alles" - Sebastian Steudtner im Portrait. Für Sebastian Steudtner ist Hawaii zur zweiten Heimat geworden. (Foto: sebastiansteudtner.de)

Für Sebastian Steudtner ist Hawaii zur zweiten Heimat geworden. (Foto: sebastiansteudtner.de)

Von Jan Vogel

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Extremsportler am Limit

Ob Schnee, Wasser oder Luft: Im Film "Playgravity 2" gehen Steudtner und Co. an ihre Grenzen. Video

Big-Wave-Surfer Sebastian Steudtner ist mit dem Auto auf dem Weg zur Reha in Nürnberg. Eine Surf-Verletzung, die erste seit Jahren, ist der Grund. Der 25-Jährige hat sich eine Kapsel im kleinen Finger gedehnt. Steudtner muss lachen, als er davon erzählt. Er surft 25 Meter hohe Wellen und was trägt er davon? Eine Bänderdehnung. Im kleinen Finger.

Früher war Steudtner Windsurfer, aber schnell stellte er fest: Er braucht Adrenalin und Geschwindigkeit - ohne viel Schnickschnack. Surfen ist für ihn kein Funsport mit Luftsprüngen und Tricks, die erbrachte Leistung muss messbar sein. So ist ihm die Willkür von Jurys ein Gräuel. "Damit wollte ich meine Zeit nicht verbringen", sagt er heute. Also hörte er mit dem Windsurfen auf. Nur Speed-Windsurfen geht er von Zeit zu Zeit - das sei "ganz in Ordnung".

Sich in haushohe Brecher zu stürzen, war für den gebürtigen Esslinger damals eine rein logische Entscheidung. "Sport und das Element Wasser waren immer schon Dinge, die mich fasziniert haben", sagt er. "Außerdem fahre ich schon lange Skateboard und Snowboard. Das alles hat sich im Surfen ganz natürlich zusammengefügt."

Wenn, dann richtig

Als junger Teenager liest Steudtner in einem Surfmagazin von einem Sportinternat auf Maui. "Dann habe ich das gemacht", sagt er lapidar und klingt dabei wie jemand, der weiß, was er will. "Wenn ich etwas mache, dann zu hundert Prozent. Ich wollte dahin, wo es die besten Voraussetzungen gibt."

Hawaiis Schule der harten Schläge

Dort, wo pompöse Villen der Surfstars direkt neben den maroden Hütten der Einheimischen stehen, kommt Steudtner bei einer einflussreichen hawaiianischen Familie unter. Ein Glücksfall, denn im Gegensatz zum Wetter ist das gesellschaftliche Klima innerhalb der Surfszene Hawaiis mehr als rau. Konflikte enden nicht selten in körperlicher Gewalt.

"Der Rassenkonflikt ist immens", sagt Steudtner. "Surfen ist eine weiße Sportart geworden, die einheimischen Hawaiianer wurden verdrängt. Dabei gehört ihnen der Sport, sie haben ihn erfunden. Ihr Ärger ist also mehr als verständlich. Von der Vermarktung und dem Geld, das mit dem Surfen gemacht wird, sehen sie gar nichts. Anders gesagt: Man hat ihnen ihren Sport geraubt."

Der Deutsche wird von der einheimischen Szene akzeptiert, ganz im Gegensatz zu den vielen Surftouristen vom europäischen und amerikanischen Festland. Er kann sich von Anfang an voll auf seinen Sport konzentrieren.

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Ein Ritt auf der Riesenwelle

Der deutsche Surfer Sebastian Steudtner gewinnt als erster Europäer den Big Wave Award. Video

Die Arroganz der Paddler

Er muss dennoch lernen, sich durchzusetzen. Besonders bei den Traditionalisten unter seinen Kollegen, die meinen, dass man nur als Hawaiianer,  Amerikaner oder Australier ein "wahrer" Surfer werden kann. Also als jemand, der von Geburt an am Meer aufgewachsen ist.

"Am Anfang haben sie mich ausgelacht, als ich gesagt habe, dass ich große Wellen surfen will", sagt Steudtner. "Später haben sie mich gehasst, weil ich es geschafft hatte. Da widerlegte ich, dieser Deutsche, plötzlich alles, für was sie stehen und was sie predigen."

Die alte Liebe "Jaws"

In Maui, dem Ort mit den besten Voraussetzungen - praktisch vor Steudtners Haustür - bricht die berühmte Riesenwelle "Jaws". Sie wird die erste wirklich große Welle, die er surft. "Ich verbinde sehr viel mit ihr, sie ist etwas Vertrautes für mich", sagt er so, als spreche er von einer Jugendliebe.

"Niemals" antwortet er auf die Frage, ob er schon mal wirkliche, existenzielle Angst gespürt habe. Panik bei einem Sturz kenne er nicht. "Im Wasser fühle ich mich immer wohl", erklärt er und meint es wohl auch genau so, wie er es sagt. "Es ist schwer zu beschreiben, aber Wasser gibt mir immer ein Gefühl von Geborgenheit."

Achillesferse Höhenangst

Schließlich gesteht Steudtner, dass er doch manchmal richtig Angst hat. "Wenn ich klettern gehe, dann komme ich nur bis auf zehn Meter hoch", sagt er. "Ab dann vertraue ich dem Seil nicht mehr oder bekomme Angst davor, dass der Griff mich nicht mehr hält." Dass dieser Mann in diesen Dimensionen unter Höhenangst leidet, überrascht im ersten Moment. Schließlich sind die Wellen, auf denen er reitet, fast dreimal so hoch.

Doch eigentlich ist es wieder ganz logisch. "Beim Surfen von großen Wellen oder beim Skifahren vom Gletscher ist man in Bewegung und befindet sich sozusagen nicht dauerhaft an einer Schwelle", erklärt er. "Und mit Geschwindigkeit geht alles. Wenn ich mit 20 km/h den Berg hochrennen könnte, hätte ich auch keine Höhenangst."

Steudtner ist gewillt, sich dieser Angst zu stellen: Fallschirmspringen, Basejumping und Houserunning hat er schon gemacht. Da müsse man das Vertrauen nur für einen kurzen Moment aufbauen, und nicht aufrecht erhalten, sagt er. "Das fand ich harmlos."

Kein PR-Firlefanz

Steudtner ist Purist, Leistungssportler durch und durch. Ihn stört die porentiefe Kommerzialisierung des Surfens. Kürzlich surfte ein Kollege eine Riesenwelle bei Nacht - mit Leuchtdioden am Brett, unter dem Scheinwerfer eines Helikopters. Sowas sei nichts für ihn, betont Steudtner. Eine reine PR-Geschichte, sagt er, ohne sportlichen Wert.

Doch letztlich profitiert er auch vom Medienrummel. Kaum ein anderer deutscher Extremsportler bekam in den letzten zwei Jahren so viel mediale Aufmerksamkeit wie er. Das Geld, das Steudtner mit dem Sport verdient, "reicht zum leben", sagt er. Wenn er einen Ritt plant, mietet er sich das nötige filmische Equipment. "Eine eigene Kamera und einen Helikopter, das kann man sich schwer leisten", lacht er.

Vom Skifahren lernen

Wenn Steudtner nicht in Hawaii ist, trainiert er mit Methoden aus dem Wintersport. "Ich habe mich immer an Skifahrern orientiert", erklärt er. Koordination, Gleichgewicht, Stabilität - die Gemeinsamkeiten im Training seien zahlreich.

Es verwundert nicht, dass Steudtner den Skifahrer Hermann Maier als großes Vorbild seiner Kindheit bezeichnet. Der "Herminator", der Kämpfer, der personifizierte Ehrgeiz, gewann in seiner Karriere alles, was es im Skisport zu gewinnen gibt – und stand nach Rückschlägen immer wieder auf. Steudtner bewunderte Maier für dessen unbändige Willenskraft.

Doch um das Ansammeln von Titeln ginge es ihm nicht. "Ich habe mich nie darüber definiert, welchen Preis ich gewinne, sondern welche Leistung ich bringe", sagt er. "Mich würde keiner kennen, wenn ich genug Geld hätte, um es mir zu ermöglichen, dass ich mich nur auf den Sport konzentrieren könnte."

Nach der besten Leistung ist Schluss

Die zukünftigen Ziele des Billabong XXL-Award-Gewinners sind klar definiert. "Ich will mich zu hundert Prozent auf den Sport konzentrieren", sagt er. "Ich will an dem Punkt ankommen, an dem ich sagen kann: Ich habe die beste Leistung erbracht, die mir möglich ist." Dann, wenn er das erreicht hat, will er mit dem Tow-In-Surfen aufhören, sagt er. "Dann wird der Reiz weg sein."

Steudtner wird sich einen Job suchen, einen, der nichts mit dem zu tun hat, was er im Moment hauptsächlich macht. "Das Surfen ist das, was ich liebe", sagt er. "Dann gehe ich nur noch in meiner Freizeit ab und zu raus aufs Meer." Immerhin, das ist noch Zukunftsmusik. Im Hier und Jetzt schmerzt immer noch der kleine Finger.

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