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"KLITSCHKO" - Das Filmspecial auf t-online.de

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"Die intelligentesten Schwergewichtler der Box-Geschichte"

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"KLITSCHKO" - Das Filmspecial auf t-online.de. Wladimir Klitschko (Foto: imago)

Wladimir Klitschko (Foto: imago)

"DIE ZEIT" bezeichnete Hartmut Scherzer (72) als den Doyen unter den deutschen Sportjournalisten. Vielfach ausgezeichnet, berichtet er seit 1960 von allen großen Sportereignissen, so von unzähligen Boxkämpfen, Fußballweltmeisterschaften, Olympischen Spielen und der Tour de France. Über die Kämpfe der Klitschkos berichtet er für circa 20 deutschsprachige Zeitungen, darunter auch für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Das folgende Interview ist in Auszügen das für den Film gedrehte Gespräch zwischen Regisseur Sebastian Dehnhardt und Hartmut Scherzer.

Wie sind Sie das erste Mal auf die Klitschkos aufmerksam geworden und wie war Ihr Eindruck?

Zum ersten Mal bewusst bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta. Gesehen habe ich sie schon vorher, '95 bei den Weltmeisterschaften in Berlin.

Es waren Kolosse, die alle ihre Gegner überragten, und dann diese Figuren, die wie Herkules und Adonis aussahen. Man konnte sich für sie begeistern. Und mir war klar, dass alle Promoter nur darauf lauerten, sie als Profis unter Vertrag zu nehmen – zumal im Doppelpack. Es war ja nicht nur einer, sondern gleich zwei von dieser Statur.

Die Klitschkos kamen daher wie Naturgewalten. Da war mir klar, die haben das Zeug, die werden Weltmeister, entweder beide oder auf alle Fälle einer. Das war schon zu Beginn klar, dass die nicht aufzuhalten sein werden.

Würden Sie uns das Verhältnis der verschiedenen Boxverbände zu ihren Champions erklären?

Der älteste, traditionellste ist die WBA, World Boxing Association, die schon in der Vorkriegszeit als National Boxing Association Amerika zuständig war. Der zweitälteste ist der WBC, der World Boxing Council. Aus diesem Verband haben sich dann einige selbstständig gemacht, woraus die IBF, International Boxing Federation, entstand. Als letzte entstand dann 1988 die WBO, die World Boxing Organisation.

Mittlerweile ist es so, dass die Champions im Grunde genommen den Verbänden ihren Wert geben. Wenn ein angesehener Verband keine charismatischen Champions hat, dann kann man den Verband nicht als wichtig ansehen. WBO und IBF, die jüngsten, haben Wladimir Klitschko als Champion, also haben sie Renommee.

Wie würden Sie den Stil der Klitschkos bezeichnen?

Vitali hat einen unorthodoxen Stil. Sein Bruder sagt, er ist ein grauenhafter Stilist. Vitali kann man überhaupt nicht einschätzen, er kämpft wie ein Cowboy. Bei ihm baumeln die Fäuste an der Hüfte, und dann zieht er einfach durch. Er zermürbt seine Gegner mehr mit seinem Stil, und er hat selbst jetzt, obwohl er schon 39 ist, eine sagenhafte Reaktion, tolle Reflexe. Er vermeidet Schläge nicht durch Deckung, sondern allein mit seinen Reflexen. Und er hat einen ganz eigenartigen Boxstil, ein Stil, den kein Trainer irgendjemandem beibringen würde.

Wladimir dagegen ist ein klassischer Stilist, er schlägt einen einmaligen linken Jab, also die linke Führhand, mit der er den Kampf und auch den Gegner total unter Kontrolle hat. Das ist sein bester Schlag. Er schlägt natürlich auch mit der Rechten, aber die kommt eher zögerlich. Wladimir boxt sehr intelligent und letztendlich hat das auch mit seinen beiden K.o.-Niederlagen zu tun, die sind in seinem Kopf festgesetzt. Er boxt sehr vorsichtig, bei ihm wird das Boxen zum Schachspiel. Er benutzt seine Intelligenz und geht kein Risiko ein.

Sie haben früher selbst geboxt. Entstand dadurch die besondere Liebe zum Boxsport und Ihr Respekt vor Boxern?

Ich hatte immer die Hosen voll. Ich hatte zwar Talent und war gut im Training, aber dem Kampf selbst war ich psychisch nicht gewachsen. Aus dieser Erfahrung weiß ich, welche psychische Belastung das ist. Jeder Boxer, der ein kleines bisschen Grips hat, muss erst mal sich selbst besiegen, ehe er den Gegner besiegt. Das hat mich fasziniert, und deswegen habe ich einen Heidenrespekt vor jedem Boxer, der in den Ring geht. Und aus diesem Grund ist das Boxen von allen Sportarten, über die ich schreibe, diejenige, vor der ich am meisten Respekt habe.

Was ist das besondere am Boxen, wieso übt dieser Sport so eine Faszination für Filmemacher und Schriftsteller aus? 

Es gibt keine Sportart auf der Welt, die so oft Filmstoff hergegeben hat wie das Boxen. Sei es jetzt biografisch oder fiktiv. Und es gibt keine Sportart, die die großen Schriftsteller so magisch angezogen hat wie das Boxen, ob das Hemingway war, Norman Mailer, Berthold Brecht oder Budd Schulberg. Schulberg war eine Autorität, er hat diese beiden großen Boxerromane geschrieben, "The Harder They Fall" der dann mit Humphrey Bogart verfilmt wurde, und "On the Waterfront", der mit Marlon Brando verfilmt wurde.

Budd Schulberg und Norman Mailer habe ich in Kinshasa beim "Rumble in theJungle" zwischen Ali und Foreman persönlich kennengelernt. Da fällt mir eine nette Anekdote über Wladimir ein: Als er seinen ersten Kampf in Las Vegas hatte, hat er an einem Freitag in einem schäbigen Casino für 500 Dollar geboxt. Und am nächsten Abend nach dem Kampf Holyfield gegen Lewis gehe ich zu Budd Schulberg und sage, "Hey Budd", da war er 85 Jahre alt, "was hast du von dem Kampf gehalten, Holyfield gegen Lewis"? Da sagt er, "Holyfield ist ein Champion der Vergangenheit, dem läuft die Zeit davon. Und Lewis ist 'a lazy fighter'. Aber den Weltmeister des 21. Jahrhunderts, den habe ich gestern Abend gesehen, diesen Wladimir Klitschko. Der schlägt jetzt schon eine bessere Linke als Lennox Lewis. Das wird der nächste Champion". Das war 1998, da war Wladimir ganz jung.

Wie schwer war es für Wladimir, nach seinen Niederlagen wieder aufzustehen und weiter zu machen?

Ich habe für ihn die größte Bewunderung. Das sind für mich die wahren Champions, die mal schwer k.o. gingen und zurückkommen, die ein schweres Tief durchgehen mussten und die Größe hatten, zurückzukommen. Wie auch Joe Louis, der gegen Max Schmeling derart schwer k.o. gegangen ist und zurück kam und ein großer Champion wurde.

Wird der entscheidende Kampf David Haye gegen Wladimir Klitschko um den letzten fehlenden Weltmeistergürtel nun diesen Sommer stattfinden?

Haye, der amtierende WBA-Weltmeister, kann nicht dauernd tönen und diese geschmacklosen Fotos mit den abgehackten Köpfen der beiden Klitschkos zeigen und dann zwei Mal absagen, also kneifen. Er kann sich auf die Dauer nicht verstecken. Wenn er überhaupt ernst genommen werden will, muss er sich den beiden stellen. Da kommt er gar nicht dran vorbei.

Ich würde sagen, dass David Haye sowohl gegen Vitali als auch gegen Wladimir k.o. ginge.

Ist die Intelligenz der Klitschkos im Boxring ein entscheidender Vorteil?

Diese Kombination von Kraft und Kultur, von Vernichtungswillen und Intelligenz, diese ganzen Komponenten zusammen sind natürlich ein großer Vorteil, aber sie sind die Ausnahme. Max Schmeling beispielsweise war nicht so intelligent wie die Klitschkos. Die beiden haben eine andere Intelligenz. Für mich sind die beiden Klitschkos die intelligentesten Schwergewichtler in der Geschichte des Boxsports.

Muhamad Ali hatte Charme, Bauernschläue, Bauernwitz und er war schlagfertig. Aber er war nicht intelligent im Sinne von viel wissen oder zu philosophischen Ansätzen zu kommen. Die Philosophie der beiden Klitschkos, die gibt es nie wieder.

"Klitschko" - Der Film (Foto: Majestic) "Klitschko" - Der Film (Foto: Majestic)

Warum werden Vitali und Wladimir niemals gegeneinander kämpfen?

Die leidige Frage in jeder Pressekonferenz, sei es bei Vitali oder bei Wladimir, ist: Wann boxt ihr gegeneinander? Aber diesen Kampf "Kain gegen Abel", den gab es nur in der Bibel, den wird es in der heutigen Boxgeschichte nicht geben. Erstens will es ihre Mutter nicht und zweitens: In der Vergangenheit, als sie noch Amateure waren, haben sie in Kiew im Sportclub zusammen trainiert, also gegeneinander geboxt. Vitali hat sich dabei einmal die Hand verletzt und Wladimir hat sich, nicht durch irgendwelche Schlageinwirkung, nur durch einen Rückschritt eine Knieverletzung zugezogen, die ihn zehn Monate außer Gefecht gesetzt hat. Und als er zum ersten Mal wieder zum Training in den Armeesportclub von Kiew kam, da haben die beiden Brüder sich geschworen: Wir werden – auch im Training – nie mehr gegeneinander boxen, weil das nur Unglück bringt. Vitali hat gesagt: Gott will das nicht.

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