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Die Klassifizierungen im Behindertensport

24.08.2011, 12:27 Uhr | t-online.de, DBS

Die Klassifizierungen im Behindertensport. Im Behindertensport gibt es etliche Klassifizierungen und Schadensklassen. (Quelle: imago)

Im Behindertensport gibt es etliche Klassifizierungen und Schadensklassen. (Quelle: imago)

Klassifizierungssysteme gibt es im Leistungs- und Wettkampfsport der behinderten sowie der nichtbehinderten Sportler. Durch die Klassifizierung sollen alle Menschen zur aktiven Teilnahme am Wettkampfsport motiviert werden, auch die, die aufgrund körperlicher Nachteile keine Chance auf eine erfolgreiche Teilnahme hätten. Ziel der Klassifizierungssysteme ist, die Teilnehmer und Teilnehmerinnen einer Sportart in ähnliche Gruppen zusammenzufassen, so dass die Leistungen untereinander vergleichbar werden. Die Chance auf faire und spannende Wettkämpfe soll gewährleistet sein.

Viele unterschiedliche Handicaps

Nun sind die Handicaps, die Menschen mit einer Behinderung beim Sporttreiben haben, ungleich größer und vielfältiger als bei denen ohne Behinderung. Sehgeschädigte und blinde Sportler/innen haben ein anderes Handicap als Sportler/innen mit Körperbehinderungen. Athleten/innen mit Behinderungen der Beine benutzen Prothesen oder einen Rollstuhl beim Sport. Selbst die Sportler/innen mit Behinderungen der Arme bilden eine inhomogene Gruppe, auch wenn die Beine bei allen voll funktionsfähig sind.
Des weiteren gibt es noch die Gruppe der Athlet/innen mit cerebraler Parese, bei denen die Koordination der Muskeln gestört ist.

Die Vielfalt der Behinderungsarten und Behinderungsformen hat zur Auswahl spezifischer Sportdisziplinen und zur Anwendung eigener Klassifizierungssysteme geführt.

Generell unterscheidet man bei der Klassifizierung drei Arten:

1. Nach Art der Behinderung ausgehend von der ärztlichen Diagnose:


Behinderung

Anzahl der Klassen

Amputationen

9

Blinde und Sehbehinderte

3

Cerebrale Parese

8 (4 sitzend, 4 stehend)

Mentale Behinderung

1 (IQ bis 70)

Rollstuhlfahrer/innen

8

Hörbehinderung

1 (Grenzwert 55 Dezibel)

2. Nach Ausmaß der Funktion ausgehend von der Sportart und der Fähigkeit des Einzelnen, trotz Behinderung diese Sportart auszuüben (z. B. Schwimmen, Tischtennis, Ski alpin und nordisch, Radfahren, Schießen, etc.). Durch dieses integrative System gibt es verschiedene Behinderungsformen in einer Klasse.
Die funktionelle Klasse wird durch sportspezifische Testreihen erhoben und durch Beobachtungen im Wettkampf überprüft. Der Vorteil der funktionellen Klassifizierung besteht im gemeinsamen Antreten von Athlet/innen verschiedener Behinderung in einer Sportart.

3. Nach dem Handicap: numerische Bezifferung des Funktionsverlustes, mit dem die sportliche Leistung eingeschätzt wird, das heißt gemeinsames Starten mit nur einem Sieger aus allen Klassen (z. B. Ski im Behindertensport als Vorbild).
Gefahr: guter Trainingszustand wird unter Umständen bestraft!

Die Klasseneinteilung nach Behinderungsarten:

Amputationen

A1

beidseitige Oberschenkelamputation

A2

einseitige Oberschenkelamputation

A3

beidseitige Unterschenkelamputation

A4

einseitige Unterschenkelamputation

A5

beidseitige Oberarmamputation

A6

einseitige Oberarmamputation

A7

beidseitige Unterarmamputation

A8

einseitige Unterarmamputation

A9

kombinierte Amputation oberer und unterer Extremitäten (einseitig oder diagonal)

Blinde und Sehbehinderte

B1

Vollblind: Keine Lichtempfindung in beiden Augen bis zur Lichtempfindung, aber unfähig eine Handbewegung wahrzunehmen in irgend einer Entfernung oder
Richtung. Müssen sichtundurchlässige Brille tragen!

B2

Schwerst Sehbehindert: Von der Fähigkeit, die Handbewegungen wahrzunehmen, bis zu einem Sehrest von 2/60 und einer Gesichtsfeldeinschränkung von weniger als
5 Grad (sämtliche Einteilungen erfolgen am besseren Auge und bei bestmöglicher Korrektur).

B3

Sehbehindert: Von der Sehschärfe von 2/60 bis zu 6/60 und/oder einer Gesichtsfeldeinschränkung von 5 bis 20 Grad (sämtliche Einteilungen erfolgen am besseren Auge und bei bestmöglicher Korrektur).

Cerebralparese (CP)

Sitzende Klassen

CP1

schwerste Behinderung aller 4 Extremitäten = Tetraspastik, benötigen Elektro-Rollstuhl zur Fortbewegung

CP2

schwere spastische Behinderung aller Extremitäten, selbstständige Rollstuhlfortbewegung mit Händen oder Füßen auf kurzen Strecken möglich

CP3

Komplette Lähmung der Beine, Arme mit ausreichender, aber eingeschränkter Funktion, instabiler Rumpf, können ohne Probleme einen Handrollstuhl bedienen

CP4

Beinahe normale Armfunktion, keine oder unzureichende Gehfähigkeit, gute Rumpfstabilität

Stehende Klassen

CP5

Beeinträchtigung der Beine = Diplegie, benötigen meist Gehhilfen zum Gehen

CP6

Bewegungsunruhe der Arme und des Gesichtes mit Gleichgewichtsstörung = Athetose, Ataxie

CP7

Halbseitenlähmung rechts oder links = Hemiplegie, meist starkes Hinken

CP8

Minimale Beeinträchtigung, leichte Di- oder Hemiplegien, leichte Athetosen, oft koordinative Störungen

Rollstuhlfahrer/innen

Querschnittlähmungen, Spina Bifida und Poliomyelitis sind die häufigsten Ursachen. Die Einteilung erfolgt nach dem Wirbelsegment, unterhalb dem die Lähmung besteht. Je nach Sportart gibt es vier bis maximal acht Klassen. Die Unterteilungen erfolgen je nach den besonderen Ansprüchen der Sportart.
Man unterscheidet
- Lähmungen der Halswirbelsäule (C5-C8), wobei immer auch Arme und Hände betroffen sind (Tetraplegie)
- Lähmungen der Brustwirbelsäule (TH1-TH12) mit unterschiedlicher Instabilität des Rumpfes, aber normaler Armfunktion (Paraplegie)
- Lähmungen im Lendenbereich mit Ausfällen in den Beinen, aber guter Rumpfstabilität (L1-S2) (Paraplegie)

Mentale Behinderung

Startberechtigt in dieser Klasse sind Menschen mit geistiger Behinderung, Down Syndrom, Lernbehinderung, Verhaltensstörungen, etc., die einen IQ von unter 70 aufweisen.
Derzeit gibt es trotz der großen Bandbreite an Behinderungsformen nur eine Klasse, es wird aber an neuen und gerechteren Klassifizierungssystemen gearbeitet.

Hörbehinderung

Gehörlosigkeit mit einem Hörverlust von mindestens 55 Dezibel auf dem besseren Ohr, Sportler/innen dürfen bei der Sportausübung keine Hörgeräte tragen.
Diese Behinderungsgruppe ist weltweit separat im eigenen Gehörlosensportverband (CISS Comité International des Sports des Sourds) organisiert, und führt ihre eigenen Weltspiele (Deaflympics) durch. Daher ist diese Gruppe bei den Paralympics nicht integriert.


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