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Sebastian Vettel: Vom Gejagten zum Jäger

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Formel 1 - GP von Deutschland  

Die Dominanz von Sebastian Vettel ist weg

25.07.2011, 06:58 Uhr | t-online.de

Sebastian Vettel: Vom Gejagten zum Jäger. Sebastian Vettel hat ein enttäuschendes Wochenende hinter sich. (Foto: dpa)

Sebastian Vettel hat ein enttäuschendes Wochenende hinter sich. (Foto: dpa)

Vom Nürburgring berichtet Elmar Brümmer

Die Formel 1 spielt Renn-Quintett: Vier verschiedene Sieger in den letzten vier Rennen. Das klingt nicht nur aufregend – das ist es auch. Selbst wenn Sebastian Vettel den Fluch des Heim-Grand-Prix auf dem Nürburgring wieder nicht los geworden ist. Lewis Hamilton war ein würdiger Vertreter, und der Titelverteidiger aus Heppenheim nimmt mit dem vierten Platz trotzdem eine Erkenntnis mit, die auch allen seinen Fans Mut für die zweite Saisonhälfte macht.

Er kann nicht bloß seine Position verteidigen, wenn er vorne weg fährt – Vettel ist auch in der inzwischen beinahe ungewohnt gewordenen Jäger-Rolle immer noch eine erstklassige Besetzung.

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"Sebastian kann nicht immer perfekt sein"

Erstmals in diesem Jahr nicht in der ersten Startreihe gewesen, erstmals in dieser Saison schlechter als Platz zwei und nicht auf dem Podium. Der Begriff "schlechtestes Saisonergebnis“ muss explizit in Anführungszeichen gesetzt werden. Trost in dieser Hinsicht kommt von Hamilton, dem Mann mit den spektakulärsten Manövern des Tages: "Man kann von Sebastian nicht erwarten, dass er immer perfekt ist. Er hat viele Rennen gewonnen. Es ist für jeden leicht ihn für dieses eine Rennen zu kritisieren, aber er ist seit einiger Zeit außergewöhnlich konstant. Er wird sicher zurückschlagen, vielleicht war das nur ein einmaliger Ausrutscher."

Red-Bull-Teamchef Christian Horner hat seinen Schützling selten so enttäuscht gesehen wie in der Eifel. Vor der Sommerpause spitzt sich die WM noch mal zu: "Es ist interessant. Ein Wochenende ist Ferrari vorn, ein Wochenende McLaren – und der konstante Faktor ist Red Bull an der Spitze.“

Massa noch kassiert

Der gewonnene Showdown in der vorletzten Runde gegen Felipe Massa ist nicht nur in der Box entschieden worden. Vettel hat dem Brasilianer eine gefühlte Ewigkeit im Genick gesessen, er hat mit Einschränkungen bei Bremsen und Reifen zu haushalten gewusst – und er ist vor allem ruhig geblieben. Das muss die Erfahrung aus dem letzten WM-Finale sein. Erst in der Einfahrt der Boxengasse fuhr er bis auf Zentimeter ans Ferrari-Heck heran, im Zusammenspiel mit seiner ultraschnellen Mechanikertruppe vermasselte er Massa ganz locker die Tour. Ein kleiner Sieg im Rennen, ein großer fürs Ego.

Bei immer noch 77 Punkten Vorsprung auf Kollege Mark Webber in der Fahrer-Weltmeisterschaft erscheint der Unterschied von zwei Zählern zwar zu vernachlässigen, aber Vettel bleibt Zweckpessimist – und natürlich wird er diesen Großen Preis von Deutschland dazu benutzen, vor vorschnellen Titelvorhersagen zu warnen. Gezeigt hat er in der entscheidenden Phase des Rennens deutlich, wie clever und smart er ist.

"Vierter Platz kein Desaster"

Und hungrig. Am Ende war er am Ring wieder der Schnellste im Feld. Eine verrückte Achterbahnfahrt, aber passend zu seiner Gesamtbeurteilung, dass er sich am zehnten Grand-Prix-Wochenende des Jahres nie richtig wohl gefühlt habe. Irgendwie kalt erwischt, auch wenn die Hinterradbremsen zwischenzeitlich heiß gelaufen sind. Erklären kann er sich den so großen Rückstand auf die Top Drei nur so: "Es war, als hätten die plötzlich einen Turbo gezündet – ich konnte nicht mithalten. Ein komisches Rennen.“ Mit dem zwischenzeitlichen Dreher schien alles vorbei, aber die Vokabel aufgeben gehört nicht in sein Wörterbuch. Die ehrliche Analyse schon: "Der vierte Platz ist kein Desaster. Aber ich glaube, ich kann damit nicht zufrieden sein. Es hat der gewonnen, der es verdient hat. Wir müssen schauen, dass wir da wieder hinkommen.“

Und dann kommen wieder die Sätze aus dem Handbuch für Rennfahrer, die vor der Zielflagge nichts und niemand trauen: "Man muss sehen, dass die anderen auch hart arbeiten. Da dürfen wir nicht nachlassen und müssen sehen, dass wir mitziehen. Es kann noch sehr viel passieren. Es gibt Rennen, wo alles läuft. Bei anderen eben nicht.“ Das Kontrastprogramm gibt es vielleicht schon am Wochenende in Ungarn. Garantiert ist dort eins: es wird in vielerlei Hinsicht ein heißer Tanz!

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