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Behindertensport: Handicap-Ruderer Johannes Schmidt startet voll durch

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Johannes Schmidt startet voll durch

31.08.2011, 18:05 Uhr | dapd

Behindertensport: Handicap-Ruderer Johannes Schmidt startet voll durch. Handicap-Ruderer Johannes Schmidt schaffte es ins Halbfinale. (Quelle: dapd)

Handicap-Ruderer Johannes Schmidt schaffte es ins Halbfinale. (Quelle: dapd)

Johannes Schmidt ist überrascht. Von sich und von der Hektik, die sich nach seinem überraschenden Halbfinaleinzug bei der Ruder-WM plötzlich um ihn herum entfaltet. Vor wenigen Tagen war der körperlich Behinderte ein völlig Unbekannter, plötzlich ist der 29-Jährige die größte Hoffnung der deutschen Handicap-Ruderer. Nicht nur, was seine Leistung angeht, die jetzt schon über den Erwartungen liegt - viel wichtiger ist die Aufmerksamkeit: "Rudern ist ja per se schon eine Randsportart, da werden die Sonderbereiche wie das Handicap-Rudern kaum noch wahrgenommen."

"Bloß nicht nervös machen lassen"

Besonders viel hatte er nicht erwartet, als er zu Wochenbeginn in die WM startete - seine internationale Karriere hatte schließlich erst im Mai so richtig begonnen, außerdem war da noch dieses knallharte Feld, gegen das er antreten musste. Der bullige Ukrainer Andrii Kryvchun, der immer in die Medaillenränge rudert und der starke Neuseeländer Daniel McBride, Bronzemedaillengewinner bei der WM 2010. "Bloß nicht nervös machen lassen", hat sich Schmidt immer wieder vorgesagt. Nicht, als der Brasilianer Luciano Luna de Oliveira auf den ersten 500 Metern des Vorlaufes "wie der Teufel" losgespurtet ist, "als ob er uns eine Minute abnehmen wollte". Auch nicht, als der Rest des Feldes zwischenzeitlich mehr als eine Bootslänge weg war. Am Ende hat es sich ausgezahlt, Schmidt wurde Zweiter, die Überraschung war perfekt. Jetzt wartet das Halbfinale.

Am nächsten Tag zieht Schmidt seine Bahnen im Bleder See, Training ist angesagt. Immer wieder geht es vorbei an der Insel in der Mitte, für die pittoreske Kirche darauf hat der Offenbacher keinen Blick. Kraftvoll taucht er das Ruder ins Wasser, von weitem ist sein Boot kaum von einem der vielen anderen Boote zu unterscheiden. Erst als Schmidt näherkommt, werden die Unterschiede deutlich: zur Kraftübertragung kann er nur Arme und Schultern nutzen, seine Beine sind unbeweglich. Um die Balance des Bootes zu halten und ein Kentern zu verhindern, sind an den Seiten kleine Schwimmer angebracht - das Ganze sieht ein bisschen wie ein Katamaran aus.

Der Sport ist ihm wichtiger

"Puschi" Vogel hilft Schmidt beim Aussteigen aus dem Boot. Am Steg steht bereits sein Rollstuhl, mit geschickten Bewegungen lässt sich Schmidt in die Polster fallen. "2008 hatte ich einen Unfall" sagt er, damit ist das Thema beendet. Er ist keiner, der sich selbst produziert: "Es geht nicht um mein Handicap". Wichtiger ist ihm der Sport: "Wir haben sehr viel in die Technik investiert. Ich klappe zum Beispiel meine Ruderblätter nicht ab - das ist viel effektiver, weil mein Handicap mir ohnehin nur einen kurzen Kraftweg erlaubt." Ein Grund für das gute Abschneiden des Leichtgewichts gegen seine teils deutlich schwereren Gegner.

Gerudert ist Schmidt fast sein ganzes Leben lang. Mit zehn hat er die ersten Schläge im Verein getan, später war er sogar auf dem Sprung in die U-23-Nationalmannschaft. "Ein Fußballspiel ist mir damals in die Quere gekommen - Fuß gebrochen, Chance verpasst." Heute kann er darüber schmunzeln, damals war es das vorläufige Karriereende. Ein paar Jahre hat er als Trainer weitergemacht, seine Ingenieurskarriere war ihm aber wichtiger. Nach dem Unfall hat er nicht einmal daran gedacht, jemals wieder zu rudern. "Ein bisschen Handbike und Basketball, das war alles. Und ganz ehrlich, der Ball und ich waren keine guten Freunde."

"Den Ergometer umgebaut und losgemacht"

"Irgendwann saß ich zuhause und habe gemerkt, dass ich meine Hose nicht mehr zukriege", beschreibt er den Moment des Umdenkens. "In der Garage stand noch mein alter Ergometer - ich habe dann die Fahrräder beiseite geräumt und das Ding so auseinandergenommen, dass ich damit trainieren konnte." Da saß er nun, im Rollstuhl vor dem Ergometer und merkte: "Nach zehn Minuten war ich komplett platt, am liebsten wäre ich zurück ins Haus geflüchtet." Dann packte ihn der Ehrgeiz: "Ich dachte mir: Wenn du jetzt wieder reingehst, lachen dich alle aus." Als er sich hinterher müde und glücklich ins Haus zurückrollte, war das alte Gefühl wieder da - Schmidt musste jetzt rudern.

"Ich habe mich dann nach Zuschüssen umgesehen, Mails geschrieben. Thomas Böhme hat irgendwann gesagt: Mach bei uns mit, ich brauche noch jemanden für den Einer." Der Cheftrainer im Handicap-Bereich des Deutschen Ruderverbandes (DRV) hatte den perfekten Mann gefunden: Schmidt setzte sich in der nationalen Konkurrenz durch, seinen ersten Weltcup Ende Mai 2011 beschloss er auf einem beachtlichen elften Platz. Drei Monate später ist noch viel mehr drin für den Verfahrenstechniker: "Ich rudere von Ziel zu Ziel, aber die Paralympics wären natürlich ein Traum." Bei aller Tiefstapelei ist der Weg nach London indes nicht mehr weit: Ein achter Platz reicht Schmidt bei der WM - Power genug für einen Endspurt hat er allemal.

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