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Pistorius ist Fluch und Segen

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Pistorius ist Fluch und Segen

17.09.2011, 13:04 Uhr | sid

Pistorius ist Fluch und Segen . Oscar Pistorius sorgt für mächtig Wirbel in der Leichtathletik-Szene. (Quelle: imago)

Oscar Pistorius sorgt für mächtig Wirbel in der Leichtathletik-Szene. (Quelle: imago)

Oscar Pistorius darf niemals gewinnen, so viel steht fest. Der Blade Runner ist für die Leichtathletik wie für den Behindertensport nämlich Fluch und Segen. Der Stelzensprinter hat sich bei der WM in Daegu in die Herzen der Sportfans gelaufen. Der 24 Jahre alte Südafrikaner ist Sympathieträger, ein Werbeträger und ein Vertreter einer guten Sache.

Dies bleibt er aber nur, solange er nicht zu gut wird, denn dies würde eine Technik-Debatte anheizen. Viele Behindertensportler wollen nicht offen darüber reden. Sie fürchten, ihre Skepsis könnte fälschlicherweise als Neid ausgelegt werden. Ein mehrmaliger Paralympics-Sieger bringt den Zwiespalt jedoch auf den Punkt. "Ich bin bei jedem Rennen von Oscar in Daegu vor Begeisterung aufgesprungen", sagt er: "Aber er hätte dort niemals starten dürfen. Man kann nur hoffen, dass nun nicht jemand mehrere Hunderttausend Euro investiert und die Wunderstelzen entwickelt, mit denen man alle in Grund und Boden rennen kann."

Pistorius will bei Olympia und den Paralympics starten

Deutschlands Behindertensportler des Jahres, Skiläufer Gerd Schönfelder, sieht es laut einer SID-Umfrage ähnlich. "Solange Oscar nicht gewinnt, sehe ich kein Problem", sagt er: "Allerdings schon, wenn sich dies ändert. Egal, wie toll seine Leistung dann auch sein mag, sie würde in jedem Falle angezweifelt." Dass Pistorius nur über 400 Meter mithalten kann, zeige "schon eine gewisse Abhängigkeit von den Prothesen".

Beim Start hat der Stelzenläufer Nachteile, während des Rennens Vorteile. So große nach Experten-Meinung, dass ihm nach entsprechenden Studien der Start bei Olympia 2008 zunächst verboten wurde. Ein Doppelstart 2012 bei Olympia und Paralympics ist nun Pistorius' großes Ziel. Um dies nicht zu gefährden, sei er in Daegu mit angezogener Handbremse gelaufen, munkeln Skeptiker. Schließlich blieb der 24-Jährige bei seinem Halbfinal-Aus in 46,19 Sekunden mehr als eine Sekunde über seiner kurz zuvor gelaufenen Bestzeit von 45,07.

"Oscar ist ein großer Mensch"

Der Leichtathletik-Weltverband IAAF hat in Person von Präsident Lamine Diack bereits verlauten lassen, Pistorius sei startberechtigt, müsse sich aber zwischen Olympia oder Paralympics entscheiden. Für "Riesenblödsinn" hält dies Schönfelder. Einen Zwang, sich entscheiden zu müssen, müsse es dagegen in Fällen wie dem des kanadischen Langläufers Brian McKeever geben. Dieser lief bei den Paralympics mit Begleitläufer und bei Olympia ohne.

"Manche sagen, es ist nicht gut, dass Oscar startet. Aber er hat die Menschen bewegt und begeistert. Und die IAAF hat seinen Start erlaubt", stellt Sir Philip Craven klar. Der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees traut Pistorius auf absehbare Zeit eine Medaille zu, erst einmal sei er ein guter Botschafter. "Oscar ist ein großer Mensch", sagt Craven: "Auf der Strecke eisenhart, außerhalb ganz sanft."

Pistorius hat Norm nicht mit unlauteren Mitteln erreicht

Der frühere Tischtennis-Spieler Rainer Schmidt kann die Diskussion über die Pistorius-Stelzen nicht nachvollziehen. Er selbst spielt bei den Nichtbehinderten in der Bezirksliga. "Wenn ich es bis in die Bundesliga geschafft hätte, wäre dann meine Schlägerverlängerung Technik-Doping?", fragt er. Pistorius habe die Normen nicht mit unlauteren Mitteln erreicht: "Eine Prothese ist ein Körperersatzstück. Die Karbonfedern ersetzen lediglich seine Beine. Mit Unterschenkeln würde er schneller laufen."

Doppelstarts bei Paralympics und Olympia hat es in der Vergangenheit bereits mehrfach gegeben. Eine Reglementierung wäre nach Ansicht von Karl Quade, zuletzt acht Mal in Folge Deutschlands Chef de Mission bei Paralympischen Spielen, "ein eklatanter Verstoß gegen die Gleichbehandlung". Doch auch er gibt zu Bedenken: "Die Technik wird sich weiterentwickeln." Manuela Schermund, Paralympics-Siegerin im Schießen und Bundesliga-Starterin bei den Nichtbehinderten, erklärt: "Pistorius ist ein wunderbarer Vertreter unserer Anliegen. Ist doch völlig egal, ob er 15. wird." Wahrscheinlich ist es sogar besser.

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