Startseite
Sie sind hier: Home > Sport > Specials >

Box-Legende Joe Frazier an Krebs gestorben

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Box-Legende Joe Frazier an Krebs gestorben

08.11.2011, 06:50 Uhr | dapd, dpa

Diesen Kampf konnte Joe Frazier nicht gewinnen. Jeder wusste es, auch "Smokin' Joe" selbst. Dennoch nahm der ehemalige Box-Weltmeister im Schwergewicht die Herausforderung an. Bestrahlungen, Chemotherapie, das ganze Programm. Auch Gebete. Am Ende aber war alles vergeblich, der Gegner zu stark, zu brutal und zu unfair. Joe Frazier starb im Alter von 67 Jahren in seiner Heimatstadt Philadelphia an Leberkrebs.

Vor fünf Wochen wurde die schwere Erkrankung erstmals diagnostiziert. Da war schon nichts mehr zu machen. "Wir müssen auf ein Wunder hoffen, jeder sollte für Joe Frazier beten", sagte sein Manager Leslie Wolff nach der Einweisung in ein Hospiz Anfang November, "die Ärzte prüfen die Optionen, aber es sind nur wenige."

Box-Welt trauert

Muhammad Ali, mit dem sich Frazier drei spektakuläre Kämpfe lieferte, reagierte mit großer Trauer auf den Tod seines einstigen Rivalen . "Die Welt hat einen großen Champion verloren", sagte der ehemalige Schwergewichts-Weltmeister. "Ich werde mich immer mit Respekt und Bewunderung an Joe erinnern. Meine Sympathie gehört seiner Familie und seinen Freunden.".

Der aktuelle WBC-Weltmeister Vitali Klitschko ließ mitteilen: "Mein Bruder und ich sind sehr traurig über den Tod von Joe Frazier. Er war einer der ganz Großen des Schwergewichts. Seine drei Kämpfe gegen Muhammad Ali gehören zweifellos zu den Klassikern der Sportgeschichte. Als großartiger Champion und durch sein soziales Engagement hat Joe sehr viel für den Boxsport getan."

Frazier bleibt unsterblich

Joe Frazier wird unsterblich bleiben. So wie Max Schmeling oder Joe Luis. Der nur 1,81 Meter große Schwergewichtler, diese Kampfmaschine im ununterbrochenen Vorwärtsgang, die schnaufte und ratterte wie eine Dampflok, war hinter Ali wohl der Größte aller Zeiten. Als Amateur gewann er 1964 in Tokio die Olympische Goldmedaille gegen den Deutschen Hans Huber trotz einer gebrochenen Schlaghand.

Legendär geworden ist Frazier vor allem durch seine Kämpfe gegen Ali. Am 8. März 1971 brachte er Ali in New York im "Kampf des Jahrhunderts" die erste Niederlage bei. Frazier war damals der erste, der den Besten zu Boden schlagen konnte. 1974 unterlag er Ali an gleicher Stelle im Madison Square Garden nach Punkten.

Ali: "Jeder Schlag ein Schritt zu meinem Grab"

Der Höhepunkt der Serie war der "Thrilla in Manila" am 1. Oktober 1975 in der Hauptstadt der Philippinen, als Frazier im Kampf um die WM der WBC und WBA nach der 14. Runde völlig erschöpft und mit zugeschwollenem Auge aufgeben musste. Ali gab später zu, dass er selbst unmittelbar vor der Aufgabe stand. Es sei der härteste Kampf seiner Karriere und er dem Tode nah gewesen. "Jeder Schlag, den ich von ihm einstecken muss, ist ein Schritt auf dem Weg zu meinem Grab", schrieb Ali in seiner Biografie über die Schlaggewalt von Frazier.

Auch abseits des Ringes Rivalen

Das Verhältnis der beiden schwarzen Boxer war über Jahrzehnte alles andere als gut. Ali hatte Frazier während der aktiven Zeit der beiden als "Onkel Tom", "Gorilla" und "Champion des weißen Mannes" diffamiert. Frazier nannte in seiner Autobiografie den zum Islam konvertierten Ali beharrlich mit seinem Geburtsnamen Cassius Clay und machte sich über dessen Parkinson Krankheit lustig. Erst im Jahr 2009 erklärte Frazier, er habe keine bitteren Gefühle mehr für Ali. Jahre zuvor hatten sich beide bereits versöhnt.

Millionen durch Immobiliengeschäfte verloren

Fraziers Karriere war nach der zermürbenden Schlacht in der Gluthitze der Philippinen praktisch zu Ende. Am 15. Juni 1976 stellte er sich noch einmal dem von Ali entthronten Ex-Weltmeister George Foreman und unterlag durch K.o. in der fünften Runde. Ein Comeback-Fight im Alter von 37 Jahren endete gegen einen Boxer namens Floyd Cumming Unentschieden. Das war es dann. 32 Siege und vier Niederlagen stehen in Fraziers Kampfrekord, Weltmeister war er von Februar 1970 bis zur ersten Niederlage gegen Foreman am 22. Januar 1973.

Nach seiner Laufbahn wurde es still um Joe Frazier. Er versuchte in einer Boxschule sein Wissen weiterzugeben, die 2008 geschlossen wurde. Er trat bei Autogrammstunden auf und als Stargast bei Boxveranstaltungen. Finanziell ging es ihm nicht gut, er hatte viele Millionen durch Immobiliengeschäfte verloren. Sein Sohn Marvis Frazier und Tochter Jackie Frazier-Lyde waren ebenfalls als Boxprofis aktiv. In den letzten Jahren trat er ab und an musikalisch als "Smoking Joe Frazier and the Knockouts" bei Feiern und Bällen auf, buchbar über eine Künstleragentur. Im Programm hatte er unter anderem "My Way" - der ist nun zu Ende.

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail


shopping-portal