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Die Methes: Kaum zu unterscheiden, aber unverwechselbar

13.11.2011, 10:38 Uhr | dapd, dpa

Die Methes: Kaum zu unterscheiden, aber unverwechselbar. Schiedsrichter Bernd (re.) und Reiner Methe beim Handball-Super-Cup 2011.

Schiedsrichter Bernd (re.) und Reiner Methe beim Handball-Super-Cup 2011.

Sie waren fast nicht zu unterscheiden, aber unverwechselbar: Als Handball-Schiedsrichter auf Weltklasse-Niveau waren die eineiigen Zwillinge Bernd und Reiner Methe einmalig. "Für mich waren es nur Methe/Methe. Die waren nicht zu unterscheiden", sagte der deutsche Schiedsrichterchef Peter Rauchfuß.

Am Freitag hatte die Karriere der beiden Referees aus dem hessischen Vellmar ein tragisches Ende gefunden: Auf dem Weg zum Bundesliga-Spiel HBW Balingen-Weilstetten gegen den SC Magdeburg starben die beiden Familienväter im Alter von 47 Jahren nahe Empfingen bei einem grauenvollen Verkehrsunfall.

Rauchfuß tief betroffen

"Der Schmerz ist nicht zu beschreiben", sagte Rauchfuß mit belegter Stimme. Seit knapp einem Jahrzehnt ist der Chemnitzer Chef der deutschen Schiedsrichter und kannte die Methes seither bestens. Deren Herz schlug für den Handball. "Sie waren absolut zuverlässig, immer einsatzbereit. Sie haben alles dem Handball untergeordnet und waren vorbildlich in ihrem Auftreten. Ich weiß nicht, wie ich die beiden ersetzen soll, denn sie hatten menschlich so viele positive Werte, das ist nicht zu beschreiben", berichtete Rauchfuß.

Insbesondere wegen dieser menschlichen Aspekte waren Bernd und Reiner Methe im gesamten Handball-Lager beliebt. "Wenn es jemand verstanden hat, mit Spielern fair und ehrlich zu kommunizieren, dann die beiden. Das waren ganz tolle Menschen, und ich fühle mich persönlich davon betroffen", sagte Nationalspieler Oliver Roggisch gegenüber "Spiegel Online".

Dreimal Schiedsrichter des Jahres

"Was ich fühle, ist mehr als Schmerz, weil ich weiß, was wir verloren haben. Aber ich bin unwichtig, wenn ich an die Familien denke. Schrecklich. Das sind so gefestigte Familien, die ihrem Hobby alles untergeordnet haben. Und die werden so bestraft", sagte Rauchfuß. Reiner Methe hinterlässt seine Frau und zwei Jungs, Bernd Methe hatte mit seiner Frau einen Sohn.

Mit ihrer Leidenschaft für den Handball hatten es die am 1. Juni 1964 geborenen Zwillinge in ihrem Sport weit gebracht. 670 Bundesliga-Spiele, unzählige Einsätze in Pokal, Europacup und Länderspielen sowie als Höhepunkt das Finale der Männer-EM 2010 in Wien zwischen Frankreich und Kroatien. Im Dezember sollte die Frauen-WM in Brasilien ein weiteres Highlight werden. Dreimal hintereinander waren sie Deutschlands Schiedsrichter des Jahres.

Rauchfuß: "Sie waren nicht verbiegbar"

Mit ihrer freundlichen, offenen und kommunikativen Art bekamen sie selbst schwierige Begegnungen in den Griff. "Sie waren nicht verbiegbar", urteilte Peter Rauchfuß. Und abseits des Parketts war das Brüder-Paar jederzeit gern gesehen. "Ich habe sie menschlich wie sportlich außerordentlich geschätzt", sagte Balingens Trainer Rolf Brack.

Im Privaten verband die Methes ihr ausgeprägter Familiensinn. Die gemeinsame Leidenschaft für den Handball war nur ein Ausdruck der sehr innigen Beziehung, die das fast unzertrennliche Zwillingspaar pflegte. Im Gleichschritt gingen sie einen der wichtigsten Abschnitte ihres Lebens an. Sie heirateten ihre Lebensgefährtinnen am selben Tag. Zuletzt lebten sie mit ihren Ehefrauen und Söhnen im hessischen Vellmar nah beieinander und hatten im Daimler-Werk von Kassel den gleichen Arbeitgeber.

Einsätze in ganz Europa

Im Handball leiteten sie seit 1988 gemeinsam Spiele, ein Jahr zuvor hatte jeder für sich sein Debüt an der Pfeife gegeben. Es gibt kaum ein Land in Europa, in dem die Hessen bis zum Unfalltod am 11. November nicht schon einmal eine Partie geleitet hatten.

Die verblüffende Ähnlichkeit sowohl in Gestik, Mimik und Auftreten als auch im Aussehen setzten die Methes auch in feinsinnigen Humor um. Als sie im Zuge der Affären um Schiedsrichter-Manipulation gefragt wurden, warum sie denn nicht auch mal angesprochen worden seien, begründeten sie dies damit, dass derjenige dann nicht gewusst hätte, mit wem er gesprochen hätte. Doch ein sichtbares Merkmal, beide auseinanderzuhalten, gab es: Reiner Methe hatte im Gegensatz zu seinem Bruder Bernd einen Leberfleck gerade in der Größe eines Stecknadelkopfes unter dem rechten Auge.

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