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Babak Rafati: Selbstmordversuch wirft Fragen auf

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Bundesliga - 13. Spieltag  

Auf der Suche nach dem Motiv

22.11.2011, 14:44 Uhr | t-online.de

Babak Rafati: Selbstmordversuch wirft Fragen auf. FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati aus Hannover. (Quelle: dapd)

FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati aus Hannover. (Quelle: dapd)

Von Jörg Hausmann

Zwei Jahre oder genau 739 Tage nach dem Selbstmord des Hannoveraner Nationaltorwarts Robert Enke steht Fußball-Deutschland fassungslos vor dem Selbstmordversuch Babak Rafatis. Im Unterschied zu Enke hat der FIFA-Schiedsrichter aus Hannover noch die Möglichkeit, das Motiv für seine Verzweiflungstat zu erklären. Bis dahin bleibt alles Spekulation. Klar scheint jedoch, dass Rafati einem Druck - sei er sportlicher, medialer oder privater Natur - nicht gewachsen ist.

DFL-Präsident Dr. Reinhard Rauball, der außerdem dem Deutschen Meister Borussia Dortmund vorsteht, sagte: "Ich kann auch ein kleines Lied mitsingen, was Druck in der Bundesliga in bestimmten Phasen meiner Amtszeit anbelangt. Es ist nur so, nicht jeder verkraftet das so stabil, wie die meisten. Das ist ein kleiner Prozentsatz, aber selbst die achte Stelle nach dem Komma ist zuviel."

Der Druck ist kein guter Weg

"Die Drucksituationen, die erzeugt werden, werden auf Dauer kein guter Weg sein", mahnte DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger im ZDF-Interview. Er fügte jedoch einen entscheidenden Satz hinzu: "Es sind ja eigentlich starke Persönlichkeiten." Enke und Rafati haben sich nicht als solche erwiesen, wohl aber Hannovers Torhüter Markus Miller und der frühere Hannoveraner Trainer Ralf Rangnick. Beide lieferten ein vorbildliches und wünschenswertes Beispiel, als sie in die Offensive gingen und sich rechtzeitig zu ihrem Burnout bekannten.

Was ist von Enkes Hilferuf geblieben?

Der 10. November 2009 und Enkes Verzweiflungstat haben in ihrer Wirkung scheinbar den Tag nicht überlebt. "Verhaltensweisen ändern und Umdenken sind Prozesse. Jeder, der erwartet hat, dass durch ein so schreckliches Ereignis die Welt von heute auf morgen humaner wird, der irrt, der ist nicht realistisch", ordnete Zwanziger ein. Rauball aber sieht die Schuld nicht beim Fußball: "Dass kann man mit dem Geschäft selbst nicht in der Weise verbinden, dass man sagt, dass der Fußball in eine falsche Richtung läuft. Dagegen wehre ich mich. Wir haben auch andere Bereiche wie Politik und Showbusiness, wo wir derartige Probleme hatten und akut haben." Denn: Das nach wie vor erbarmungslose Millionen-Geschäft Bundesliga findet mitten in der Gesellschaft statt. Hier wie dort wirken vergleichbare Kräfte. Die immerwährende Erwartung an alle lautet, permanent Höchstleistung abzuliefern. Persönliche Empfindlichkeiten haben außen vor zu bleiben, weil sie nichts anderes bewirken, als die Leistung zu hemmen.

Gespielte Stärke

Wenn die "Schauspieler" auf der Bühne Bundesliga weiterhin eine Rolle besetzen wollen, dann muss ihre Stärke echt sein. Rafatis Beispiel aber zeige laut Zwanziger "wieder einmal, dass Stärke, die nach außen getragen und dargestellt wird, gar nicht den Menschen selbst zeigt, der im Innersten sehr schwach sein kann."

Mit 41 Jahren schon in einer ausweglosen Situation

Im Falle Rafatis geht es angesichts seiner Tat offensichtlich um weit mehr als eine Hemmung der Leistung als Schiedsrichter. Die Gesellschaft dürfe sich "nicht immer nur nach dem äußerlichen Schein richten", forderte Zwanziger. "Wir müssen versuchen, uns dem Innenleben der Menschen zu nähern. Es erschreckt mich in diesem Fall, dass ein 41-Jähriger, der mehr als die Hälfte seines Lebens noch vor sich hat, jetzt schon so ausweglos denkt."

Nicht wild spekulieren

Warum er dies tut, bleibt DFL, DFB und erst recht der Öffentlichkeit vorerst verborgen. "Solange man nichts Genaues weiß, ist es schwer, eine entsprechende Rangliste aufzusetzen, was alles sein kann. Es gibt viele Möglichkeiten. Du kannst im Grunde nichts ausschließen", sagte Zwanziger. "Es ist eine ausweglose Situation, in die eine Mensch gerät, wenn er glaubt, dieses Leben nicht mehr annehmen zu dürfen. Es ist alternativlos, es ist ausweglos. Warum macht man das? Es ist sehr, sehr wichtig, die Gründe im Detail zu erfahren: Ist es der Beruf? Ist es das Schiedsrichterwesen? Liegt es im Privaten?"

Rafati muss geholfen werden, zu reden

Es bleibt nur die Hoffnung auf Rafatis Offenheit, sobald dieser sich in der Lage fühlt, seine Gründe zu offenbaren. Rauball wünschte sich, "dass er die Krankheit, die er akut hat, überwindet und dann die Ursachen beseitigen kann, die ihn dazu veranlassen mussten, eine solche Tat zu begehen. Wir müssen da noch mehr Fachleute mit ins Boot nehmen, die uns sagen, wie breit wir uns aufstellen müssen."

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