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Formel 1: Sebastian Vettel und Red Bull waren eine Einheit

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"Vettel und Red Bull - das war eine Einheit"

22.11.2011, 09:52 Uhr | t-online.de

Formel 1: Sebastian Vettel und Red Bull waren eine Einheit. Zeigefinger als Markenzeichen: Vettel jubelt nach seinem Sieg in Südkorea (Quelle: imago)

Zeigefinger als Markenzeichen: Vettel jubelt nach seinem Sieg in Südkorea (Quelle: imago)

Das Gespräch führte Björn Lücker

Er steht schon lange als Weltmeister fest, stand bislang 14 Mal auf der Pole und feierte elf Saisonsiege: Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel hat in dieser Saison die Formel 1 dominiert wie Michael Schumacher zu seinen besten Zeiten bei Ferrari. Die Konkurrenz hatte nicht den Hauch einer Chance gegen den Überflieger aus Heppenheim.

Im Interview mit t-online.de lässt Formel-1-Experte Marc Surer vor dem Finale am kommenden Sonntag in Brasilien (ab 16.45 Uhr im Live-Ticker bei t-online.de) die Saison Revue passieren. Er verrät, was Vettel so stark macht, erklärt warum Mercedes auf Nico Rosberg setzen muss und ist überzeugt, dass dem Rennen in Indien die Zukunft gehört.

Herr Surer: Sebastian Vettel hat in diesem Jahr die Konkurrenz fast nach Belieben dominiert. Müssen wir uns auf eine langweilige Formel-1-Zeit einstellen?
Surer: Soweit würde ich nicht gehen. Aber ganz klar: Sebastian war in diesem Jahr eine Klasse für sich.

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Und wird es wohl auch bleiben. Jedenfalls ist niemand in Sicht, der ihm ernsthaft Paroli bieten kann. Es heißt ja schon, Vettel könne den siebenmaligen Weltmeister Michael Schumacher noch übertrumpfen.

Vorsicht! Sebastian hat gerade einmal zwei WM-Titel gewonnen. Bis er Michael eingeholt hat, ist es noch ein weiter Weg. Und es kann noch sehr viel passieren. Aber klar: Von der Konkurrenz war ich in diesem Jahr auch enttäuscht. Allerdings bin ich ebenso überrascht über Sebastians Leistungssteigerung im Vergleich zu seinem ersten WM-Jahr. Er ist nahezu perfekt gefahren und hat auch ein paar riskante Überholmanöver hingelegt. Damit hat er der Konkurrenz zusätzlich gezeigt, wer der Chef im Ring ist. Sebastian hat sich zu einem kompletten Rennfahrer entwickelt und ist der beste Fahrer im Feld. Das hätte ich vor einem Jahr noch nicht gesagt.

Er hatte aber auch das stärkste Auto.
Das Auto war immer konkurrenzfähig, das ist natürlich fantastisch für einen Fahrer. Aber darauf kann man die Siege nicht schieben. Ansonsten hätte Mark Webber auch gewinnen müssen Es war die Kombination aus technischer Perfektion und unbändigem Siegeswillen von Sebastian. Er hat einfach perfekt zu dem Auto und den Reifen gepasst. Sebastian Vettel und Red Bull – das war in diesem Jahr eine Einheit.

Was hat Vettel in diesem Jahr besonders ausgezeichnet?
Was mich sehr beeindruckt, ist seine Fähigkeit, auf den Punkt schnell zu sein. Im Qualifying hat er oft noch eine Sekunde herausgequetscht, auch wenn sein Auto mal nicht so perfekt abgestimmt war. Bemerkenswert ist auch seine Coolness im Rennen. Er bleibt auch dann ruhig, wenn hinter ihm Druck gemacht wird. Was Sebastian ebenfalls auszeichnet, ist seine Akribie, dass Auto perfekt abzustimmen. Das beste Beispiel war Ungarn: Da wirkte er im Training etwas verloren. Gemeinsam mit seinen Ingenieuren hat er dann am Auto getüftelt. Wer stand dann wieder auf der Pole: Sebastian Vettel.

Auch Mercedes würde gerne vorne landen. Zuletzt ging es mit den Silberpfeilen aufwärts. Gelingt  dem Team im nächsten Jahr der Durchbruch?
Mercedes hat den richtigen Schritt gemacht und rüstet personell auf. Spitzenteams wie McLaren oder auch Red Bull beschäftigen bis zu 120 Ingenieure. Da will Mercedes jetzt mitziehen. Ich denke aber nicht, dass die Silberpfeile in der nächsten Saison schon um die WM mitfahren können. Podiumsplätze sind aber drin.

Wer steht dann auf dem Treppchen: Michael Schumacher oder Nico Rosberg?
Rosberg ist definitiv der Schnellere, das hat er in dieser Saison untermauert. Michael hat so ein paar starke Momente gehabt, seine Fights haben mir Spaß gemacht. Aber Mercedes muss auf Rosberg setzen. Ihm gehört die Zukunft.

Marc SurerMarc SurerWar es richtig von Rosberg, den Vertrag bei Mercedes zu verlängern?
Bei Mercedes läuft alles in die richtige Richtung. Bei Ferrari, eine der großen Enttäuschungen in dieser Saison, höre ich nichts von aufrüsten, die machen so weiter wie bisher. Und was bringt es Nico, neben einem Fernando Alonso zu fahren?  Da ist es besser, bei Mercedes zu bleiben mit der Hoffnung, dass es jetzt aufwärts geht.

Auch Adrian Sutil hätte bei Force India gerne eine Vertragsverlängerung in der Tasche. Seine Leistungen waren jedenfalls überzeugend.
Zu Beginn der Saison hatte Adrian Probleme mit den Reifen. Da hatte es sein Teamkollege Paul di Resta einfacher, der als Formel-1-Neuling unbefangen durchstarten konnte. Mittlerweile hat Adrian ihn aber locker im Griff. Insgesamt ist er eine super Saison gefahren. Er ist für jedes Team attraktiv, weil man weiß was er kann.

Und trotzdem muss er um seinen Stammplatz bangen. Auch bei Force India scheint sich der Trend des Bezahlfahrers durchzusetzen. Mit anderen Worten: Wer am meisten Sponsoren mitbringt, bekommt das Cockpit. Bleibt das Sportliche in der Formel 1 damit immer mehr auf der Strecke?
Zur Erinnerung: Auch ein Michael Schumacher oder auch Niki Lauda waren einmal Bezahlfahrer, als sie in die Formel 1 eingestiegen sind. Es spricht ja nicht gegen den Fahrer, wenn er Sponsoren von sich überzeugt und dann mit in ein Team bringt. Bevor ein Nachwuchspilot die ersten Runden in der Formel 1 dreht, hat seine Karriere schon Millionen verschlungen. Irgendjemand muss das ja finanzieren. Und nicht jeder hat einen reichen Vater, der bereitwillig bezahlt.

Auffällig war in dieser Saison aber der Fall Nick Heidfeld, der mitten in der Saison ausgebootet wurde. Plötzlich saß Bruno Senna im Cockpit, weil er zahlungskräftige Geldgeber im Rücken hatte.
Das ist richtig, aber teamintern hat es offenbar auch nicht mehr harmoniert. Es hatte so gut angefangen für Nick mit seinem Podiumsplatz beim zweiten Rennen in Malaysia. Dann wurde es immer schlechter und es kamen Schuldzuweisungen für die Misere dazu. Daran ist Nick letztlich zerbrochen. Das Team hat sich wohl gedacht: Wenn wir schon hinterherfahren, können wir das auch mit einem Fahrer machen, der auch noch Geld ins Team pumpt.

Derzeit ist Kimi Räikkönen in aller Munde, der offenbar vor seinem Comeback bei Williams steht. Ist er so ein Typ, den die Formel 1 wieder braucht.
Wir haben schon fünf Weltmeister im Feld, brauchen wir da noch einen sechsten? Ich sehe bei Kimi immer das Problem der Motivation. Sein Rallye-Ausflug hat nicht den erhofften Erfolg gebracht, also probiert es nun wieder in der Formel 1. Wahrscheinlich will er seinen Kollegen noch einmal zeigen, dass er es noch drauf hat. Doch im Williams kann er nur im Mittelfeld herumfahren. Ob er das wirklich durchhält? Ich würde eher einen jungen, hungrigen Fahrer verpflichten.

Und Räikkönen gilt nicht gerade als technikbegeistert. Eigentlich eine Grundvoraussetzung für ein Engagement in der Formel 1.
Williams verfolgt allerdings die Philosophie unter dem Motto: Die Fahrer sollen Gas geben und die Technik machen wir. Von daher wäre er sicher willkommen.

Mit dem Grand Prix in Neu Dehli gab es in dieser Saison ein neues Rennen im Kalender. Viele Fahrer haben sich von der Strecke begeistert gezeigt. Wie haben Sie die Premiere erlebt?
Das Rennen war eine positive Überraschung, eines meiner Highlights in der Saison. Die Strecke hat gut funktioniert und richtig Spaß gemacht. Eine gelungene Premiere.

Aber auch mit krassen Gegensätzen. Auf der Strecke herrschte der Glamour der Formel 1 und 500 Meter weiter in den Slums bitterste Armut.
Das stimmt, es ist schon schlimm, wenn man das sieht. Trotzdem ist es gut, dass die Formel 1 in Indien fährt. Es gibt jetzt schon seit einigen Jahren mit Force India ein indisches Team, eine funktionierende Nachwuchsförderung und motorsportverrückte Fans - alles ist besser aufgebaut als beispielsweise in China. Dort existiert eine Strecke in der Nähe von Shanghai, aber es fehlt der Bezug zur Formel 1. Das ist in Indien anders. Dem Land gehört die Zukunft.

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